17.01.2016, 16:47 Uhr

Bürger fragen sich Wann wird das Shoppingcenter am Osnabrücker Neumarkt gebaut?


Osnabrück. Wann beginnt Unibail Rodamco Germany mit dem Bau des Einkaufszentrums am Osnabrücker Neumarkt? Der Chef gibt eine Antwort.

Ulrich Wölfer, Vorstandsmitglied des Centerentwicklers Unibail Rodamco Germany, will sich auf einen Termin nicht festlegen, lässt aber keinen Zweifel an dem Projekt aufkommen: „Wir halten an Osnabrück fest, nehmen uns aber Zeit, über das Design noch einmal nachzudenken“, sagte Wölfer beim Besuch einer Osnabrücker Delegation im Shoppingcenter Minto in Mönchengladbach.

Als der Centerentwickler noch mfi hieß und in Essen residierte, galt die Aussage: Im Herbst 2015 beginnt der Bau am Neumarkt . Mit der vollständigen Übernahme von mfi durch den französischen Centerbetreiber Unibail Rodamco im Sommer 2015 wurden die Uhren zurückgestellt. Der Vorstand in Paris war vom Innendesign nicht überzeugt. Also begannen die kreativen Köpfe noch einmal von vorn.

Ein halbes Jahr zum Nachdenken

So war es auch in Mönchengladbach: „Wir haben uns auch beim Minto ein halbes Jahr zum Nachdenken gegeben“, erklärte Wölfer. Nichts bewegte sich mehr, alles auf null, alles neu denken.

Herausgekommen ist ein Center der neuen Generation, individuell auf Mönchengladbach zugeschnitten. Mit 26.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist um ein Drittel größer als das Neumarkt-Center, das bei Unibail Rodamco unter dem Arbeitstitel „Oskar“ läuft. Die Mall, die Hauptgasse in der Mittel, ist geschwungen, offen und lässt Blicke durch alle Geschosse zu. Vor allem aber: Die Fassaden der Geschäfte reichen über zwei Etagen und sind exklusiv gestylt. „Sie sprechen alle Sinne an“, sagt die Chefdesignerin Martina Fecke, „sie sind riechbar und hörbar.“ Ähnliches will der Centerbetreiber auch in Osnabrück umsetzen. „Sie können sich darauf freuen“, sagte Frecke den Gästen aus Osnabrück.

Palais Vest und Minto

Unibail Rodamco hatte Ratsmitglieder, Vertreter der IHK und des Einzelhandels zu einem Besuch ihrer ganz neuen Center in Recklinghausen (Palais Vest) und Mönchengladbach (Minto) eingeladen. Das Palais Vest wurde im September 2014 eröffnet, das Minto im März 2015. „Was wir dabei gelernt haben, wollen wir für Osnabrück nutzen“, sagt der für Osnabrück zuständige Unibail-Projektmanager Björn Reineking.

Mall grundlegend verändert

Eine Lehre ist: Die zentrale Mall muss im Vergleich zu den ersten Plänen bereiter und großzügiger werden, ohne Verkaufsfläche einzubüßen. Die ist mit 16.500 Quadratmetern ohnehin schon knapp genug für ein Center mit regionalem Wirkungsanspruch. Was an Größe fehlt, will Unibail Rodamco mit Qualität und Wow-Effekten im Auftritt erreichen. Diese Konzepte werden nach den Worten von Design-Päpstin Martina Frecke sehr eng mit den Mietern abgestimmt. Doch letztlich setze Unibail Rodamco die Maßstäbe, und die seien sehr anspruchsvoll.

70 Prozent noch frei

Welche Mieter das sind, verrät zurzeit keiner aus dem Hause Unibail Rodamco. Ulrich Wölfer spricht aber offen über den Vermietungsstand: 30 Prozent der Verkaufsfläche ist bisher vermarktet. „Wir sind mit vier Großen in den Endverhandlungen. Wenn wir die haben, geht es los“, so Wölfer. Und wann ist das soweit? „Ganz sicher in diesem Jahr“. Genauer will sich der Entwicklungschef nicht festlegen. Aber „ganz wichtig“ ist ihm die Aussage, dass „trotz aller Unkereien“ in Osnabrück das Center realisiert wird.

Nur eigenes Kapital

Unibail Rodamco kann sich die Zeit zum Nachdenken leisten, weil der Konzern ausschließlich eigenes Kapital einsetzt. Bei der Übernahme der mfi-Center hat die kapitalkräftige französische Aktiengesellschaft sämtliche Kredite von mfi abgelöst. Unibail hat deshalb keine Banken im Nacken sitzen, die ihr Kapital zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung stellen und üblicherweise für nicht abgerufenes Geld Bereitstellungszinsen verlangen. Das Center in Osnabrück wird nach Unternehmensangaben etwa 130 Millionen Euro kosten.

Gastrofläche im „Oskar“ erweitert

Der Denkprozess der vergangenen Monate hat keinen Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild gehabt. Es bleibt beim Entwurf des Architekturbüros Kada-Wittfeld, das gläserne Bauklötze in einem schwarzen Passepartout vorsieht. Größeren Raum als ursprünglich geplant nimmt die Gastronomie ein, die den Gästen Panoramaplätze mit Blick auf Neumarkt und Johannisstraße bieten soll. Der Gastroanteil an der Gesamtfläche werde etwa zehn Prozent betragen, sagte Wölfer. Die Restaurants werden auch nach Ladenschluss geöffnet sein. Geparkt wird im Keller und auf dem Dach. 475 Stellplätze lässt der Bebauungsplan zu.

Busverkehr ein „ganz großes Plus“

Die Diskussion um eine Sperrung des Neumarktes für den Autoverkehr beobachtet der Centerentwickler ganz entspannt. „Jede Verringerung des Verkehrs kommt dem Center und der Johannisstraße zu Gute“, sagte Björn Reineking. Wichtig ist dem Investor, dass die Parkhäuser – das eigene und die im Umfeld – gut erreichbar sind. Und ein „ganz großes Plus“ sieht Reineking im Busverkehr. „Wir freuen uns über die Busse, denn die bringen jeden Tag 80 000 Menschen direkt vor unsere Tür“.

Alle Hintergründe auf der Themenseite Neumarkt


Palais Vest, Recklinghausen

Eröffnung: 16. 09. 2014

Investition: 230 Millionen Euro

Verkaufsfläche: 27.000 qm

Shops: 120

Ankermieter: H&M, C&A, Reserved, Media-Markt

Besucher 2015: 9 Milionen

Parkplätze: 930

Lage: Entstanden an der Stelle eines früheren Einkaufszentrums (Löhrhof), direkte Anbindung an die Fußgängerzone/1a-Lage

Name: Vest ist der Name der Region im nördlichen Ruhrgebiet; die Innengestaltung greift Palast-Elemente auf

Minto, Mönchengladbach

Eröffnung: 26.3. 2015

Investition: 250 Millionen Euro

Verkaufsfläche: 26.000 qm

Shops: 104

Ankermieter: H&M, Forever 21, Reserved, Saturn, Vapiano, Sportcheck

Besucher: 7,2 Millionen (seit Eröffnung)

Parkplätze: 900

Lage: Entstanden an der Stelle eines früheren Einkaufszentrums, direkte Anbindung an den Nahverkehr und die Fußgängerzone/1a-Lage

Name: Minto bedeutet im Gladbacher Plattdeutsch „meins“. Der Name geht auf einem Vorschlag aus der Bürgerschaft zurück.

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