20.05.2016, 10:10 Uhr

Neuer Ärger auf dem Güterbahnhof Stadt: Baugenehmigung für Osnabrücker Restaurant ungültig


Osnabrück. Das neue Restaurant Nokta am Güterbahnhof hätte aus Sicht der Stadt gar nicht eröffnet werden dürfen. Für das Lokal gebe es keine gültige Baugenehmigung, moniert Stadtbaurat Frank Otte. Die Betreiber sehen das anders, aber jetzt müssen sie sich einer Anhörung stellen.

Sie wollen die erste Adresse für die Liebhaber der türkischen Küche sein, aber jetzt droht ihrem gerade erst eröffneten Restaurant an der Hamburger Straße 22A die Schließung. Inhaberin Natalia Bassauer und ihr Partner Sedat Müstak haben die Räume für ihren Gastro-Tempel von der „Lebensquelle“ angemietet. Mit dem seit fast drei Jahren gärenden Konflikt zwischen der Freikirche und der Stadt wollen sie zwar nichts zu tun haben, aber nun sind sie geradewegs hineingestolpert.

Rat nicht angenommen

Das Lokal befindet sich im Nordflügel der früheren Güterabfertigung, einem 50er-Jahre-Bau, den die „Lebensquelle“ trotz einer von der Stadt erlassenen Veränderungssperre saniert und umgebaut hat. Als die Freikirche vor knapp einem Jahr auf die Suche nach einem Mieter ging, legte sie eine unbefristete Baugenehmigung für eine „Schank- und Speisewirtschaft“ vor, ausgestellt von der Stadt Osnabrück für einen früheren Eigentümer.

Das war allerdings schon 2006. Nach Auffassung der Bauverwaltung ist das Papier nicht mehr gültig, weil es längere Zeit keine Nutzung gab, wie Stadtbaurat Otte auf Anfrage erklärte. Die Betreiber hätten sich offenbar auf die „Lebensquelle“ verlassen, aber sie könnten sich nicht auf Unkenntnis berufen. Die Stadt habe ihnen ausdrücklich ihre Rechtsauffassung mitgeteilt und auf die Notwendigkeit einer erneuten Baugenehmigung hingewiesen, vermerkt der Vorstand für Städtebau. Doch diesen Rat hätten Müstak und Bassauer nicht angenommen.

„Persönlicher Konflikt“

Auf die Betreiber des Restaurants kommt nun ein Anhörungsverfahren mit ungewissem Ausgang zu. Sedat Müstak gibt sich kämpferisch. Er habe sich von Juristen beraten lassen und bewusst auf die Baugenehmigung von 2006 gesetzt, sagt der Gastronom: „Nach meiner Auffassung ist die niemals erloschen“. Demgegenüber hätte ein neuer Antrag kaum Chancen auf eine rasche Bewilligung gehabt.

Müstak betont, seine Partnerin und er hätten alle Voraussetzungen erfüllt, die zum Betrieb eines Restaurants erforderlich seien, von der Schank- und Speisekonzession über die Anmeldung beim Gewerbeamt bis zur Steuernummer. Die Sache mit der Baugenehmigung sei doch nur deshalb hochgekocht, weil es die Kontroverse zwischen der Stadt und der „Lebensquelle“ gebe, die mittlerweile auf einer „persönlichen“ Ebene ausgetragen werde. „Da haben wir nichts mit zu tun!“, lautete sein Kommentar gegenüber unserer Redaktion.

Stadt will Hausabbruch

Die Stadt geht gegen weitere Nutzungen auf dem Güterbahnhofsgelände vor, die nach ihrer Auffassung unzulässig sind. Schon seit über zwei Jahren gibt es Streit um das ehemalige Bahngebäude Hamburger Straße 22, das der Zion GmbH gehört und von ihr selbst als Büro genutzt wird. Außerdem sind Teile davon an den Connection Music Club, die Partei Bibelteuer Christen und ein Rechtsanwaltsbüro vermietet.

Auch hier berufen sich die Nutzer auf eine ältere Baugenehmigung, die nach Auffassung von Stadtbaurat Otte längst ihre Wirksamkeit verloren hat. Die Stadt habe deshalb – ebenso wie beim Nachbargebäude der „Lebensquelle“ eine Anhörung auf den Weg gebracht, doch die sei noch nicht abgeschlossen. Die Zion spiele auf Zeit, sagt Stadtbaurat Otte zu den Gründen. Ortstermine seien abgesagt und verschoben worden und wenn es darauf angekommen sei, habe die Gegenseite angeblich gerade nicht den passenden Schlüssel dabei gehabt.

Wenn es nach der Stadt geht, sind die Tage für das weiß getünchte Haus ohnehin schon gezählt. Nach dem aktuellen Entwurf für den Bebauungsplan Nr. 570 soll es abgerissen werden. Die Planer haben die Fläche für einen Kreisverkehr vorgesehen.


9 Kommentare