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18.10.2016, 22:30 Uhr KOLUMNE

Unabhängiges Filmfest 2016: Reporter in der Klemme

Von Ralf Döring

Ort knallharter Recherchen: Die Kneipe der Lagerhalle. Foto: LagerhalleOrt knallharter Recherchen: Die Kneipe der Lagerhalle. Foto: Lagerhalle

Das Unabhängige Filmfest Osnabrück ist mehr nur eine Gelegenheit, Filme zu sehen. Mindestens genauso wichtig ist der Diskurs. Und wo prallen die Meinungen am härtesten aufeinander? Genau: An der Theke der Lagerhalle. Dort loten wir allabendlich die Grenzen der Recherche aus.

Während sich die meisten Besucher des Unabhängigen Filmfests noch in der Vorbereitung befinden dürften, hat uns Berichterstatter das Festivalfieber schon voll im Griff. Das hat mit unserem Ethos zu tun: Ein gewissenhafter Reporter sondiert die Lage im Vorfeld. Wie fühlt sich die Lagerhallen-Theke an, welcher Platz gewährt den besten Überblick, wie gewährleistet man den reibungslosen Nachschub? Gerade diese Kolumne nehmen wir sehr ernst. Ich vor Ort, Kollege Benedict im Homeoffice.

Während ich nun zuversichtlich in die Zukunft sehe, ist der Kollege hoffnungslos überfordert, und zwar vom Eröffnungsfilm „Die letzte Sau“. Nicht intellektuell; Daniel ist ein schlauer Kollege. Aber dialektal steckt der Mann von der Küste tief in der Klemme: „Ich sehe, dass die Lippen sich bewegen“, schreibt er per Sms. „Aber es klingt, als hätte die letzte Sau persönlich synchronisiert.“ Der Film spielt im Nördlinger Ries; da sprechen die Leute etwas seltsam; innerhalb Bayerns gelten die Menschen dort als Exoten.

Dem Kollegen Benedict hilft das wenig. Statt im Filmfest-Reporter-Team den Ärger an der Theke hinunterzuspülen, sitzt er mit seinen gutturalen Lauten allein zuhause. Was die Vorteile der des Vor-Ort-Journalismus gegenüber den Bequemlichkeiten des heimischen Büros zeigt.


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