17.11.2015, 19:00 Uhr

Trauer ins Fließen bringen Was kann Trauerbegleitung leisten - und was nicht?

Christine Stockstrom, die Vorsitzende des Bundesverbands Trauerbegleitung. Foto: Stockstrom/Bundesverband TrauerbegleitungChristine Stockstrom, die Vorsitzende des Bundesverbands Trauerbegleitung. Foto: Stockstrom/Bundesverband Trauerbegleitung

Osnabrück. Drei Fragen an Christine Strockstrom... – sie ist die Vorsitzende des noch recht frischen Bundesverbands Trauerbegleitung , der vor kurzem die Ausbildung zum Trauerbegleiter in Deutschland genormt und zertifiziert hat und sich aktuell in einer Diskussion mit den Krankenkassen zum Thema Trauerbegleitung befindet.

Christine Stockstrom, was kann eigentlich Trauerbegleitung – und was kann sie nicht?

Christine Stockstrom: Trauerbegleitung kann Raum öffnen für die Trauer. Sie kann helfen, Gefühle zu sortieren und zuzulassen. Sie kann helfen, die Trauer ins fließen zu bringen. Was sie nicht kann, ist die Trauer verschwinden zu lassen, den Verstorbenen zu ersetzen oder Menschen bewusst verändern im Sinne des Erreichens von Zielen. Das Allerwichtigste ist wirklich, den Trauernden Zeit und Raum zu geben, damit die Trauer auch fließen kann.

Die Trauer aus dem Leben verschwinden zu lassen wäre vermutlich auch gar nicht hilfreich, oder?

Christine Stockstrom: Nein, aber das ist manchmal die Vorstellung, mit der Trauernde in eine Begleitung kommen. Ich habe schon einmal erlebt, dass mir eine Dame sagte, ja, ich würde gerne in eine Trauerbegleitung kommen – und danach soll es mir gut gehen. Und ich glaube, das geht nicht. Der Begleiter kann vielleicht dabei behilflich sein, mit der Trauer leben zu lernen. Mehr geht nicht.

Werden Trauernde denn nicht auch von ihren Angehörigen und Freunden gut begleitet?

Christine Stockstrom: Ich finde es ganz wichtig, dass Nachbarn und Verwandte und Freude die Trauernden begleiten. Ich erlebe es allerdings ganz oft, dass Trauernde bald alleinegelassen werden dass Angehörige und Freunde ungeduldig werden oder dass sie in eine bestimmte Ecke drängen wollen. Sie sollen bitte wieder „normal funktionieren“. Diese Anspruchshaltung steht oft schnell im Raum. Das kann aus einer Hilflosigkeit entstehen, aus einem „Nicht umgehen können“ mit der Trauer, oft sind es auch eigene Ängste, die im Weg stehen. (ache)


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