22.05.2016, 14:13 Uhr

Industriegeschichte erfahren Osnabrücker Hafenrundfahrt mit dem „Schweineschäuzchen“


Osnabrück. Im Osnabrücker Hafen gibt es mehr Gleis- als Kanalkilometer. Da ist es eigentlich naheliegend, dass die Stadtwerke Osnabrück und das Museum Industriekultur ihre Hafenrundfahrt zum Tag des Museums auf Schienen machen.

„Oh ein Schweineschnäuzchen!“ Einige der 18 Teilnehmer der Hafenrundfahrt sind offensichtlich Eisenbahnfreunde. Treffsicher und mit kaum verhohlener Begeisterung in der Stimme erkennen sie sofort einen der Spitznamen des Wismarer Schienenbusses in der Bauart Hannover. „Der andere wäre Ameisenbär“; verrät Harald Uhle, Eisenbahn-Betriebsleiter der Stadtwerke und Mitglied der Museums-Eisenbahn Minden. Die stellt das Gefährt für die Rundfahrt zur Verfügung.

Uhle, der an diesem Tag auch dafür sorgt, dass das Museumsstück sicher über die Schienen im Osnabrücker Hafen kommt und den regulären Zugverkehr nicht behindert, fängt sofort an zu fachsimpeln, und so erfahren die Teilnehmer auch gleich ein Stück Eisenbahngeschichte, während sie zur ersten Station unterwegs sind. Es rumpelt, die Benzinmotoren der beiden Führerstände brummen wie echte Diesel, während der Ameisenbär gemütlich unterwegs ist – ein Schild im Inneren verrät: „Größte Geschwindigkeit 56 km“.

Erster Halt ist am Hafenbecken, auf dem Gelände der Rohstoff Recycling Osnabrück, die das Stahlwerk in GMHütte an Werktagen mit Schrott für die Produktion füttert. Hier schlägt die Stunde von Rolf Spilker. Der Leiter des Museums Industriekultur arbeitet aktuell an der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Osnabrücker Hafens und weiß somit fast alles, was es zum Thema zu wissen gibt.

Kurzweilig und anschaulich berichtet er von Bauräten, die sich im 19. Jahrhundert für den Kanal in Osnabrück einsetzten, von wirtschaftlichen Interessen, vorrangig aus dem Ruhrgebiet, die günstige Vertriebswege für den dort produzierten Stahl suchten und von landwirtschaftlichen Lobbyisten, die aus Angst vor günstigem Import-Getreide genau diese Anstrengungen zu verhindern versuchten. Museumsleiter und Reiseführer Spilker spricht von „irren Anstrengungen, die unternommen wurden“, und von der „Riesenbaustelle Hafen, für die Tausende Kubikmeter Erde bewegt werden mussten.“

So tuckert die kleine Gesellschaft durch die Industriegeschichte Hafen. Sie macht an verschiedenen Stellen Station, hört immer wieder, welche Unternehmen hier früher ansässig waren, zum Beispiel wurde Holz für die Weiterverarbeitung bis in den Hafen geflößt, und wie die Betriebsabläufe heute sind.

Aussteigen ist an den meisten Stellen übrigens nicht gestattet, denn das Hafengelände ist an den wenigsten Stellen für Besucher gesichert. Und auch, wenn viele der Teilnehmer ihre Freude über den Ameisenbär zum Ausdruck bringen, versichern doch die meisten, dass ihr eigentliches Interesse dem Osnabrücker Hafen gilt, der ja als Betriebsgelände sonst an den wenigsten Stellen zugänglich und einsehbar ist.


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