29.09.2016, 17:05 Uhr

Premiere im Theater Osnabrück Regisseur über „Das Lächeln einer Sommernacht“


Osnabrück. Ingmar Bergmanns Film erhält eine Bühnenversion – „Das Lächeln einer Sommernacht“ ist als deutschsprachige Erstaufführung im Osnabrücker Theater am Domhof zu sehen – ein Gespräch mit Regisseur Ramin Anaraki.

Dreimal lächelt die Sommernacht: für die Jungen, die noch nichts wissen, die Narren, die zu wenig wissen und die Alten, die zu viel wissen. Das sagt die alte, mit allen Wassern des Lebens und der Liebe gewaschene Madame Armfeldt in Ingmar Bergmann s Schwarzweiß-Film „Das Lächeln einer Sommernacht“ von 1955 – seinem ersten großen internationalen Erfolg. Im Osnabrücker Theater am Domhof lächelt seine Sommernacht nun erneut: als deutschsprachige Erstaufführung einer Bühnenversion und als großes Ensemblestück für ein Schauspielteam aus alten und neuen Darstellern.

Der Film handelt vom Anwalt Fredrik Egerman und seiner sehr jungen Frau Anne, die zum Gastspiel der berühmten Schauspielerin Desirée Armfeldt ausgehen. Mit der Fredrik dann nachts heimlich wieder anbandeln will, dabei aber von deren seinerseits verheiratetem neuen Liebhaber Malcolm überrascht und schmählich vertrieben wird. Desirée will aber ihren Frederik endgültig erobern, Vater eines ihm verheimlichten Sohnes. Und deshalb heckt sie mit Malcolms Frau Charlotte eine List aus, wie jede ihren Herzenspartner zurückerhält. Das Ganze mit noch zwei Paaren kulminiert in einer lauen Sommernacht.

„Sommernachtstraum“ lässt grüßen

William Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“ lässt tatsächlich grüßen. „Ingmar Bergmann erzählt sozusagen die lange Exposition, bevor die Paare bei Shakespeare in den Wald gegangen sind“, meint Regisseur Ramin Anaraki schmunzelnd im Gespräch. Auch in seiner Inszenierung ist die Atmosphäre aufgeheizt in der schwülen Sommernacht, in der eine gewisse Müdigkeit herrscht, weil die Nerven allseits blank liegen angesichts der verworrenen Liebesverhältnisse mit den falschen Partnern. „Die Jungen kommen gar nicht so gut weg bei Bergmann, weil sie sexuell unterdrückter und moralischer leben als die Älteren“, sagt er und nennt als Beispiel den jungen Henrik, Fredriks Sohn, der Pfarrer werden will - „typisch Bergmann“, meint Anaraki. „Die Älteren leben klarer, mit größerer Freiheit“, meint er: „Das ist in der Literatur selten“.

In der Bühnenversion setzen sich die Paare aus alten und neuen Ensemblemitgliedern zusammen. Monika Vivell, Thomas Kienast, Maria Goldmann, Fabian Baumgarten/Stefan Haschke (im Wechsel) und Eva Gilhofer stehen Cornelia Kempers, Andreas Möckel, Elaine Cameron, Valentin Klos und Helene Stubnicki gegenüber – Stubnicki war bislang noch in keiner Produktion zu sehen.

Musik als „tragender Pfeiler“

Die Szene von Ingmar Bergmann war wie so oft opulent ausgestattet – auf der Bühne von Dominik Steinmann (auch „Der schwarze Obelisk“) wird sie von den Innenräumen in den Außenraum verlegt. Sehr schöne Kostüme wird es zu sehen geben, verspricht Anaraki, Linda Schnabel ist für sie verantwortlich, mit der er auch für „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ zusammen gearbeitet hat. Die Musik Eberhard Schneiders bezeichnet der Regisseur als „tragenden Pfeiler“, mit Gesang, Chören und Einspielungen. Schneider kennt er aus der Arbeit für seine „Oskar“-Inszenierung von „ Ronja, Räubertochter “.

„Das Lächeln eine Sommernacht“ ist in Osnabrück Anarakis erste Regiearbeit für Erwachsene, aber als Hausregisseur im Theater Augsburg bis vor zwei Jahren hat er längst für die Abendbühne inszeniert: Kleists „Michael Kohlhaas“ etwa, Ibsens „John Gabriel Borkmann“ oder Schimmelpfennigs „Der Goldene Drache“. Ramin Anaraki ist auch Dozent für Schauspiel an der Otto-Falckenberg-Schule in München.


Premiere von „Das Lächeln einer Sommernacht“ ist am Samstag, 8. Oktober um 19.30 Uhr im Theater am Domhof. Kartentel. 0541 /7600076.

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