01.09.2016, 19:45 Uhr

Streit um Osnabrücker Heimatabend Kalla Wefel reagiert mit Spott auf Rassismus-Vorwurf

Rassismus, Antisemitismus, Integrationsfeindlichkeit: Kabarettist Kalla Wefel links ist jetzt auch zur Zielscheibe von Erhat Tokas Kritik geworden. Fotos: PR-Pollert/PartonRassismus, Antisemitismus, Integrationsfeindlichkeit: Kabarettist Kalla Wefel links ist jetzt auch zur Zielscheibe von Erhat Tokas Kritik geworden. Fotos: PR-Pollert/Parton

Osnabrück. Die von Muslimen gegründete Partei BIG fühlt sich vom Osnabrücker Kabarettisten Kalla Wefel diskriminiert, weil sie zu dessen Heimatabend nicht eingeladen wurde. Kalla Wefel kontert, BIG sei antisemitisch und deshalb nicht willkommen.

BIG – hinter diesen drei Buchstaben steckt das „Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit“, das der Osnabrücker Erhat Toka ins Leben gerufen hat. Als Kreisverbandsvorsitzender kandidiert er im Wahlbereich 1 für die Kommunalwahl. Vor fünf Jahren war er mit seiner Muslimisch-Demokratischen Union (MDU) schon einmal angetreten, hatte aber nicht genug Stimmen für ein Ratsmandat bekommen. Über Osnabrück hinaus bekannt wurde der Inhaber einer Kampfsportschule, als er vor zwei Jahren den Kabarettisten Dieter Nuhr einen „Hassprediger“ nannte und zu einer Demonstration vor der Stadthalle aufrief. Auf seiner Internetseite schreibt der BIG-Politiker, dass er den Muslimen eine Stimme geben wolle.

Absage an „Kriegstreiber“

Sein aktuelles Bündnis BIG sei nicht muslimisch festgelegt, sondern eine „Migrantenpartei“, erklärt Toka. In einer Pressemitteilung erhebt der streitbare Parteigründer den Vorwurf, Kalla Wefel verhalte sich parteiisch und undemokratisch. Beim Heimatabend in der Lagerhalle hätten Bewerber „aller Parteien“ Gelegenheit bekommen, ihre Vorstellungen zur Kommunalwahl darzulegen. „Alle, außer der BIG“, wie Toka in seiner Erklärung kritisiert.

Seine Partei sei von Migranten gegründet worden. „Ist Osnabrück nicht unsere Heimat?“, fragt der Kreisverbandsvorsitzende. In Osnabrück laufe eine „rassistische Kampagne gegen die BIG“. Diese „Integrationsverweigerer“ sollten zur Kenntnis nehmen, „dass es jetzt auch Deutsche gibt, die anders aussehen“. Und die demnächst auch im Stadtrat sitzen würden.

Smilies und Burkas

Heimatabend-Veranstalter Kalla Wefel hat auf solche Schuldzuweisungen schon gewartet. „Wer sich hinter Smilies und Burkas versteckt, den will ich nicht auf der Bühne haben“, lautet seine erste Reaktion. Damit bezieht er sich auf ein Foto von der BIG-Internetseite, das Toka mit vier Frauen zeigt, deren Gesichter nachträglich mit Smilies unkenntlich gemacht wurden. Er habe die Partei aber vor allem deshalb nicht eingeladen, weil deren Sprecher Erhat Toka behaupte, er wolle die Israelis ins Meer treiben. Das sei antisemitisch und völlig unakzeptabel, sagt Kalla Wefel. Kriegstreiber hätten bei seinem Heimatabend nichts zu suchen.

Toka bestreitet nicht, dass er den Satz mit den Israelis im Zusammenhang mit dem Palästinenserkonflikt verwendet hat. Gegenüber unserer Redaktion bringt er es auf die Formel: „Ich bin kein Antisemit, ich bin Antizionist!“ Kalla Wefel regen solche Sätze eher zu kabarettistischen Einlagen an. Er werde vom israelischen Geheimdienst Mossad finanziert, behauptet der Spaßmacher, „und ich glaube nicht, dass Erdogan so viel zahlen kann, wie ich vom Mossad bekomme!“


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