01.09.2016, 10:55 Uhr

Serie „Die Kunden und ich“ Kellnerin vom Zimmer Nr. 4 über Trinkgeld und Respekt

Servicekraft Elizabeta Wanger aus dem Zimmer Nr. 4. Foto: Michael GründelServicekraft Elizabeta Wanger aus dem Zimmer Nr. 4. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 1: eine Kellnerin.

Elizabeta Wagner ist 32 Jahre alt und arbeitet seit einem Jahr im Zimmer Nr. 4 als Servicekraft. Das erste Mal gekellnert hat sie mit 16, mit der Gastro-Szene Osnabrücks ist sie daher bestens vertraut – mit ihr und natürlich ihren Kunden.

Elizabeta, was magst du an deinen Gästen?

Ich finde es toll, wenn man von den Gästen als gute Kraft akzeptiert wird, wenn sie sich anschließend auch für den guten Service bedanken und meine Arbeit zu schätzen wissen. Es ist schön, Kontakt zu den Gästen zu haben und sie vielleicht auch etwas kennenzulernen. Ich habe inzwischen viele Stammgäste, die mich schon freundschaftlich begrüßen.

Das muss jetzt kommen: Und was magst du nicht?

Klar: Der Kunde ist König. Aber es ärgert mich schon, wenn herrisch Dinge eingefordert werden. Wenn jemand einfach reinkommt, sagt, er wolle nur kurz einen Cappuccino trinken und den eben hier bestellen, und wieder nach draußen verschwindet. Dann sind doch zum einen zig andere Gäste vor ihm dran, zum anderen muss ich doch wissen, an welchem Tisch der Gast sitzt, um das richtig eingeben zu können. Naja, manche Gäste muss man auch etwas erziehen.

Und wie geht das?

Also es gibt immer wieder Gäste, die einen gar nicht wahrnehmen. Einen nicht begrüßen, nicht einmal ansehen. Es gab da mal eine Dame, die guckte nur in die Zeitung und redete bei der Bestellung in die Zeitung. Gezahlt hat sie, indem sie einen Zehn-Euro-Schein mit zwei Fingern nach oben hielt – auch das, ohne mich anzusehen. In so einem Fall sage ich dann schon einmal: Verehrter Gast, ich finde das respektlos.

Wie sieht es mit Trinkgeld aus – was empfindest du als angemessen?

Es heißt ja immer: 10 Prozent sind angemessen. Wenn jemand nur 10 oder 20 Cent Trinkgeld gibt, dann gebe ich das auch schon mal zurück. Toll ist es auch, wenn jemand einen Espresso mit einem 50 Euro Schein zahlt, noch sagt: „Sorry, habe es nicht klein“, aber dann gar kein Trinkgeld gibt.

Nervt es dich eigentlich, wenn jemand in Eile ist und daher mit dem Essen gleich auch die Rechnung ordert?

Überhaupt nicht. Besser, die Gäste sagen gleich, dass sie wenig Zeit haben, als dass nach dem Essen plötzlich Hektik entsteht.

Was ist mit Gästen, die nur einen Kaffee trinken und dann stundenlang Zeitung lesen?

Völlig in Ordnung.

Was ist mit Sonderwünschen? Den Salat aber ohne Zwiebeln und Gurken, das Dressing in einer Sonderschale und so weiter.

Wir sind auf keine festen Kombinationen versteift, also alles kein Problem. Bei den Mengen empfehle ich den Gästen oft: abwarten. Wir haben im Zimmer Nr. 4 große Portionen. Meistens sind die Gäste dankbar für den Tipp.

Was hältst du von Leuten, die einfach nur zu euch kommen, um die Toilette zu benutzen, dann aber gar nichts bestellen?

Generell ist das in Ordnung, aber zum Beispiel während der Maiwoche wird das einfach zu viel. Dann stellen wir einen Teller hin und bitten darum, etwas hineinzulegen.

Stimmt es eigentlich, dass man in der Gastronomie generell duzt? Oder willst du lieber gesiezt werden?

Inzwischen siezen mich einige junge Leute (lacht). Oft wird gewechselt zwischen Siezen und Duzen. Aber ich mag es, geduzt zu werden. Siezen schafft so eine große Distanz. Mit Respekt hat das für mich nichts zu tun.


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