27.09.2016, 09:41 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Sprüher auch in Minden unterwegs Rätselhafte Graffiti-Kühe in Osnabrück


Osnabrück. Es gibt sie unter anderem am Osnabrücker Hauptbahnhof und in der Seminarstraße: Graffiti-Kühe. Wer hat sie gesprüht und was haben sie zu bedeuten?

Die Spur führt nach Nordrhein-Westfalen, nach Minden. In der Stadt an der Weser sind die bunten Bilder bereits so etwas wie inoffizielle Wahrzeichen geworden.

Und das, obwohl sie illegal gesprüht worden sind. Der Sprüher nennt sich selbst „The Kuhl Kid“. Seit einiger Zeit ist er offenbar auch in Osnabrück unterwegs.

Dem ein oder anderen Bahnfahrer dürften die gesprayten Kühe am Osnabrücker Hauptbahnhof aufgefallen sein. Dort zieren sie den Tunnel an Gleis 11 und ein Bahngebäude an denselben Schienen. Auch in der Seminarstraße ist eine Kuh gesprüht worden.

Antirassistische Botschaft

„The Kuhl Kid“ selbst ist ein Phantom, das sorgfältig darauf achtet, anonym zu bleiben. Versuche unserer Redaktion ihn zu kontaktieren, sind bisher erfolglos geblieben. Er lässt offenbar lieber seine Werke für sich sprechen. Seine Kuh-Graffitis haben oft eine antirassistische Botschaft, sie befassen sich mit Diskriminierung und Ausgrenzung, zumeist auf eine humorvolle Art. Er lässt die Kühe Dinge sagen wie: „Hass ist Ballast“, „Dick ist schick“, „Mut ist Freiheit“ und „Bleib Dir treu“.

Dem Mindener Tageblatt ist es vor einiger Zeit gelungen, mit ihm zu kommunizieren. Warum er denn ausgerechnet Kühe male? „Sie geben uns Fleisch, Milch und mähen den Rasen. Außerdem mag ich ihr geschecktes Fellmuster. Wie uns Menschen, gibt es sie in Weiß, Braun, Schwarz oder gemischt. Rassenkonflikte tauchen aber nie auf, so sollte es doch sein“, so seine Antwort.

Fans hat er bis hinein in die Politik. Das Konterfei des Mindener Bürgermeisters Michael Jäcke  übermalte er auf einem Wahlplakat mit einem Kuhkopf. Das gefiel Jäcke so gut, dass er das Plakat behalten und für einen guten Zweck versteigern wollte.

Fankult um die Kühe

In Minden hat sich zeitweise ein richtiger Fankult um die Kühe entwickelt. Es gibt Leute in der Weserstadt, die seine Motive als Tätowierung auf der Haut tragen. Der Grafitti-Sprayer freut sich, dass so viele Leute seine Kunst mögen. Er würde sich aber wünschen, dass die Menschen sich auch mit anderen Graffitis beschäftigen. „Kommentare wie, ,Die Kuh find ich cool, alles andere Graffiti ist nur Schmiererei und immer das Gleiche‘, kann ich nicht hören und ist auch unreflektierter Quatsch“, sagte er dem MT.

Mit dem Kultfaktor, den er in Minden genießt, geht er ironisch um. So lässt er eine seiner Kühe sagen: „Follow my Followers on Facebook“. Eine eigene Facebookseite hat er allerdings nicht.

Aber es gibt Catheriné Pierré. Die Mindenerin gehört zu seinen Fans. Sie fotografiert die Kühe und dokumentiert sie auf der Facebook-Seite „Minden Moohketing“, ein Name, der sich an die offizielle Minden-Marketing GmbH anlehnt. Über 3.300 Gefällt-Mir-Angaben hat die Seite. Mit dem Künstler selbst habe sie aber nur sporadisch über anonyme Dritte Kontakt, erzählt Pierré. Sie ist 2009 auf die Graffitis aufmerksam geworden. „Ich fand die frech und witzig und habe angefangen, sie zu fotografieren.“ Kühe gäbe es auch in Bielefeld und sogar in der portugiesischen Stadt Porto und in Paris sollen sie zu finden sein, erzählt sie. Auf der Video-Plattform Vimeo finden sich Videos, die den Sprayer noch in weiteren Städten in Aktion zeigen.

Der Sprayer selbst lehnt offenbar jede Form der Kommerzialisierung seiner Kunst ab, wie Pierré berichtet. Einem Kalender mit Fotos seiner gesprühten Kühe habe er nur zugestimmt, weil der Gewinn einem Mindener Graffiti-Event zukommen soll, in dessen Rahmen in der Vergangenheit legal gesprüht werden konnte.

Motive für Becher

Richtig Ärger gab es vor ein paar Tagen. Eine Mindener Firma, wollte seine Motive für Becher nutzen. Kontaktiert hatte sie ihn vorab nicht. Wie auch? In Minden tauchte daraufhin ein Grafitti auf, dass eine an den Vorderbeinen gefesselte Kuh zeigt, aus deren Euter ein fies grinsender Mann Geld in einen Eimer melkt. Die Firma gab auf ihrer Facebook-Seite bekannt, dass sie auf die Motive verzichtet.

Ärger droht auch dem Urheber der Kunstwerke. Eine Graffiti-Kuh aus der Wiesenstraße in Osnabrück wurde bei der Polizei bereits angezeigt.

Die Kühe am Hauptbahnhof sind laut Bundespolizei bislang zwar nicht angezeigt worden. Wie lange sie dort noch zu sehen sein werden, erscheint allerdings fraglich. Die Bahn hat am Dienstag angekündigt, Graffiti an 27 Bahnhöfen im Norden zu entfernen, darunter ist auch Osnabrück.


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