10.03.2016, 11:42 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Flüchtling rettet Menschenleben Vier Verletzte nach Flugzeugabsturz in Osnabrück


sph/yjs/hin Osnabrück. Auf dem Gelände der ehemaligen Landwehrkaserne in Osnabrück ist am Donnerstagvormittag ein Kleinflugzeug abgestürzt. „Viele Menschen haben viel Glück gehabt“, sagte eine Polizeisprecherin.

Von Sebastian Philipp, Jörg Sanders und Wilfried Hinrichs

Der Absturz ereignete sich laut Polizei gegen 11 Uhr. Das zweimotorige Flugzeug war mit vier Personen besetzt. Zwei wurden bei dem Absturz schwer und zwei leicht verletzt. Mit beherztem Eingreifen hat ein Augenzeuge zwei Insassen offenbar das Leben gerettet.

Verletzte aus Wrack gezogen

Der Iraker Hassanien Salman (34), der in einer Flüchtlingsunterkunft auf dem ehemaligen Kasernengelände lebt, stand gerade unter der Dusche, als er ein seltsames Geräusch vernahm. Es war der aufheulende Motor der Piper Seneca, die auf dem Flugplatz Atter stationiert ist und einer Osnabrücker Firma gehört. Wenige Sekunden später habe er einen sehr lauten Knall vernommen, als wären zwei Züge zusammengestoßen, berichtet der Flüchtling auf Englisch.

In letzter Sekunde gelöscht

Als er die Trümmer auf der Wiese gut zweihundert Meter von der Unterkunft entfernt sah, eilte er in Unterwäsche zu Hilfe. Zwei Personen hätten sich selbst befreien können, zwei Personen saßen auf den Vordersitzen fest. Salman berichtet, er habe starken Benzingeruch wahrgenommen, und Flammen seien aufgelodert. Zusammen mit einem Mitbewohner, der inzwischen hinzugeeilt war, löschte der Iraker das Feuer mit zwei Feuerlöschern. Danach retteten die beiden die Schwerverletzten aus den Trümmern. Salman ist sicher, dass das Wrack kurze Zeit später in Flammen aufgegangen wäre.

Technische Probleme

Er sei zwar nur Tierarzt, gibt der Iraker zu verstehen, aber er habe die Schwere der Kopfverletzung eines Mannes erkennen und erste Maßnahmen einleiten können. Wenig später hätten dann die Rettungskräfte die weitere Versorgung übernommen. Als ihn eine Polizistin später als „Hero“ (Held) anspricht und ihm für seinen Einsatz dankt, reagiert der Iraker verhalten: Menschen seien in Not gewesen, er habe nur getan, was getan werden musste, sagt er auf Englisch.

Weitere Anwohner des benachbarten Flüchtlingshauses wiesen die ankommenden Wagen der Einsatzkräfte ein, andere leisteten Erste Hilfe. Nach der Erstversorgung wurden die Verletzten in Krankenhäuser gebracht.

Am Steuerknüppel saß nach Informationen unserer Redaktion ein Berufspilot. Augenzeugenberichte legen den Schluss nahe, dass die Maschine technische Probleme hatte. Die Polizei sagt, die Unglücksursache sei noch unklar.

Bei der abgestürzten Maschine handelt es sich nach Polizeiangaben um eine zweimotorige Piper 34 T, Baujahr 1989. Der schwer verletzte Pilot ist 35 Jahre alt und gilt als erfahren. Die beiden Leichtverletzten sind 50 und 58 Jahre alt. Die Männer befanden sich auf einer Geschäftsreise nach Braunschweig.

In Atter gestartet

Das Flugzeug war zuvor am Flugplatz Atter gestartet. Ein Augenzeuge berichtete, es sei sehr flach über Häuser in Atter geflogen. Er habe Bedenken gehabt, ob das Flugzeug nicht eines der Dächer streift. Ein anderer Zeuge, der auf dem Gelände arbeitete, sagte: „Das hörte sich an wie bei einem Start, wie Vollgas“. Auf dem ehemaligen Gelände der Landwehrkaserne stürzte die Piper dann ab. Möglicherweise hat der Berufspilot eine Notlandung auf dem freien Feld versucht.

Ermittlungen laufen

Die Flugzeugtrümmer wurden von der Polizei beschlagnahmt, die Ermittlungen zur Feststellung der Unfallursache laufen. Experten der Bundesanstalt für Flugunfalluntersuchung aus Braunschweig trafen am Nachmittag ein und nahmen die Arbeit auf, die sich bis in die Nacht hinziehen wird. Rund um die Unglücksstelle wurden Scheinwerfer aufgestellt.

Die Feuerwehr Osnabrück teilte mit, dass 25 Angehörige der Berufsfeuerwehr, 15 Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr Eversburg, sechs Rettungswagen, drei Notarztfahrzeuge und zwei Einsatzleitwagen des Rettungsdienstes vor Ort waren.

Nach Angaben von Feuerwehr-Sprecher Jan Südmersen waren auch zwei Rettungshubschrauber alarmiert worden. Beide Helikopter drehten jedoch ab, weil eine Versorgung der Verletzten bereits sichergestellt war. Später überflog ein Polizeihubschrauber die Unglücksstelle, um Aufnahmen zu machen. Südmersen bestätigte, dass Kraftstoff aus dem Flugzeugwrack ausgetreten war, weshalb die Feuerwehr den Bereich um die Unfallstelle abstreute.


Die Piper PA-34 Seneca ist ein zweimotoriges Flugzeug des US-amerikanischen Flugzeugherstellers Piper Aircraft Corporation mit Sitz in Vero Beach. Die Piper Seneca bietet fünf Passagieren und einem Piloten Platz und wird vor allem als Reiseflugzeug sowie von Flugschulen verwendet. Das Ursprungsmodell wurde 1971 in Dienst gestellt und seitdem weiterentwickelt. Bei dem in Osnabrück abgestürzten Flugzeug handelt es sich um das Modell PA-34-T, das zwischen 1981 und 1994 hergestellt wurde. Die Höchstgeschwindigkeit des aktuellen Modells V wird laut Herstellerwebseite mit 365 km/h angegeben, die Reichweite mit rund 1500 Kilometern.

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