08.10.2016, 22:52 Uhr

Premiere im Theater Osnabrück Ein eher zaghaftes „Lächeln einer Sommernacht“

Auch sie hat die Liebe erwischt: Fabian Baumgarten als Kutscher Frid, Maria Goldmann als Hausmädchen Petra und Ensemble.Foto: Uwe LewandowskiAuch sie hat die Liebe erwischt: Fabian Baumgarten als Kutscher Frid, Maria Goldmann als Hausmädchen Petra und Ensemble.Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Die deutschsprachige Erstaufführung von Ingmar Bergmanns „Das Lächeln einer Sommernacht“ fürs Schauspiel im Osnabrücker Theater bewegte sich noch auf recht unsicheren Beinen zwischen ernstem Liebesdrama, Komödie und Klamotte. Doch das Premierenpublikum spendete der Inszenierung von Ramin Anaraki erfreuten Beifall.

Osnabrück. Gleich zweimal beschwört die alte Lebedame ihren Wein als geheimnisvolle Kraftquelle aus Blut, Muttermilch und Samen. Siehe da, er wirkt: In einer Sommernacht befreit sich so mancher der Festgäste vom Leben im Quälenden und Falschen – und die richtigen Paare finden sich.

Wird da William Shakespeares „Sommernachtstraum“ im Osnabrücker Theater gespielt? Nein, es ist Ingmar Bergmanns Film „Das Lächeln einer Sommernacht“ als deutschsprachige Erstaufführung fürs Schauspiel – eine Musicalversion davon existiert schon.

Warum der Film von 1955 nun auch auf die Bühne gehievt werden muss, macht die Osnabrücker Inszenierung von Ramin Anarak i nicht ohne Weiteres erkennbar. Zumal sie auch als großes Ensemblestück für ein neu zusammengesetztes Schauspielteam nur begrenzt überzeugt.

Sie bewegt sich auf eher unsicheren Beinen zwischen ernstem Liebesdrama, Komödie und bisweilen unfreiwillig komischer Klamotte mit hohlem Pathos und Blütenkränzchen im Haar. Als fehlte ihr der Zaubertrank, der sie zu Saft und Kraft vorstoßen ließe. Aber vielleicht wirkt der Trank ja noch – in den Aufführungen nach der Premiere.

Denn schöne, vital gespielte Einzelszenen gibt es sehr wohl. Es hat Klasse, wie Monika Vivell als Schauspielerin Desirée Armfeldt ihren aktuellen und ihren abgelegten Liebhaber mit den Mitteln einer starken Frau gegeneinander ausspielt. Ähnlich stark tritt Maria Goldmann als Hausmädchen Petra auf, ein umwerfend kokettes Energiebündel, das sich im Park den sinnlich-drahtigen Kutscher Frid (Fabian Baumgarten) an Land zieht.

Valentin Klos gibt den verklemmten Theologiestudenten Henrik mit fettiger Langmähne und köstlich verschwitzter Moral. Was seinen Vater mehr amüsiert als stört: Andreas Möckel überzeugt rundherum als Advokat Fredrik Egerman. Elaine Cameron wiederum berührt als seine so mädchenhafte wie traurig-kluge Frau Anne.

Thomas Kienast mimt lieber den gefährlichen Polterer als den schneidigen Offizier Malcolm, während Helene Stupnicki als Malcolms Frau bis hin zum rötlichen Haar sehr der Charlotte aus Bergmanns Film gleicht – eine sinnlich-selbstbewusste Erscheinung, unterstrichen durch das atemberaubende Kleid, das Linda Schnabel (Kostüme) für sie entworfen hat.

Einen wunderbar menschlichen Kontrast zur mal jüngeren, mal reiferen Jugend bieten Eva Gilhofer als Garderobiere Malla mit herrlich trockenem, sarkastischem Humor und Cornelia Kempers als Desirées Mutter. Anders als der bettlägerigen Greisin im Film steckt ihr noch eine Restsinnlichkeit im Leib, die zu neckisch-ausgelassenem Schabernack mit Kutscher Frid auf ihrem Landsitz führt. Das wirkt dann lebensecht witzig im Gegensatz zur Festgesellschaft, die sich zur kunstvoll tickenden Musik (Achtung: Tod und Vergänglichkeit) Eberhard Schneiders unterm Blutmond in Trance hüpfen muss.

Dafür sind die vielsagenden Kostüme von Linda Schnabel auch optisch eine echte Augenweide. So wie der Park mit natürlich wirkenden Bäumen im geradezu opulenten Bühnenbild Dominik Steinmanns, der immer größer wird, je weiter sich die Gesellschaft von den Lebenslügen der Salons und Stuben entfernt. Zurück zur wahren Natur auch des Menschen – ist das etwa die ganze Botschaft, die es aus den 50er-Jahren zu retten lohnt?


Weitere Aufführungen: 12.,16. und 19. Oktober. Kartentel. 05417600076.

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