26.02.2016, 16:12 Uhr zuletzt aktualisiert vor

„Jugend forscht 2016“ Osnabrücker Jungforscher in Lingen erfolgreich


Osnabrück/Lingen. Von der sich selbst faltenden Bettdecke über ein Solarauto bis hin zu den perfekten Gummibärchen: Die Bandbreite der Projekte, die Osnabrücker Schüler nun beim Regionalentscheid von „Jugend forscht“ in Lingen gezeigt haben, war enorm. Für ihren Forschergeist erhielten sie zahlreiche Erstplatzierungen und Sonderpreise.

Großes Gewusel herrscht in der Eingangshalle der BBS Lingen. Zwischen Kinderlachen mischen sich Vogelstimmen; es knistert und piept, und wer nicht aufpasst, dem fährt ein Ballon-Rennwagen vor die Füße: Beim Regionalentscheid 2016 von „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“ werden 77 Projekte vorgestellt. Die Präsentationen vor den Fachjuroren haben die Schüler bereits am Donnerstag hinter sich gebracht, die Stimmung unter den Teilnehmern am Freitag ist gelöst. Jetzt können die insgesamt 158 Teilnehmer ihre Forschungsarbeiten ihren Mitstreitern und neugierigen Besuchern erläutern.

Schaumalarm!

36 Projekte aus Osnabrück und Umgebung sind bei der 51. Runde des Wettbewerbs angetreten. Mit dabei sind auch Henry Beermann und Elias Witzke vom Gymnasium Oesede aus Georgsmarienhütte. Die beiden Schüler haben sich mit ihrem physikalischen Projekt „Schaumalarm“ mit der Frage auseinandergesetzt, inwiefern Gefäßbreite und Mischungsmenge von Wasser und Spülmittel mit entstehendem Schaum zusammenhängt. Ihr Ergebnis: „Die Schaummenge verhält sich nicht linear zur Mischung. Verdoppelt man die Mischungsmenge, vervierfacht sich der Schaum,“ erklärt Elias. Die Gymnasiasten sind das erste mal bei „Schüler experimentieren“ dabei, aber sie wissen jetzt schon: Es wird ein zweites Mal geben. „Für nächstes Jahr planen wir ein Projekt, in dem wir unsere Erkenntnisse aus diesem Jahr mit einfließen lassen können,“ erklärt Henry, „einen Geschirrspüler, den man bequem mit zum Camping mitnehmen kann“.

Wenig Mathe, viel Arbeitswelt

Mit einer Zahl von 77 Forschungsgruppen liege man dieses Jahr im Schnitt, sagt Wettbewerbsleiter Markus Vogel. Gibt es Themen, für die sich die Schüler besonders zu interessieren scheinen? „Schwerpunkte gibt es eigentlich nicht,“ so Vogel. In den letzten Jahren hätten die Projekte in den Fachgebieten Arbeitswelt und Technik zugenommen, bei Naturwissenschaften schwanke es jährlich. „Wenig Projekte gibt es bei Mathe und Informatik und bei Geo- und Raumwissenschaften.“

Eine positive Entwicklung sieht Vogel bei „Schüler experimentieren“: „Dieses Jahr haben wir fast gleich viele Jungen und Mädchen unter den teilnehmenden Schülern .“ Insgesamt steige die Anzahl der weiblichen Teilnehmer bei den Projekten, auch wenn sich dieser Trend mit zunehmenden wieder Alter abschwäche.

Magische Betten aus Osnabrück

Natürlich gebe es Projekte, die in ähnlicher Form jedes Jahr präsentiert werden, sagt Vogel. Aber das liege in der Natur der Sache, die meisten Fachgebiete seien ja begrenzt. „Es gibt aber immer wieder tolle Projekte, die die einen neuen Ansatz verfolgen und so noch nie da waren.“

Als Beispiel fällt dem Wettbewerbsleiter das „magic bed“ ein. Das Projekt, das vom Osnabrücker Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium kommt, befasst sich mit einer Bettdecke, die sich durch Magnetspulen selbst zusammenlegen soll. „Bei der Präsentation funktionierte es zwar nicht ganz faltenfrei, aber der Ansatz ist toll,“ lobt Vogel.

Hinter der magischen Bettdecke stecken Niklas Kröger und Sven Thiede. Die Fünftklässler vom EMA haben für ihr Projekt alles selbst gebaut, vom Bett in Puppenformat über die Magnetspulen aus Kupfer bis hin zum Schaltkasten. Die Bettdecke ist mit Eisenspänen gefüllt, sodass sie sich beim Einschalten der Magnetspule wie von Zauberhand aufrollen sollte. „Leider ist die Bettdecke zu schwer,“ gibt Niklas zu, „aber wir können das Magnetfeld justieren, je nachdem, wie die Decke liegt“. – „Wir haben auch mit Eisenwolle als Füllung experimentiert. Nur wird die leider heiß,“ erklärt Niklas schmunzelnd. Deswegen hätten die beiden auch Kupfer als Spulendraht gewählt. „Der Eisendraht ist uns durchgeschmort.“ Und auch mehr Volt auf die Spulen zu geben sei riskant, so Sven. Auch hier könne sich Feuer entwickeln. Für die beiden Jungforscher steht fest: Es muss noch weiter experimentiert werden.

Zwei Stunden Beratung

Die Jury hatte auch in diesem Jahr keine leichte Aufgabe. Erst-, Zweit- und Drittplatzierte mussten ausgewählt und Sonderpreise vergeben werden: Laut Markus Vogel tagten die 47 Jurymitglieder gute zwei Stunden lang. Die Juroren für den Regionalentscheid sind Lehrkräfte von allgemein- und berufsbildenden Schulen, Vertreter von Hochschulen der Industrie oder auch von Naturschutzverbänden. Diese Bandbreite zeichne die Jury aus, so Vogel. „Wir sehen hier verschiedene Herangehensweisen der Juroren. Lehrkräfte stellen den Schülern andere Fragen als beispielsweise Vertreter aus der Arbeitswelt, für die ganz andere Aspekte des jeweiligen Projekts wichtig sind.“ Das sei auch für die Schüler interessant: „Sie erfahren so von neuen Ansätzen, die über den Schulbereich hinausgehen – damit wird man dem Anspruch von ‚Jugend forscht‘ gerecht.“

Die Erstplatzierten aus Osnabrück: Marvin Lenjer (Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Jugend forscht Fachbereich Chemie, Thema: Untersuchung eines neuen Akku-Systems), Moritz Huß und Johannes Seiters (Gymnasium Carolinum, Schüler experimentieren Fachgebiet Biologie, Thema: Die perfekten Gummibärchen), Joachim Höckmann und Laurens Fischer (BBS Haste, Jugend forscht Fachbereich Geo- und Raumwissenschaften, Thema: Wie bringe ich den Güllestickstoff optimal an die Maispflanze?), Finn Stutzenstein (Ratsgymnasium, Jugend forscht Fachgebiet Technik, Dreidimensionale digitale Darstellungsmöglichkeiten mit Hilfe eines LED-Würfels), Justus Rocho und Ole Fabian Frerichs (Ratsgymnasium, Schüler experimentieren Fachgebiet Arbeitswelt, Thema: Mikroplastik), Liam Riechardt (Ratsgymnasium, Schüler experimentieren Fachgebiet Chemie, Thema: Grasgas), Annika Beckmann und Hannah Pötter (Gymnasium in der Wüste, Schüler experimentieren Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften, Thema: Lärm im Schulalltag), Lars Buchholz (Gymnasium Carolinum, Schüler experimentieren Fachgebiet Mathe/Informatik, Thema: vollkommene Zahlen), Elias Witzke und Henry Beermann (Gymnasium Oesede, Schüler experimentieren Fachgebiet Physik, Thema: Schaumalarm), Torge Avermann (Ratsgymnasium, Schüler experimentieren Fachgebiet Technik, Thema: Die Nebelleinwand).

Sonderpreise: Harcke Francksen, Michael Harms und Florian Moritz Eckhardt (BBS Haste, Entwicklung einer fressbaren Silageabdeckung, Sonderpreis für Kreativität, Sonderpreis Umwelttechnik), Jan Dohm, Jan-Hendrik Borgstädt und Helke Focke (BBS Haste, Entwicklung eines Dachrinnenreinigungssystems, Sonderpreis der Handwerkskammer), Marvin Lenjer (Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Untersuchung eines neuen Akku-Systems, Sonderpreis der Hochschule Osnabrück), Justus Rocho und Ole Fabian Frerichs (Ratsgymnasium Osnabrück, Mikroplastik - Versuche zur Bekämpfung der Umweltkatastrophe, Sonderpreis Umwelttechnik), Jamila-Lia Fey Usselmann und Katharina Gravenhorst (Grundschule In der Wüste, Wie gesund sind die Gewässer in Osnabrück?, Jahresabonnement „natur“), Liam Riechardt (Ratsgymnasium Osnabrück, Grasgas, Sonderpreis Erneuerbare Energien), Liv Bietenbeck (Gymnasium In der Wüste, Biokunststoffe - ein mögliche Alternative?, Sonderpreis Nachwachsende Rohstoffe), Jan Kniefert (Gymnasium In der Wüste, Alternative Dämmstoffe, Sonderpreis Qualitätssicherung durch zerstörungsfreie Prüfung), Carla Mücke (Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Ionenfön-Top oder Flop, Jahresabonnement „GEOlino“), Torge Avermann (Ratsgymnasium Osnabrück, Die Nebelleinwand, Sonderpreis für Innovation) und Niklas Kröger und Sven Thiede (Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, The magic Bed, Sonderpreis für Kreativität).


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