30.09.2016, 23:50 Uhr

Schlager im Rock-Gewand Matthias Reim unterhält seine Fans in der Osnabrückhalle


Osnabrück. Im Rahmen seiner Phoenix-Comeback-Tour bot Matthias Reim seinen knapp 1000 Fans in der Osnabrückhalle am Freitagabend eine Mischung aus neuen Liedern aus dem gleichnamigen aktuellen Album und altbewährten Klassikern und Hits.

Dabei entbehrte es nicht einer gewissen Symbolik, dass der Endfünfziger seine Lederjacke gleich nach dem shantyesken Einstieg „Du bist alles was sich will“ ablegte. Darunter verbarg sich zwar ein Muscle-Shirt mit der Aufschrift „Hauptstadtrocker“. Doch was Reim mit seiner vierköpfigen, gitarrenlastigen Band und dem Background-Gesangstrio bot, war allenfalls in Rumpel-Rock-Soße getränkte Schlagerkost.

Aus finanziellen und gesundheitlichen Rückschlägen einmal mehr gestärkt hervorgegangen, wird er aber von seinen Fans geliebt wie vor mehr als einem Vierteljahrhundert, als ihm der Mega-Hit „Verdammt, ich lieb dich“ viel Ruhm, aber auch den Makel eine One-Hit-Wonders bescherte. Dass er aber auch damit längst gut umgehen kann, bewies er mit jeder Menge gesungener „wahrer Geschichten“ über die „Gefühle eines Mannes“ - oder solche, die „wahr hätten sein können“, wie er augenzwinkernd bemerkte.

Nach anfänglichen Soundproblemen, die mit nichts als Stille überbrückt wurden, schmetterte er ein brachiales „Ich liebe dich“ in den Raum, um anschließend mit der Ballade „Drei Akkorde und die Wahrheit“ auch gleich das schlichte musikalische Rezept zu verraten, mit dem er diese Gefühle zu verarbeiten versucht.

Ein bisschen wie Pink Floyd

Dabei versuchte er doch mit jener Gitarre, die er „vor ein paar Jahren zur Konfirmation“ bekommen und mit der alles angefangen habe, mitunter sogar ein bisschen wie Pink Floyd zu klingen. Das ging aber schnell unter im Sog der überwiegend simpel gestrickten und im Uptempo gehaltenen Nummern, die für jedes Fahrgeschäft einer Kirmes optimale Einsatzmöglichkeiten bieten würden.

Auf die programmatische Wiederauferstehungshymne „Zu früh, um zu gehen“ folgte ein klirrend schmalziges „Du fehlst mir“ und ein dumpfer Gastauftritt. „Du bist mein Glück“ und der aktuelle Single-Stampfer „Das Lied“ brachten dann das Publikum kurz vor der Pause erstmals zum Stehen. Wieder hinsetzen war dann angesagt, als ein Unplugged-Intermezzo im entspannten Barhocker- und Kneipenmodus eine persönliche Nabelschau von „Mein Leben ist Rock´n Roll“ bis zu „Im Himmel geht´s weiter“ bot.

Kalkuliert gezündetes Hit-Feuerwerk

Wiederum kaum jemand auf den Stühlen hielt dann das kalkuliert gezündete Hit-Feuerwerk zum Abschluss der rund zweieinhalbstündigen Show. Als das Konzert schließlich unweigerlich auf seinen „verdammt“ absehbaren Höhepunkt zusteuerte, strömten die Massen gen Bühnenrand und machten das, wofür sie wohl vornehmlich gekommen waren, nämlich Party. Da kann man dann eben auch schon mal ein paar musikalische Abstriche machen.


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