12.02.2016, 20:35 Uhr

Neues System aus Osnabrück Wie Kaufleute dem Onlinehandel Paroli bieten

Kai Schwermann (links), Gründer und Geschäftsführer von Bill-X, im Gespräch mit Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Foto: Elvira PartonKai Schwermann (links), Gründer und Geschäftsführer von Bill-X, im Gespräch mit Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Die Osnabrücker Firma Bill-X will „Lust machen, in die Stadt zu fahren“. Shoppen, essen, wohlfühlen – und die Technik dahinter liefert Bill-X.

„Cross Market Places“ heißt das Konzept, das die digitale Ideenschmiede Mitte des Jahres in München scharf schalten will. „Wir würden uns freuen, wenn wir das auch in Osnabrück an den Start bringen könnten“, sagte Bill-X-Geschäftsführer Kai Schwermann beim Besuch von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und Wirtschaftsförderin Sonja Ende in den Büros an der Möserstraße.

„Cross Market“ könne eine Antwort der Innenstädte auf den wachsenden Onlinehandel sein,sagt Schwermann. „Wir wollen den Leuten Lust machen, in die Stadt zu fahren.“ Das geschehe durch die Kombination verschiedener Angebote: das Theater mit einem Menü in einem feinen Restaurant verbinden, den Kinoabend mit einer Pizza abschließen, mit dem Busticket in die Stadt fahren und Präsente in verschiedenen Geschäfte abstauben.

Mit Busticket oder Zoo-Karte

Die Idee ist nicht neu, wohl aber das System dahinter. Schwermann und sein Kollege Ludwig Storch wollen mit „Cross Market Places“ sicherstellen, dass die interne Verrechnung komplikationslos abläuft und die Kundendaten jeweils bei den Geschäftsleuten bleiben. „Die Ideen und Inhalte müssen von den Kaufleuten kommen, wir kümmern uns um die technischen Prozesse dahinter“ erklärt Bill-X-Gründer Schwermann. Eine Idee warf OB Griesert gleich in die Runde: „Der Zoo ist immer auf der Suche nach Kooperationen mit der Innenstadt.“

Den Kunden will es Schwermann so einfach wie möglich machen. Sie bekommen deshalb keine Karte, auch eine App müssen sie nicht herunterladen. Bill-X setzt auf vorhandene Träger, wie der Chef erklärt. Das kann das Busticket sein oder die Zoo-Eintrittskarte, die Kunden in den Geschäften vorweisen, um Zusatzangebote in Anspruch zu nehmen.

Schon als Kind programmiert

Kai Schwermann, Jahrgang 1967, hat schon als Sechsjähriger zu programmieren begonnen. Ein „typischer Nerd“ sei er gewesen. Doch was ihn vom klassischen Klischee des Computerfreaks abhebt, ist seine sportliche Neigung. Schwermann schmetterte für Tecklenburg in der zweiten Volleyball-Bundesliga, wo er mit seinem heutigen Manager-Kollegen Ludwig Storch zusammenspielte. Informatikstudium in Dortmund, mit 19 Gründung einer eigenen Firma für Internetdienstleistungen, als das Netz wirklich noch Neuland war. Zu den ersten Kunden zählten der Autobauer Karmann und Ihr Platz, die mit Schwermanns Hilfe den Nutzen des Internets entdeckten.

Internet-Blase

Während des Internet-Hyps um die Jahrtausendwende ließ Schwermann einen Investor ins Haus, der viel Geld, aber auch Unruhe mitbrachte. Die Blase platzte, Schwermann ließ seine Firma Uni-X geordnet in die Insolvenz gehen, um ohne Investor das Unternehmen Bill-X neu aufzubauen. Seine Lehre aus der Zeit: „Wir wollen ein organisches, moderates Wachstum.“ 20 Beschäftigte hat das Unternehmen mit Sitz am Kollegienwall in Osnabrück, davon sind 18 Entwickler. „Aktuell suchen wir zwei bis drei Leute “, sagt Ludwig Storch.

Wichtiger BMW-Partner

Seit 2004 kooperiert Bill-X mit dem Autokonzern BMW. Aktuell liefert das Osnabrücker Unternehmen das Abrechnungssystem für die Elektroautos von BMW. Beispiel: Käufer eines BMW i3 können in Parkhäusern Ladestationen nutzen, die Bezahlung erfolgt über ein von Bill-X entwickeltes und betreutes System . Der nächste Schritt ist, das rundum vernetzte Auto zum „Verkaufskanal der Zukunft“ zu machen: Parkplatz reservieren, Übernachtung buchen, Tisch vorbestellen. Alles vom Cockpit aus.


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