18.10.2016, 16:27 Uhr

Neues Bewerbungsverfahren Zählt auf der Maiwoche bald nur noch der Kommerz?

Die Wallenhorster „Greenbeats“ auf der Maiwoche 2016 am Nikolaiort. Ist für lokale Bands auf der Maiwoche künftig noch Platz? Foto: David EbenerDie Wallenhorster „Greenbeats“ auf der Maiwoche 2016 am Nikolaiort. Ist für lokale Bands auf der Maiwoche künftig noch Platz? Foto: David Ebener

Osnabrück. Was wird aus der Osnabrücker Maiwoche: eine massenwirksame Geldmaschine oder ein subventioniertes Kulturfest mit regionalem Schwerpunkt? Norddeutschlands großes Stadtfest steht am Scheideweg – das meinen zumindest die Schausteller.

Zum ersten Mal in der 44-jährigen Geschichte des Volksfestes vergibt die Stadt die Standflächen in den drei Zonen Nikolaiort/Domhof, Große Straße/Jürgensort und Ledenhof für die kommenden fünf Jahre in einem Interessenbekundungsverfahren. Veranstalter sind aufgefordert, ihr Konzept vorzustellen. Eine Auswahlkommission trifft anhand eines 25 Punkte umfassenden Kriterienkatalogs in den kommenden Wochen eine Entscheidung.

Falsche Anreize

Dieser Kriterienkatalog setzt nach Ansicht der Schausteller falsche Anreize. Henning Hammoor, Vorsitzender des Schaustellervereins Laterna Magica, vermisst Impulse für eine Fortentwicklung der Maiwoche und fürchtet, dass die regionale Musikkultur unter die Räder kommt.

Jedes der 25 Kriterien fließt mit einer bestimmten Gewichtung – ausgedrückt in Prozent – in die Gesamtbewertung ein. Bei der Vergabe des Spielortes Nikolaiort/Domhof hat das größte Gewicht mit acht Prozent die „Produktvielfalt“ bei „Gastronomie und Warenangebot“. Es folgen mit jeweils sieben Prozent die (kostenfreie) Einbeziehung des Themas Europa und Städtepartnerschaften, die Einbindung des Osnabrück-Tages und des Kinderprogramms. Die Barrierefreiheit, die Dekoration und die Bereitstellung von Bühne, Technik und Zelten für die Programme der Partnerstädte gehen mit jeweils sechs Prozent in die Bewertung ein.

Auf der niedrigsten Stufe mit einem Gewicht von zwei Prozent stehen unter anderem: die Planung der Versorgungs- und Lagerflächen, die Reinigung, das Sicherheitskonzept, die Flucht- und Rettungswege – und der Einbezug regionaler Künstler und Bands. „Hier wird klar und deutlich ein Zeichen gegen die Unterstützung regionaler Musikkultur gesetzt“, sagt Henning Hammoor.

Verein „Laterna Magica“ appelliert an die Politik

Der Vereinsvorsitzende fordert die Politik auf, das von der Verwaltung erarbeitete Bewertungsschema noch einmal zu überprüfen. Darüber hinaus müsse der Stadtrat den finanziellen Druck auf die Veranstalter lockern und sich zu einer Subventionierung des größten Volksfestes der Region entschließen, um die seit Jahren zu beobachtende Stagnation zu beenden.

Der Verein, der die historische Kirmes- und Volksfestkultur in Osnabrück fördern will, hat sich mit einem innovativen Konzept um die Veranstaltungsfläche Nikolaiort/Domhof beworben . Kernpunkte sind ein aufgefrischtes Europadorf, spektakuläre Straßenkünstler, moderne Street-Food-Trucks und vor allem ein Musikprogramm mit aufstrebenden regionalen Bands. Das Ganze funktioniert allerdings nur mit einer städtischen Anschubfinanzierung.

Hammoor rechnet vor, dass das Volksfest der Stadt über die Umwegrentabilität (zum Beispiel durch höhere Steuereinnahmen oder Parkgebühren) 700 000 Euro in die Kasse bringt. Ein Teil sollte zeitlich befristet zur Refinanzierung eingesetzt werden. Langfristig, so meint Hammoor, könne die Finanzierung durch die Einführung eines „Friedensthalers“ als Lokalwährung gelingen.

Keine Bühne für junge Musik?

Das Geld ist auch der Grund, warum Stephan Viehoff, Chef der Agentur Royal Concepts, sich für 2017 nicht um den Betrieb einer Bühne auf dem Ledenhof bewerben. Zu vergangenen Maiwoche war dort auf dem letzten Drücker ein viertägiges Programm für junge Leute auf die Beine gestellt worden – nach Intervention der SPD-Fraktion und mit einem städtischen Zuschuss von 10 000 Euro. Damit konnte Viehoff die erstmals erhobene Sondernutzungsgebühr bezahlen. Einen Überschuss erwirtschaftete er nach eigenen Angaben trotzdem nicht. „Die Organisation dauert locker ein halbes Jahr. Wenn es dann am Ende Plus-Minus-Null ausgeht, sollte man den Aufwand nicht treiben.“

Ziel ist die volle Kostendeckung

2015 beschloss der Rat, die Standgebühren auf den Osnabrücker Märkten anzupassen. Ziel ist ein Kostendeckungsgrad von 100 Prozent, der zum Beispiel beim Weihnachtsmarkt erreicht wird. Die Maiwoche war in den vergangenen Jahren ein Zuschussgeschäft für die Stadt mit einem Kostendeckungsgrad von unter 80 Prozent. 2014 setzte die Stadt knapp 25 000 Euro zu.

Neumarkt in der Schwebe

Ob der Neumarkt auch 2017 bespielt werden kann , ist noch offen. Der Platz ist nicht in das Interessenbekundungsverfahren aufgenommen worden, weil die politischen Entscheidungen zur künftigen Gestaltung des Platzes noch ausstehen und die Auswirkungen der geplanten Bauarbeiten nicht abschätzbar sind. „Wir können aber den Neumarkt nachschieben, wenn wir Gewissheit haben“, sagt Sandra Solf, Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung.


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