09.10.2016, 17:54 Uhr

Festival im Haus der Jugend Von Hochkultur bis Bollywood: Indische Tänze begeistern


Osnabrück. Bereits zum zweiten Mal veranstaltete Elena Marr das indische Tanzfestival „Namaste India“ am Samstag im Haus der Jugend in Osnabrück. Dabei lernten die Zuschauer nicht nur den uralten, indischen Tanz Kathak kennen, sondern auch moderne Tanzstile, die teils westliche Musikeinflüsse aufnehmen.

Die Fans von Bollywood-Filmen kamen im ersten Teil des Abends nicht auf ihre Kosten, sie mussten bis zum zweiten Teil warten. Wurden dann aber für ihre Geduld mehr als belohnt.

 

Der Stargast

Mit Surangama Dasgupta hatte die Festival-Organisatorin eine für den Kathak-Tanz sehr bekannte, diplomierte Tanzlehrerin nach Osnabrück eingeladen. Sie ist zugleich Diplom Psychologin und unterrichtet weltweit nicht nur verschiedene Tanzstile, sondern bietet auch Tanztherapie an.

 

Eintauchen in die Geschichte und Klassik

Dasgupta tanzte einmal komplett durch die Geschichte des klassischen Kathak-Tanzes und erklärte: „Meine Sprache sind Musik und Tanz.“ Für die passende Übersetzung sorgte Eileen Murray aus Münster. Sie erklärte, wie sich der Kathak-Tanz im Laufe der Jahrhunderte veränderte und worauf die Zuschauer achten sollten. So wies Murray beispielsweise auf die Schellen an Dasguptas Füßen hin, die die Fußarbeit betonen, die im Kathak besonders wichtig ist. Und sie riet: „Achten Sie auf die bestimmten Linien, die eingehalten werden. Man wirft nicht einfach die Arme hoch, eigentlich steckt da Geometrie drin.“ Wenn Desgupta los legte, konnten die Zuschauer getanzte Geschichten verfolgen, deren Inhalt sich nicht nur anhand der Bewegungen der Tänzerin, sondern auch in ihrem ausdrucksstarken Gesicht ablesen ließen. Und am Ende bot  Desgupta noch etwas Besonderes: Sie tanzte einen Kathak zu Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“.

 

Das war der erste Teil

Bald darauf gab es eine kurze Pause, in der das Gesehene Thema war: „Sie ist technisch absolut exakt und eine der variantenreichsten Tänzerinnen, die ich kenne. Sie ist einfach eine Künstlerin“, so Murray über Dasguptas, und Natalia Paulus resümierte: „Mir hat alles gut gefallen.“ Ihr Vater Martin Paulus fügte hinzu: „Das ist eine ganz andere Kultur, sie ist mir etwas fremd, aber sehr ausdrucksvoll.“ Bazhena Erdmann wiederum fand die Murrays Beschreibungen gut: „Sie haben mir geholfen, die Tänze zu verstehen.“ Und ihre Freundin Julia Maron erklärte: „Der erste Teil war beeindruckend, ganz anders als erwartet, sehr emotional.“ Der gebürtige Inder Gourav Deep Singh wiederum urteilte: Der Tanz war sehr gut ausgeführt.“ Zudem er fand: „Das Festival ist eine gute Idee, um den Leuten eine andere Kultur näher zu bringen.“ Und es zeige: „In Indien lebt nicht nur der Tourismus, Indien hat eine lange Geschichte und Kultur.“

 

Moderner Tanz folgt auf Klassik

Im zweiten Teil des Abends kamen auch die Bollywood-Fans auf ihre Kosten. Denn hier wurden auch mal moderne Beats, harte Bässe, Breakdance- und Hip-Hop-Elemente mit welchen aus der klassischen, indischen Musik verbunden. Die Bühne teilten sich Samina Paul aus Bielefeld/Düsseldorf, die Kölnerin Zohra Samia Khan, Thanaraj T-Fly & Saskia aus Neuss, Alisha aus Dortmund und Bollyfusion aus Köln/Dortmund. Die Organisatorin des Festivals, Elena Marr, tanzte sowohl bei der Osnabrücker Gruppe Rangoli mit und betrat als Maya mit der Osnabrooklyn Crew die Bühne: Marr begann klassisch. Sie tanzte mit Fußschellen zu Gesang und Gitarrenmusik – bis die Osnabrooklyn Crew die Bühne stürmten und in ihren Breakdancer-Klammotten zunächst zur klassischen Musik breakdancten. Bald passte sich die Musik dem Stil Tänzer etwas mehr an. Wie schon die Künstler zuvor erhielt die Gruppe viel Applaus, Jubel und Pfiffe. Dann trat als letzter Künstler des Abends Desi Rajas aus Köln mit seiner Dhol, einer Doppeltrommel, auf – und das Festival endete in einer großen Party. Schon vor dem Finale hielt es viele Zuschauer nicht mehr auf den Stühlen. Sie tanzten neben den Stuhlreihen, klatschten und Pfiffen mit. Und alle die es bis dahin noch geschafft hatten, ruhig sitzen zu bleiben, sprangen spätestens zum Finale auf und tanzten mit. So endete das Festival mit ausgelassener Partystimmung.


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