06.07.2016, 20:16 Uhr

Konflikte sind programmiert Stadt Osnabrück will auf Parkplätzen Häuser bauen


Osnabrück. Parkplätze oder Wohnungen – was ist wichtiger? Die Stadt will den Schwerpunkt auf mehr Wohnungen legen. Sie erwägt sogar, Parkplätze aufzugeben, um den Bau von Häusern zu ermöglichen. Auf dem Gelände der ehemaligen General-Martini-Kaserne startet sie jetzt einen Testballon.

205 Autos können auf den beiden öffentlichen Parkplätzen an der Johann-Domann-Straße abgestellt werden. Derzeit ist die Zahl der Fahrzeuge überschaubar, aber sobald die Sommerferien zu Ende gehen, dürfte es wieder schwierig werden, einen freien Platz zu finden. Denn die Parkflächen werden vor allem von Schülern und Lehrern der benachbarten Schulen in Anspruch genommen – dazu gehören die Berufsbildenden Schulen des Landkreises, das Graf-Stauffenberg-Gymnasium und die Bertha-von Suttner-Realschule. In den ehemaligen Kasernengebäuden haben sich außerdem Behörden wie die Staatliche Gewerbeaufsicht und das Finanzamt Osnabrück für Großbetriebsprüfung niedergelassen.

Einfahrten zugeparkt

Aus dem Umfeld der Brinkstraße gibt es regelmäßig Beschwerden über Falschparker, die mit ihren Autos sogar Garagenausfahrten blockierten. Der Parkdruck in diesem Viertel sei hoch, konstatiert Franz Schürings, der Leiter des Fachbereichs Städtebau. „Aber wir sehen einen noch größeren Bedarf an Wohnbauflächen“, fügt er hinzu. Mit ihrem Handlungsprogramm „bezahlbarer Wohnraum“ hat sich die Stadt selbst das Ziel gesetzt, dass 2500 bis 3000 neue Wohnungen bis 2020 entstehen sollen. „Ein klassischer Zielkonflikt“, räumt der Stadtplaner ein.

Handfester Konflikt

Das Quartier an der Johann-Domann-Straße sei ein „guter, attraktiver Wohnstandort“, vermerkt Schürings, und die beiden Flächen würden die vorhandene Siedlung sinnvoll ergänzen. Mit der Änderung des Bebauungsplans Nr. 492 (General-Martini-Kaserne) will die Stadt die Akzeptanz ausloten. Bis zum 29. Juli läuft die Bürgerbeteiligung für das Vorhaben, Anwohner und Bauwillige haben während dieser Frist Gelegenheit, sich zu den Plänen der Stadt zu äußern.

Obwohl es sich erst um Vorüberlegungen handelt, strebt der Fachbereich Städtebau eine „angemessene Wohnbebauung in Form von Mehrfamilien- und gegebenenfalls auch Reihenhäusern“ an, wie es in der Erläuterung zur Planänderung heißt. Dass die Stadt angesichts der Parksituation einen handfesten Konflikt mit den Bewohnern des Quartiers riskiert, ist den Planern bewusst. Fachbereichsleiter Schürings glaubt aber, dass sich Kompromisslinien finden lassen. Es sei ja nicht zwingend, dass alle Parkplätze verschwinden müssten. Das werde sich im weiteren Verfahrensablauf klären.

Bürgerbeteiligung: Bis zum 29. Juli liegt der Entwurf für die Änderung des Bebauungsplans Nr. 492 (General-Martini-Kaserne) im Internet unter www.osnabrueck.de und im Fachbereich Städtebau, Hasemauer 1, Osnabrück, öffentlich aus. Änderungsvorschläge und Einwendungen können bis zu diesem Termin schriftlich oder per Mail abgegeben werden. Es handelt sich um eine erste Öffentlichkeitsbeteiligung, mit der die Stadt ihre Aufstellungsabsicht bekundet. Weitere Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten folgen.


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