19.04.2016, 05:33 Uhr

Gruppe mit neuem Clubhaus Polizei beobachtet Osnabrücker Osmanen Germania


Osnabrück. Der rockerähnliche Club Osmanen Germania BC hat sich in der Osnabrücker Neulandstraße angesiedelt. „Wir haben die im Blick“, sagt die Polizei. Die Clubmitglieder bezeichnen sich selbst als „friedlich“.

Seit August vergangenen Jahres gebe es den Ableger der Osmanen Germania (OG) in Osnabrück, sagt deren Pressesprecher (alle zitierten Clubmitglieder wollen namentlich nicht genannt werden). Der bundesweit schnell wachsende Club gilt als rockerähnlich. „Wir sind aber ein BC (Boxclub) und kein MC (Motorradclub)“, sagt der 51-Jährige. Sieben bis acht der insgesamt 35 Mitglieder hätten aber Motorräder.

Und dennoch: „Der Sport steht bei uns im Vordergrund – und nicht die Kutten“, sagt deren Präsident. Seit März dieses Jahres hat der Club eigene Räume in der Neulandstraße. Demnächst wollen die OG ihre dortigen Räume um eine Etage erweitern, etwa für Trainingsmöglichkeiten.

Wozu das martialische Auftreten? „Das ist dasselbe wie beim Fußball. Die tragen Trikots, und wir tragen Kutten“, sagt der Clubpräsident. Die Westen mit Aufnähern (Patches) tragen die OG-Mitglieder nur bei privaten Treffen und Feiern.

„Die Kutte gilt es, sich zu verdienen“, sagt der 30-Jährige. Voraussetzungen seien sportlichen Leistungen – und andere Dinge, die die Mitglieder unserer Redaktion nicht näher definieren möchten.

Alle Mitglieder würden eine Kampfsportart betreiben. Vom normalen Boxen bis zu Mixed Martial Arts – einem Vollkontaktwettkamp mit Techniken verschiedener Kampfsportarten. Vom Amateur- bis zum bundesweiten Profisport. Die religiöse oder ethnische Herkunft sei für eine Mitgliedschaft irrelevant, sagt der Pressesprecher. Überhaupt sei es „Quatsch“, dass OG ein türkischstämmiger Club sei. Unter den Osnabrücker Mitgliedern seien Polen, Türken, Griechen, Deutsche, Afrikaner et Cetera.

Die Menschen auf der Straße würden ihnen nicht mit Scheu oder gar Angst begegnen. „Wir haben sogar Fans, die mit uns Fotos machen wollen“, sagt der Pressesprecher. „Das einzig Negative sind die Medien“, ergänzt er.

Das könnte womöglich an martialischen Videos von anderen OG-Mitgliedern liegen. In einem Video des Rappers Remzi auf Youtube halten Mitglieder Waffen in die Kamera. Von Zuhälterei ist die Rede. Man sei kampfbereit. Im ersten Satz des Videos heißt es: „Wir übernehmen das ganze Land.“ Ihre Männer stünden bis zum letzten Tropfen Blut auf dem Schlachtfeld. Sie hätten „Krieger, die keine Angst haben, für ihre Brüder eine Kugel zu fangen“. Alles nur Show?

Das zumindest behaupteten die Osnabrücker Mitglieder. „Es gibt keine Rap-Videos, die nicht so martialisch sind“, sagt deren Präsident. „Das Böse verkauft sich eben besser – das ist Business“, ergänzt der 30-Jährige.

Medienberichte aus anderen Städten und Bundesländern zeichnen ein teilweise anderes Bild – wenngleich in noch relativ geringer Zahl. Dennoch befürchtet das Landeskriminalamt (LKA) in Nordrhein-Westfalen, die Osmanen Germania könnten im Kampf um Einflussgebiete einen Rockerkrieg mit den Hells Angels anzetteln. Niedersachsens Landeskriminalamt beobachtet die Osnabrücker Ortsgruppe, ebenso wie die Polizei. Einzelne Mitglieder sind der Polizei bekannt, sagt deren Sprecher Georg Linke. „Als Gruppe sind sie aber noch nicht großartig aufgefallen“, ergänzt er. Das bestätigt auch LKA-Sprecherin Stephanie Weiß: Bislang seien nur Einzelpersonen strafrechtlich in Erscheinung getreten. Bisher hätten sich die Mitglieder „sehr kooperativ“ gezeigt, versichert Linke. „Wir können nichts Negatives über sie sagen.“

„Jeder von uns hat eine Vergangenheit“, sagt der Osnabrücker Präsident. Mit kriminellen Machenschaften wollen die Osnabrücker OG nach eigenen Angaben jedenfalls nichts zu tun haben. „Wir haben alle normale Jobs und gehen arbeiten, viele von uns haben Kinder“, sagt der Sprecher. Dennoch sei das Klischee des kriminellen Rockers „nicht nachteilhaft“, sagt ein weiteres Vorstandsmitglied.

Denn: Die Wirkung verfehlt ihr Auftreten offenbar nicht. 17 bis 20 Jugendliche ab 14 Jahren trainiere und „diszipliniere“ der Club derzeit. „Die Eltern sind doch froh, wenn die Polizei nicht mehr jeden Tag vor der Tür steht“, sagt der Präsident. Auch bei Problemen helfe der Club, etwa bei Amtsgängen. „Wir vermitteln auch Arbeit, etwa als Security.“

Mit anderen Clubs, etwa den benachbarten Bandidos, gebe es keine Probleme. „Das ist friedlich, ganz kollegial“, versichert der Pressesprecher. „Solange wir mit Respekt behandelt werden,“ ergänzt er. Die OG seien aber kein „Abklatsch der Hells Angels, sondern völlig eigenständig“, sagt er. Hintergrund: Der Gründung des ersten OG-Clubs in Deutschland soll ein Streit über die Aufnahme von Migranten bei den Hells Angels vorausgegangen sein. Der ehemalige Hells-Angels-Funktionär und Kriminelle Necati Arabaci – einstiger, sogenannter „Pate von Köln“ – wird mit der Gruppe in Verbindung gebracht, heißt es im Februar dieses Jahres in einer Antwort des Niedersächsischen Innenministeriums auf Anfrage der SPD und der Grünen.

In Zukunft wollen die Osnabrücker Osmanen einen eigenen Merchandising-Laden mit etwa Schlüsselanhängern und einem eigenen Parfüm in Osnabrück eröffnen – womöglich noch in diesem Jahr.


Schnell wachsende Gruppe:

Nach Angaben des Landeskriminalamtes wurden die OG Ende 2014 in Frankfurt am Main gegründet. Dort soll bald auch der bundesweit erste Merchandising-Shop eröffnen.

Der Gründung des Clubs soll ein Streit über die Aufnahme von Migranten bei den Hells Angels vorausgegangen sein. Der ehemalige Hells-Angels-Funktionär und Kriminelle Necati A. werde mit der Gruppe in Verbindung gebracht.

Nach der Gründung spaltete sich der Club in Osmanen BC Frankfurt und Osmanen Germanic BC Rodgau auf. Seither expandiert die Gruppe bundesweit rasant unter dem Namen Osmanen Germania BC.

Offizieller Angabe zufolge gibt es bundesweit etwa 20 Charter (Ortsgruppen), acht davon in Nordrhein-Westfalen. Dem Osnabrücker Club zufolge gibt es bereits 54 Charter mit knapp 2800 Vollmitgliedern. Auch im Ausland gibt es Charter, etwa in der Türkei und Schweiz.

Das Verhältnis zu anderen Ortsgruppen, insbesondere den Hells Angels und Bandidos, bewertet das LKA Niedersachsen noch als „neutral“. Potentielle Auseinandersetzungen seien aber „nicht auszuschließen“.

Die Landesregierung, das Bundeskriminalamt, die Landeskriminalämter in Niedersachsen, Hessen und NRW stufen die OB als „rockerähnliche Gruppierung“ ein.

In Neuss (25. Januar) und der Rockerhochburg Duisburg (27. Januar) sah sich die Polizei bereits je einer großen Gruppe der Osmanen Germania gegenüber. Dabei habe die Polizei der Landesregierung zufolge 97 Mitglieder und Unterstützer (Supporter) mit Wohnsitz in NRW identifiziert. Zu den meisten der kontrollierten Personen gebe es „kriminalpolizeiliche Erkenntnisse“, heißt es in einem Bericht der NRW-Landesregierung, der unserer Redaktion vorliegt – primär wegen Gewalt- und Drogendelikten. Das dortige Landeskriminalamt befürchtet, die Osmanen Germania könnten im Kampf um Einflussgebiete einen Rockerkrieg mit den Hells Angels anzetteln.

Der Vorstand der Osmanen in Osnabrück:

President: Rock

Vice President: Rosso

Sergeant at Arms: Crazy

Sergeant: Der Hunne

Secretary: Musto

Treasure: Yunan

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