28.01.2016, 15:43 Uhr

Nach Sieg vor Arbeitsgericht Staatsanwalt ermittelt gegen Osnabrücker Chefarzt

Demo vor dem Arbeitsgericht. Patienten zeigen ihre Solidarität mit Prof. Dr. Koch (links). Foto: Jörn MartensDemo vor dem Arbeitsgericht. Patienten zeigen ihre Solidarität mit Prof. Dr. Koch (links). Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Einen Tag nach dem Sieg vor dem Arbeitsgericht steht der Osnabrücker Chefarzt Olaf Koch im Fokus der Staatsanwaltschaft. Sie hat Ermittlungen wegen Betrugsverdachts eingeleitet.

Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Alexander Retemeyer, am Donnerstag bestätigte, haben die Ermittler auf Grundlage der Berichterstattung über das Arbeitsgerichtsverfahren die Ermittlungen aufgenommen. Im Raum steht der Verdacht des Abrechnungsbetruges über einen Zeitraum von drei Jahren.

Die Geschäftsführung des Klinikums hatte dem Chefarzt der Onkologie deshalb im August 2015 die fristlose Kündigung ausgesprochen. Sie wirft ihm vor, dass von Dezember 2010 bis Dezember 2013 alle Privatpatienten über ihn abgerechnet worden sind, obwohl Koch nicht alle Patienten behandelt haben könne. Das Arbeitsgericht sah diesen mutmaßlichen Betrug nicht hinreichend belegt und erklärte die Kündigung für unwirksam.

Kochs Anwalt Daniel Renger sieht den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gelassen entgegen. Schon kurz nach der Kündigung hatte sich Koch über seinen Anwalt bei der Staatsanwaltschaft gemeldet und seine Mithilfe angeboten, sollte jemand gegen ihn Anzeige erstatten. Eine Anzeige ging nicht ein, deshalb ließ die Behörde den Vorgang zunächst ruhen.

Professor Koch ist entschlossen, wieder im Klinikum zu arbeiten. Schriftlich hat er am Donnerstag der Klinik-Leitung seine Dienste ab Freitagmorgen angeboten. „Wenn bis 16 Uhr keine Antwort eingeht, gehen wir davon aus, dass Professor Koch am Freitag freien Zugang zum Klinikum erhält und seine Arbeit aufnehmen kann.“

Wird Olaf Koch am Freitagmorgen seine Arbeit aufnehmen? „Ich denke nicht“, sagte Klinikum-Geschäftsführer Frans Blok. Er werde Herrn Koch nicht die Tür verschließen, sondern ihn zu einem Gespräch bitten, sagte Blok. Ihm liege das Urteil und die Urteilsbegründung des Arbeitsgerichts nicht vor, daher könne er auch nichts darüber sagen, wie die Zusammenarbeit mit dem Krebsmediziner in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten aussehen könnte. Darüber werde auch der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am Samstag sprechen.

Das Klinikum muss nach Auskunft von Rechtsanwalt Renger zeitnah einige bürokratische Hürden aus dem Weg räumen, damit der Chefarzt seine Arbeit vollumfänglich wieder aufnehmen kann. Dazu gehöre auch die Wiederanmeldung bei de rÄrztekammer.

Die FDP hat sich inzwischen mit der Frage zu Wort gemeldet, „ob das Klinikum rechtlich richtig beraten wurde oder ob die Geschäftsführer einfach nicht in der Lage waren, ihren Anwälten die notwendigen Unterlagen vorzulegen“. Der Vorgang sei „peinlich“ und „blamabel“ für die Verantwortlichen des Klinikums, teilte FDP-Kreisvorsitzender Moritz Gallenkamp mit. „Für die Patienten kann man hoffen, dass Professor Koch seine Tätigkeit wieder aufnehmen wird. Inwieweit notwendige personelle Konsequenzen im Klinikum im Nachgang dieser unerfreulichen Posse gezogen werden bleibt abzuwarten. So oder so, der Image-Schaden des Klinikums ist immens.“


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