03.06.2016, 13:57 Uhr

Stadt sieht Sicherheitsrisiken Osnabrücker Neumarkt-Baustelle wird wohl doch gesperrt

Es wird immer enger auf der Neumarkt-Baustelle. Deshalb erwägt die Stadt jetzt doch eine Sperrung für die Dauer der Kanalbauarbeiten. Foto: Jörn MartensEs wird immer enger auf der Neumarkt-Baustelle. Deshalb erwägt die Stadt jetzt doch eine Sperrung für die Dauer der Kanalbauarbeiten. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Am Neumarkt bahnt sich jetzt doch eine baustellenbedingte Sperrung an: Ab August wollen die Kanalbauer auch vor dem ehemaligen Wöhrl-Gebäude buddeln, und dann wird es so eng, dass für die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer nicht mehr garantiert werden kann.

Zu Beginn der aktuellen Bauarbeiten im April hatten die Planer noch erklärt, dass eine erneute Sperrung des Neumarkts nicht notwendig sei. Nach den Beobachtungen der vergangenen Wochen änderten sie ihre Meinung jedoch. Im nächsten Bauabschnitt, der von August bis November terminiert ist, sei ein geordnetes Miteinander auf den verbleibenden Fahrstreifen infrage gestellt, erklärte Jürgen Schmidt, der Leiter des Fachdienstes Straßenbau, vor dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt.

Busse im Gegenverkehr

Die Situation werde sich verschärfen, sobald die Baustelle vom Neuen Graben weiter nach Osten wandert. Dann müssten die Busse teilweise in den Gegenverkehr ausweichen, um an der Ausfahrt vor dem VGH-Gebäude die Kurve zu bekommen, warnte der Fachdienstleiter. Auch auf der Fußgängerquerung am Neumarkt komme es zu kritischen Situationen, weil immer wieder Autos auf der Kreuzung stehen blieben.

Für die Fahrgäste der Busse werde es zudem beim Ein- und Aussteigen noch gefährlicher. Und der jetzt noch bestehende Fahrradstreifen falle komplett weg, weil die verbliebene Fahrbahnbreite nicht ausreiche. Aus Sicherheitsgründen erwäge die Verwaltung deshalb, den Neumarkt zu sperren, kündigte Schmidt an.

CDU zeigt Verständnis

Otto Wetzig, Ratsherr der Grünen und hinzugewähltes Mitglied ohne Stimmrecht, setzte den vorsichtigen Worten ein klares Statement entgegen: „Hören Sie doch auf mit dem Irrsinn und sperren Sie den Platz für die Zeit!“, rief er, sonst gefährde die Stadt Leben und Gesundheit. Andere Ratsmitglieder von SPD, Grünen und UWG sprachen sich ebenfalls dafür aus, den motorisierten Individualverkehr für die Dauer der Bauarbeiten vom Neumarkt fernzuhalten.

Auch aus der CDU, die sich bislang gegen einen autofreien Neumarkt ausgesprochen hat, wurde Verständnis geäußert. Wenn es jetzt neue Fakten gebe, könne man darüber reden, erklärte Ratsfrau Katharina Pötter. Allerdings werde ihre Fraktion „nicht aus der hohlen Hand“ zustimmen, sondern die Angelegenheit erst einmal beraten. CDU-Ratsfrau Anette Meyer zu Strohen lud Fachdienstleiter Schmidt deshalb ein, die Sicherheitserwägungen in der Fraktion vorzutragen.

Stadt muss handeln

Eine Entscheidung wird dann voraussichtlich der Verwaltungsausschuss treffen, das wichtigste Gremium unterhalb der Ratsebene. Falls Gefahr droht, müsste die Verwaltung aber auch ohne ein solches Votum handeln. Die Stadt sei als Verkehrsbehörde für die Sicherheit zuständig, erklärte Fachdienstleiter Schmidt in der Ausschusssitzung. Es zeichne sich ab, „dass wir eines Tages die Sperrung einleiten müssen“.

Von Mai 2014 bis zum Februar 2016 war der Neumarkt bereits für Autos gesperrt, weil sich die Stadt auf die Baustelle berufen hatte. Auf Antrag eines Handwerkers entschied das Verwaltungsgericht jedoch, dass die Sperrung aufzuheben sei, weil zu dem Zeitpunkt keine Bauarbeiten stattfanden. Seitdem wird heftig gestritten, ob der Neumarkt der Zukunft autofrei werden soll oder nicht.

Eine Ratsmehrheit aus SPD, Grünen, FDP, Linken und UWG/Piraten hat inzwischen versucht, die Weichen für eine dauerhafte Sperrung zu stellen, wurde aber von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert mit einem Einspruch ausgebremst . Jetzt wird die Kommunalwahl am 11. September als Richtungsentscheidung für die Zukunft des Neumarkts angesehen.


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