15.09.2016, 13:22 Uhr zuletzt aktualisiert vor

„Schnell Klarheit schaffen“ Regionale Wirtschaft fordert „Verkehrskonsens Neumarkt“

Osnabrücker Kammern und Wirtschaftsverbände beziehen Position zum Neumarkt: (von links) Ulrich Hoefner (Gesamtverband Verkehrsgewerbe),Andree Schlick (Großhandelsverband, GIWO), Jan-Felix Simon (Verein für Wirtschaftsförderung, VWO), Hans Klute (Hotel- und Gaststättenverband, DEHOGA), Sven Ruschhaupt (Handwerkskammer) und  Marco Graf (IHK). Foto: Jörn MartensOsnabrücker Kammern und Wirtschaftsverbände beziehen Position zum Neumarkt: (von links) Ulrich Hoefner (Gesamtverband Verkehrsgewerbe),Andree Schlick (Großhandelsverband, GIWO), Jan-Felix Simon (Verein für Wirtschaftsförderung, VWO), Hans Klute (Hotel- und Gaststättenverband, DEHOGA), Sven Ruschhaupt (Handwerkskammer) und Marco Graf (IHK). Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Ein schöner Platz oder eine Verkehrsachse: Acht Wirtschaftsverbände der Region fordern den Osnabrücker Stadtrat auf, „so schnell wie möglich“ über die künftige Funktion des Neumarktes zu entscheiden. Beide Varianten können sich die Wirtschaftssprecher vorstellen – wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind.

„Ganz bewusst“ nach der Kommunalwahl stellten die Verbände und Kammern am Donnerstag ihr gemeinsames verkehrspolitisches Positionspapier vor, wie der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Marco Graf, sagte. Die Wirtschaft habe in der aufgeheizten Wahlkampfphase nicht in die politische Debatte über den Neumarkt eingreifen wollen – auch weil die Kernbotschaft vermutlich untergegangenen wäre: „Wir wollen, dass die Verkehrsplanung nicht nur auf städtischer Ebene, sondern regional betrachtet wird“, sagte der Ulrich Hoefner, Geschäftsführer des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe.

Sperrung nur dann, wenn...

Den Neumarkt für Autos sperren und einen städtebaulichen attraktiven Platz mit Aufenthaltsqualität schaffen? Ja, das können sich die Vertreter der Wirtschaft gut vorstellen, wenn zuvor Umfahrungsmöglichkeiten geschaffen worden sind. Die Entlastungsstraße West , die 2014 in der Bürgerbefragung durchfiel, gehöre wieder auf die politische Tagesordnung, sagte Jan-Felix Simon vom Verein für Wirtschaftsförderung (WVO). „Ich sage das, auch wenn ich dafür auf dem Westerberg wohl viel Kritik einstecken muss.“ Weitere Voraussetzung ist nach Meinung der Wirtschaft der Lückenschluss der A 33 Nord.

Der Wall ist voll

Der Wallring gerate selbst zu normalen Zeiten an seine Leistungsgrenze. Den prognostizierten Verkehrszuwachs werde dieser Innenstadtring nicht mehr aufnehmen können. Außerdem seien in den nächsten Jahren zusätzliche Belastungen durch Autobahnbaustellen und den Lückenschluss der südlichen A 33 zu erwarten.

Solange Osnabrück über keine äußeren Ringverbindungen verfüge, sei der Neumarkt „bis auf Weiteres als Verkehrsachse unverzichtbar“, bekräftigte Hoefner. Kurzfristig könnte die Situation auf dem Neumarkt durch eine Optimierung des Bus- und Lieferverkehrs, eine konsequente Elektrifizierung der Busflotte, ein Park-and-Ride-System und eine schrittweise Verlagerung von Buslinien weg vom Neumarkt verbessert werden. Damit würde auch das Schadstoffproblem auf dem Neumarkt entschärft.

Oder funktionaler Platz?

Wenn der Neumarkt allerdings ein „funktionaler Platz“ mit vorrangig verbindender Aufgabe sein solle, dann sollte neben den Bussen und Lieferfahrzeugen auch der private Autoverkehr zugelassen werden, heißt es im Positionspapier der Wirtschaftsverbände. Ein Tempo-30-Limit wäre denkbar, durchfahrender Lkw-Verkehr sollte ausgeschlossen werden.

Die Verbände fordern: „Der neue Rat ist aufgerufen, so schnell wie möglich Klarheit zu schaffen, welche dieser Alternativen er umsetzen möchte.“

Regional denken

Die Vertreter der Wirtschaft fordern einen „Verkehrskonsens Neumarkt“, der auch die regionalen Interessen berücksichtigt. Die engen Verflechtungen der Stadt mit dem Umland und die hohe Pendlerzahl von 52000 Einpendlern täglich verlangten in der Verkehrspolitik ein „regionales Handels und Denken“, sagte IHK-Geschäftsführer Graf. Eine Bürgerbefragung über den Neumarkt müsste zum Beispiel in Stadt und Landkreis durchgeführt werden, so Graf: „Ich denke da an Stuttgart 21. Darüber ist auch nicht nur in Stuttgart, sondern in einer landesweiten Befragung entschieden worden.“

Der gute Ruf in Gefahr?

Die Wirtschaftsvertreter sehen durchaus die Gefahr, dass die anhaltenden Diskussionen über die Verkehrspolitik den Ruf der Stadt bestätigen. Ja, sagte Dehoga-Präsident Hand Klute, diese Befürchtung sei berechtigt. Städte wie Bramsche oder Georgsmarienhütte profitierten davon, dass manche Kunden erst gar nicht in die Stadt fahren. „Aber so schlimm ist es auch nicht. Osnabrück ist immer noch sehr attraktiv.“


Diese Verbände unterstützten das Positionspapier zum Neumarkt: Großhandelsverband im Wirtschaftsbereich Osnabrück (GIWO), Industrie- und Handelskammer Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim (IHK), Gesamtverband Verkehrsgewerbe Osnabrück, Hotel- und Gaststättenverband Osnabrück-Emsland (Dehoga), Handels- und Dienstleistungsverband Osnabrück-Emsland, Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, Verein für Wirtschaftsförderung Osnabrück (VWO), Industrieller Arbeitgeberverband.

15 Kommentare