21.02.2016, 17:20 Uhr

Projekt Querbeet für Flüchtlinge Osnabrück: „Deutsche Scholle“ wird 100 Jahre alt

Gabriele Gaschina von der Gesellschaft für Kinder- und Jugendhilfe Outlaw übergab einen Kirschbaum an den Vorsitzenden der Deutschen Scholle Emil Zuleia. Foto: Swaantje HehmannGabriele Gaschina von der Gesellschaft für Kinder- und Jugendhilfe Outlaw übergab einen Kirschbaum an den Vorsitzenden der Deutschen Scholle Emil Zuleia. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Am Sonntag feierte der Kleingärtnerverein „Deutsche Scholle“ sein 100-jähriges Bestehen. Parallel startete das Modellprojekt „Querbeet“ zur Integration von Flüchtlingen, an dem der Verein maßgeblich beteiligt ist.

Der Erste Vorsitzende Emil Zuleia begrüßte die Gäste, neben den Kleingärtnern waren auch die Bürgermeisterinnen Birgit Strangmann und Karin Jabs-Kiesler sowie Stadtbaurat Frank Otte vertreten, und gab einen Überblick über die Geschichte des KGV. Dabei zeigte sich schnell, dass ein enger Bezug zum Thema Flüchtlinge gegeben ist: die Deutsche Scholle entstand im Ersten Weltkrieg, als viele Menschen innerhalb der Stadtgrenzen Zuflucht suchten. Der Verein wurde gegründet, um den dringenden Bedarf an Lebensmitteln zu decken. Emil Zuleia schlug den Bogen zum Projekt Querbeet: „Wir sind daher von Haus aus ein multikultureller Verein, die Herkunft spielt keine Rolle: Wir sind alle Kleingärtner.“ Er tut sich außerdem schwer mit dem Begriff „Flüchtlinge“ - dem Wort hafte etwas Abfälliges an. „Sprechen wir lieber von Neu-Kleingärtnern, die nicht aus Deutschland sind.“

„Menschlicher Weg“

Im Rahmen von Querbeet werden sich Flüchtlinge am sozialen Leben des Vereins beteiligen und lernen, eine Parzelle zu bewirtschaften. Parallel werden Veranstaltungen angeboten, durch die Vereinsmitglieder mehr über Fluchtursachen und den persönlichen Hintergrund der Geflüchteten erfahren. Querbeet wurde vom Kinderhilfswerk des terre des hommes (tdh) initiiert und wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt fachlich und finanziell gefördert. Kooperationspartner sind die gemeinnützige Gesellschaft für Kinder- und Jugendhilfe Outlaw, die Deutsche Scholle und der KGV Süd.

„Ich möchte sagen, dass mich selten ein Projekt so begeistert hat wie dieses“, sagte Karin Jabs-Kiesler. An diesem und anderen Beispielen sei erkennbar, dass man im Gegensatz zur vielerorts vorherrschenden Fremdenfeindlichkeit in Osnabrück einen anderen Weg gehe, „und zwar einen menschlichen Weg.“

Wichtig: 50 cm tief umraben

Frank Otte stimmte zu: „Bei solchen Veranstaltungen sieht man, dass es nicht überall so ist wie in manchen Dörfern in Sachsen, sondern dass wir in Osnabrück eine andere Tradition pflegen.“ Neben seiner Anwesenheit in offizieller Funktion als Stadtbaurat und Integrationsbeauftragter konnte Otte auch etwas für sich persönlich mit nach Hause nehmen: „Meine Anbauversuche im eigenen Garten sind bis jetzt kläglich gescheitert. Jetzt weiß ich warum: Ich habe nicht 50 Zentimeter tief umgegraben.“

Für die Bewirtung der Gäste sorgte am Sonntag erstmals Claudia Gemba. Sie führte bereits die Vereinsgaststätte des KGV Waldesruh. Ab Dienstagnachmittag läuft im Vereinshaus der Deutschen Scholle wieder der normale Wirtschaftsbetrieb.


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