16.09.2016, 10:31 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Interview mit Centerinvestor Wölfer Neumarkt-Center: „Von Verschiebung um ein Jahr kann keine Rede sein“

Ulrich Wölfer, Geschäftsführer von Unibail Rodamco. Foto: Swaantje HehmannUlrich Wölfer, Geschäftsführer von Unibail Rodamco. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Der Chef von Centerinvestor Unibail Rodamco Germany, Ulrich Wölfer, weist Angaben zurück, wonach der Baubeginn für das Neumarkt-Einkaufszentrum in Osnabrück um ein Jahr verschoben ist. Er geht davon aus, im November Klarheit über die Ankermieter zu haben.

Herr Wölfer, Sie wollten mit dem Abriss in diesem Jahr beginnen. Warum klappt das nicht?

Sie beziehen sich dabei auf die Aussagen von Herrn Göbel von Sinn-Leffers, die allerdings jeder Grundlage entbehren. Herr Göbel hat offenbar etwas missverstanden oder falsch interpretiert. In Mietverträgen ist immer eine Terminschiene abgebildet, die natürlich in jedem weiteren Verfahrensschritt aktualisiert und fortgeschrieben wird. Von einer Verschiebung um ein Jahr kann keine Rede sein. Sinn-Leffers hat den Mietvertrag unterschrieben.

Wann geht es denn los?

Wenn wir die Verträge mit den Ankermietern klar haben. Sehen Sie, die Sommerferien sind vorbei und die Entscheider aus dem Urlaub zurück. Ich gehe davon aus, dass wir auf der Expo Real im Oktober (die wichtigste Immobilienmesse in Deutschland) die letzten Verhandlungen führen und mit den wichtigsten Ankermietern Klarheit schaffen können. Alle sind präpariert und gut vorbereitet, um Entscheidungen zu treffen. Im November folgt dann die Mapic in Cannes und im März 2017 dann die MIPIM in Nizza, zwei ebenfalls sehr bedeutende Fachmessen.

Noch einmal die Frage: Wann geht es los?

Wir werden in dem Moment mit dem Abriss beginnen, wenn wir die letzten Ankermieter haben.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert fordert von Unibail Rodamco, nach der Expo Real einen Zeitplan vorzulegen. Werden Sie auf diese Forderung eingehen?

In einigen Medien war schon von einem Ultimatum die Rede. Das ist Unsinn, und so hat Herr Griesert das auch nicht gemeint, wie er mir gegenüber in einem Telefonat versicherte. Zu Ihrer Frage: Ich habe mit dem Oberbürgermeister verabredet, dass wir uns Anfang November, nach der Rückkehr des OB, zusammensetzen und genau diese Dinge besprechen werden.

Der Insolvenzantrag von Sinn-Leffers berührt ihre Center-Planungen, weil das Modehaus ihr wichtigster Ankermieter ist. Was ist, wenn Sinn-Leffers nicht einzieht?

Zunächst, Sinn-Leffers ist ein wichtiger Ankermieter, nicht der wichtigste. Ich bin zuversichtlich, dass Sinn-Leffers die Krise überwindet, das Haus hat ja 2008 schon einmal eine Planinsolvenz durchlaufen und ist verstärkt daraus hervorgegangen. Falls das nicht gelingen sollte, müssen wir 6000 Quadratmeter neu vermieten. Das ist sicherlich nicht leicht, dem müssen wir uns stellen. Aber ich sehe das alles nicht so kritisch, wie es jetzt in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Natürlich hat der Textilhandel aktuell keinen leichten Stand, weil es im vergangenen Jahr keinen Winter und in diesem Jahr keinen Herbst gegeben hat. Die Geschäfte sind auf Winter- und Herbstkleidung sitzen geblieben. Hinzu kommt der Druck durch andere Vertriebskanäle im Internet. Darunter leiden viele.

Das Modehaus L+T hat ein weiteres Gebäude an der Johannisstraße gekauft. Es heißt, das Haus sei auch Unibail-Rodamco angeboten worden, sie hätten das Angebot aber ausgeschlagen. Das verwundert etwas, wo sie doch eigentlich das Center gern vergrößern würden.

Auch hier handelt es sich um eine Falschinformation. Wir sind nicht angesprochen worden. Ich kann Ihnen versichern: Wir hätten gekauft, wenn wir angesprochen worden wären. Im Übrigen, erlauben Sie mir eine Anmerkung zu Herrn Rauschen: Er scheint ja die Attraktivität des geplanten Einkaufszentrums erkannt zu haben, sonst würde er sich gewiss nicht so sehr auf der Johannisstraße engagieren.


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