14.12.2015, 13:08 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Ausverkauf hat begonnen Wilhelm Koch GmbH in Osnabrück wird geschlossen

Am Ende: Wilhelm Koch Haustechnik in Osnabrück. 162 Mitarbeiter werden entlassen. Foto: Wilfried HinrichsAm Ende: Wilhelm Koch Haustechnik in Osnabrück. 162 Mitarbeiter werden entlassen. Foto: Wilfried Hinrichs

Osnabrück. Der Stammsitz der Wilhelm Koch GmbH in Osnabrück wird geschlossen. 162 Mitarbeiter haben ihre Kündigungen erhalten, der Lagerbestand steht zum Ausverkauf. „Ein fürchterlicher Zustand“, sagt Betriebsratsvorsitzender Norbert Diekmann.

Trotz „vieler Gespräche und intensiver Verhandlungen“ sei es nicht gelungen, einen Käufer für den Osnabrücker Standort des Haustechnikgroßhändlers zu finden, sagte Insolvenzverwalter Malte Köster von der Bremer Kanzlei Willmer und Partner. Am 1. Dezember hat das Amtsgericht Osnabrück das Insolvenzverfahren formell eröffnet. Der Geschäftsbetrieb ist eingestellt.

Trotzdem herrscht in der Ausstellung reges Leben, denn seit zehn Tagen läuft der Abverkauf der Lagerbestände. Das Interesse der Schnäppchenjäger ist groß. Am vergangenen Samstag habe es einen „Massenauflauf“ gegeben, berichtet der Insolvenzverwalter. Auch die Immobilien im Osnabrücker Stadtteil Fledder stehen zum Verkauf.

Transferagentur

Von den ehemals 440 Mitarbeitern haben nach Kösters Angaben über 200 bereits das Unternehmen verlassen und neue Jobs gefunden. 42 Beschäftigte werden für den Ausverkauf und die Abwicklung des Unternehmens bis zum 31. März 2016 gebraucht.

162 Mitarbeiter an den Standorten Osnabrück, Bremen, Gütersloh und Ostrhauderfehn (Ostfriesland) haben in diesen Tagen die Kündigung bekommen. Für sie ist nach den Worten des Insolvenzverwalters in Kooperation mit der Arbeitsagentur eine „Transferagentur“ eingerichtet worden, die die Betroffenen auf den ersten Schritten der Jobsuche begleitet. Dazu gehört die Ermittlung der Qualifikationen und Interessen sowie ein Bewerbungstraining. Finanziert wird die Starthilfe aus der Insolvenzmasse und von der Arbeitsagentur, der Insolvenzverwalter Köster ein besonderes Lob für die „konstruktive Mitarbeit“ zollt. Auch der Betriebsrat habe „sehr professionell“ mitgearbeitet.

„Katastrophe“ für Mitarbeiter

Der Betriebsratsvorsitzende Norbert Diekmann hätte sich mehr gewünscht, nämlich eine Transfergesellschaft, die die 162 Entlassenen zunächst aufgefangen und für den aktuellen Bedarf auf dem Arbeitsmarktqualifiziert hätte. „Schade, dass das nicht geklappt hat“, sagte Diekmann. Für einige Kolleginnen und Kollegen sei die Kündigung „eine Katastrophe“ und das Ende des Unternehmens nach über 100 Jahren „bitter“. Gerade sei er durch die Ausstellungshallen gegangen, sagte Diekmann am Montag: „Ein fürchterlicher Zustand.“

Zu klein für den harten Markt

Das Osnabrücker Traditionsunternehmen ist in zwei Schritten in die Knie gegangen. Im Juli stellte die Geschäftsführung der 3 H Elektro + Sanitär, Haustechnik, Handel und Holding Aktiengesellschaft Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens . Die 3 H Holding war mit 130 Mitarbeitern zu hundert Prozent Gesellschafterin der Wilhelm Koch GmbH. Die Holdinggesellschaft erledigte im Auftrag der Wilhelm Koch GmbH deren Buchführung und Verwaltung. Im September stellte auch die Wilhelm Koch GmbH Insolvenzantrag.

Im Oktober meldete der Insolvenzverwalter den Verkauf von vier Standorten. Die Detering-Gruppe aus Emden übernahm die Standorte in Rheine und Nordhorn, die Standorte Lübbecke und Bünde gingen an die Pietsch-Gruppe aus Ahaus.

Der Haustechnikgroßhändler war mit zehn Niederlassungen und einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro ein kleiner Spieler auf dem Markt für Elektro und Sanitär. Der harte Wettbewerb und die Einkaufsstrukturen, die den großen Konkurrenten bessere Konditionen ermöglichen, setzten dem Osnabrücker Traditionsunternehmen in den vergangenen Jahren zu. Hinzu kommt, dass die Drosselung der Einspeisevergütung den Markt für Fotovoltaikanlagen ausbremste.

2013 schloss die Wilhelm Koch GmbH laut der im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz mit einem Fehlbetrag von 2,1 Millionen Euro ab. Die Verluste aus den Vorjahren summierten sich Ende 2013 auf 6,6 Millionen Euro.


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