21.09.2016, 06:33 Uhr

Ausbau der Bahnstrecke 20 Minuten schneller von Osnabrück nach Amsterdam?

Bald können Zugreisende voraussichtlich 20 Minuten schneller auf der künftigen Hochgeschwindigkeitsstrecke von Osnabrück nach Hengelo oder Amsterdam kommen. Symbolfoto: dpaBald können Zugreisende voraussichtlich 20 Minuten schneller auf der künftigen Hochgeschwindigkeitsstrecke von Osnabrück nach Hengelo oder Amsterdam kommen. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Bald können Zugreisende voraussichtlich rund 20 Minuten schneller von Osnabrück nach Hengelo oder Amsterdam kommen. Das wäre nach ersten Schätzungen die Konsequenz des angekündigten Streckenausbaus und der geforderten neuen Lok auf dieser Strecke.

Hengelo könnte damit aus Osnabrück in Zukunft in weniger als einer Stunde (bislang 70 Minuten) und Amsterdam in weniger als drei Stunden (bislang 3 Stunden und 7 Minuten) erreicht werden. Der Leiter Schiene der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos), Gerd Stolle, erwartet eine Zeitersparnis von 20 Minuten, wenn die Züge schneller fahren und wenn eine mehrsystemfähige Lok oder ein Mehrsystemfahrzeug wie etwa ein ICE 3M eingesetzt werden kann. Zurzeit ist ein Lokwechsel in Bad Bentheim nötig, weil die aktuelle Lok nicht in beiden Stromsystemen fahren und nicht die Signal- und Sicherungssysteme beider Länder bedienen kann. Dieser Lokwechsel kostet aktuell noch etwa zehn Minuten an der niederländischen Grenze.

Mit Tempo 200 aus Osnabrück nach Holland

Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, erwartet ( wir berichteten ), dass der Ausbau der Bahnstrecke Bad Bentheim-Osnabrück-Löhne im Bundesverkehrswegeplan vom potenziellen in den vordringlichen Bedarf hochgestuft wird. Das bedeutet, die Bundesregierung plant bis 2030, dass die Züge auf dieser Strecke nicht mehr nur mit Tempo 140, sondern mit Tempo 200 fahren können.

Tempo 160 als erste Stufe?

Stolle begrüßt diesen Ausbau zur Hochgeschwindigkeitsstrecke. Allerdings schlägt er ein stufenweises Vorgehen vor, da er um die langen Planungs- und Umsetzungszeiträume weiß: „Je aufwendiger die geplanten Maßnahmen sind, umso eher ist mit Verzögerungen bei Planung und Umsetzung der Maßnahmen zu rechnen“, betont der Planos-Schienenexperte. Daher schlägt er in einer ersten Stufe Tempo 160 als Höchstgeschwindigkeit vor. „Das ist nach unserer Einschätzung deutlich weniger aufwendig und damit in einem ersten Schritt schneller realisierbar, weil an vielen Stellen auf die Beseitigung höhengleicher Bahnhöfe – es gibt 80 Bahnübergänge auf dem Abschnitt – und aufwendige Signal- und Sicherungstechnik verzichtet werden kann“, erklärt Stolle.

20 Minuten Zeitersparnis

Hintergrund ist, dass bei einem geplanten Ausbau zur Hochgeschwindigkeitsstrecke mit Tempo 200 die beschrankten, höhengleichen Bahnübergänge beseitigt oder mit einer Straßenunterführung oder einer Brücke als Überführung versehen werden müssen. Stolle schätzt, dass bereits die erste Ausbaustufe auf Tempo 160 in Verbindung mit dem Einsatz von Loks, die sowohl im deutschen als auch in holländischen Stromsystem fahren können, bereits 20 Minuten Zeitersparnis bringt. Bei Tempo 200 in Verbindung mit dem Einsatz von mehrsystemfähigen Loks wäre der Reisezeitgewinn dementsprechend noch größer. Stolle würde sich wünschen, dass das zukünftige Bahnangebot auf der West-Ost-Achse möglichst vielen Menschen in der Region einen Nutzen bringt und damit auch bei einem Ausbau zur Hochgeschwindigkeitsstrecke die aktuellen Zwischenhalte Löhne, Minden, Bünde, Osnabrück, Rheine und Bad Bentheim erhalten bleiben.

Landkreis Osnabrück seit Jahren für eine Beschleunigung

Der Sprecher des Landkreises Osnabrück, Burkhard Riepenhoff, fügt hinzu: „Der Landkreis Osnabrück wirbt seit Jahren für eine Beschleunigung und qualitative Verbesserung der Ost-West-Achse und begrüßt daher die Ankündigung von Staatssekretär Ferlemann aus voller Überzeugung.“ Es sei aber sinnvoll, darüber nachzudenken, wie Zwischenschritte zum Ziel Tempo 200 konkret aussehen könnten: „Das machen wir aus Sicht der Anlieger aktuell im Rahmen eines Euregio-Projektes.“ Die Ergebnisse aus diesem Projekt würden in den nächsten Monaten erarbeitet und in die Überlegungen des Bundes eingebracht. Ob es dann ein Stufenkonzept gibt, könne erst im weiteren Verlauf vom Bund entschieden werden.

IHK: Stärkung der Wirtschaftsregion

Der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim, Eckhard Lammers, sieht in der geplanten Höherstufung des Schienenprojekts eine Stärkung der Wirtschaftsregion. „Dadurch können Geschäftsreisende künftig besser auf den Zug ausweichen, und eine bessere Erreichbarkeit bringt insgesamt mehr Menschen in die Region.“ Wichtig ist auch ihm, dass die Umsteigemöglichkeiten in Bad Bentheim (für die Anbindung nach Nordhorn), in Rheine (für die Anbindung der Intercity-Züge Richtung Norden und Süden), die Umsteigemöglichkeit für die Nahverkehrszüge im Knoten Osnabrück und die Umstiege in Bünde erhalten bleiben.


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