30.10.2015, 16:25 Uhr

Kriminalität in LAB Bramsche Mehr Körperverletzungen unter Flüchtlingen in Hesepe


Osnabrück/Bramsche. Die Körperverletzungen unter Flüchtlingen in der Erstaufnahme in Bramsche-Hesepe haben im unteren zweistelligen Bereich im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Das sagte der Pressesprecher der Polizeiinspektion Osnabrück, Georg Linke, unserer Redaktion und betonte: „Die Bevölkerung ist davon nur sehr selten betroffen.“ Der neue Leiter der Einrichtung in Hesepe, Klaus Dierker, sagt: „Die Situation heute ist nicht mehr mit der vor zwei Wochen zu vergleichen.“

Auch die Ladendiebstähle im Umfeld der Landesaufnahmebehörde (LAB) Hesepe haben laut Linke in einer geringen zweistelligen Zahl zugenommen. „Das ist sicherlich dadurch zu begründen, dass in diesem Jahr viel mehr Menschen in der LAB untergebracht waren als im Vorjahr. Es sei erwartbar, dass die Straftaten zunehmen, wenn auch die Personenzahl so stark auf einem so eng begrenzten Raum wie in Hesepe zunimmt. Zwischenzeitlich waren mehr als 4000 Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung. Das Lager war damit achtfach überbelegt.

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„Wo mehr Menschen sind, passieren auch mehr Straftaten“

Der neue Leiter der Landesaufnahmestelle, Klaus Dierker , kommentierte: „Die Straftaten, die hinzugekommen sind, sind nicht überraschend. Wo mehr Menschen sind, passieren auch mehr Straftaten.“ Die Situation habe sich aber bereits verbessert, seitdem durch das Amtshilfeabkommen mit den Kommunen nicht mehr 4000, sondern inzwischen nur noch 2500 Schutzsuchende in der Einrichtung sind. Zu den Körperverletzungen sagt er: „Wenn so viele Menschen auf so engem Raum sind, da kommt es schon mal zu Anfeindungen untereinander.“ Es komme hinzu, dass einige auch noch traumatisiert von der Flucht sind und dadurch natürlich auch schon mal anders reagieren würden.

Situation heute nicht mehr mit der vor zwei Wochen zu vergleichen

Die Situation heute sei aber nicht mehr mit der noch vor zwei Wochen zu vergleichen. Die LAB verfüge jetzt nicht mehr nur über eine, sondern inzwischen über drei Essensausgaben. Außerdem verbessere sich die Qualität der Unterkünfte. Die Zeltstadt hätte als Notunterkunft ausgedient und sei abgebaut worden. Auf dem ehemaligen Sportplatz würden nun neue winterfeste Zelte mit beheizten Räumen aus mit Rigips verkleideten Ständerkonstruktionen errichtet.

Größeres Winterzelt für 250 Personen in zwei Wochen fertig

„Das größere neue Winterzelt für 250 Personen wird in den nächsten zwei Wochen fertig“, prognostizierte Dierker. „Das zweite Winterzelt für 200 Leute, das daneben entsteht, wird bis Ende November oder Anfang Dezember fertig.“ Etwa zum selben Zeitpunkt könne eine neue Containeranlage bezogen werden, die weiteren 140 Menschen Platz biete. „Diese neue Qualität der Unterbringung trägt dazu bei, dass sich die Situation entspannt“, konstatiert der ehemalige Polizeibeamte. „Wenn es so bleibt, dann schaffen wir es, gut und ohne zu frieren über den Winter zu kommen.“ Zur Entspannung trage auch bei, dass die täglich neu eintreffenden 150 bis 200 Menschen noch am selben Tag registriert werden. „Es waren mal 1800 Menschen, die hier nicht registriert waren, heute liegt diese Zahl quasi bei Null, weil sie tagesaktuell registriert werden.“ Auch das habe früher zu Frustrationen geführt. Dierker resümierte: „Wir versuchen alles in unserer Macht stehende, um die Situation zu entschärfen. Dass es aber auch weiterhin vereinzelte Streitereien geben wird, das kann man natürlich nicht komplett verhindern.“

Körperverletzungen der Flüchtlinge in Osnabrück nur im einstelligen Bereich

Im Stadtgebiet Osnabrück lagen die Straftaten von Flüchtlingen laut Linke „im ganz unteren zweistelligen Bereich“. Es gebe auch keine Hinweise, dass die Straftaten im Umfeld des früheren Klinikums am Natruper Holz zugenommen hätten. „In Osnabrück ist die Situation auch anders als in der abgelegenen LAB Hesepe. Wenn, dann würden die Straftaten nicht nur am Westerberg, sondern auch in der Innenstadt begangen“, erklärte Linke. Auch der von einigen Menschen befürchtete starke Anstieg schwerer Straftaten blieb rund um die Erstaufnahmeeinrichtung in Osnabrück genauso wie in der gesamten Region Osnabrück aus. Die Körperverletzungen der Flüchtlinge untereinander seien in Osnabrück kaum erwähnenswert und lagen im ganzen Jahr lediglich im einstelligen Bereich. „Das liegt sicherlich daran, dass in Osnabrück einerseits weniger Flüchtlinge untergebracht sind als in Hesepe und dass es hier andererseits auch nicht so eng ist“, so Linke.


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