21.10.2015, 11:46 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Stadtwerke national Vorreiter Osnabrück stellt Linie 41 auf Elektrobus-Verkehr um


Osnabrück. Osnabrück drückt beim Thema Elektrobus aufs Gaspedal. Bis 2020 wollen die Stadtwerke 40 batteriebetriebene Fahrzeuge kaufen. Bereits 2018 soll mit der Linie 41 eine der wichtigsten innerstädtischen Verbindungen komplett elektrisch funktionieren. Damit wähnt sich der Verkehrsbetrieb in der Vorreiterrolle.

In einem ersten Schritt sollen 13 Gelenkbusse mit Elektromotor angeschafft werden, die zum Betrieb der Referenzlinie nötig seien, teilen die Stadtwerke Osnabrück mit. Die Linie 41 ist eine der fahrgaststärksten im gesamten City-Netz. Sie verbindet im Zehn-Minuten-Takt die Stadtteile Voxtrup und Haste und führt unter anderem über Neumarkt, Hasetor (Bahnhof Altstadt) sowie Meller Straße und Bramscher Straße.

Weitere Linien folgen

Um künftig noch mehr Linien umstellen zu können, sei für 2019 der Kauf von 14 zusätzlichen Elektrobussen vorgesehen, heißt es weiter. 2020 sollen erneut 13 Stück folgen. Damit würde ein erheblicher Teil der alten Dieselflotte nach und nach durch emissionsfreie Stromfahrzeuge ersetzt. „Was wir in Osnabrück machen, gibt es in dieser Größenordnung in Deutschland, vielleicht sogar in Europa nirgendwo anders“, sagt Werner Linnenbrink, Leiter der Abteilung Mobilitätsangebot. (Weiterlesen: ÖPNV-Ausbau in Osnabrück – beschlossen und vergessen?)

Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes erklärt, das Pilotprojekt orientiere sich an den Vorstellungen des Unternehmens von zukunftsfähiger, umweltfreundlicher Mobilität. Der Osnabrücker Busverkehr von morgen müsse „schnell und schick“ sein, außerdem die Region einbeziehen und ohne Abgase auskommen. „Dazu müssen wir in der Innenstadt elektrisch fahren.“ Mithin diene der Kauf von Elektrobussen im großen Stil auch den Klimaschutzzielen der Stadt Osnabrück. Rolfes: „Selbstverständlich werden alle unsere Elektrobusse nur mit Ökostrom betankt. Als Energieversorger sitzen wir da glücklicherweise an der Quelle.“

Revolution im Fuhrpark

Möglich macht die Revolution im Fuhrpark, die 2011 mit einem pannenbehafteten Experiment im kleinen Maßstab begann und 2013 weiter vorbereitet wurde, vor allem eine geänderte Förderrichtlinie des Landes Niedersachsen. Die Fahrzeugbeschaffung wird demnach – abhängig vom gewählten Antrieb – bis zur Hälfte subventioniert. Zudem wolle man weitere öffentliche Mittel abgreifen und so den Eigenanteil möglichst gering halten, heißt es.

Geräumige Elektrobusse mit Platz für 100 und mehr Fahrgäste, wie sie den Stadtwerken Osnabrück für den alltagstauglichen Einsatz im Linienverkehr vorschweben, kosten laut Rolfes schätzungsweise 750.000 Euro. Sie seien damit mehr als doppelt so teuer wie vergleichbare Dieselbusse der neuesten Generation. „Elektromobilität wird sich rechnen“, ist der Vorstandsvorsitzende überzeugt. Wegen sinkender Wartungs- und Energiekosten habe sich die Anschaffung „in weniger als zehn Jahren amortisiert“.

20 Prozent mehr Fahrgäste

Bezahlt machen sollen sich die Elektrobusse aber vor allem in Sachen Kundengewinnung. 20 Prozent mehr Fahrgäste wollen die Stadtwerke Osnabrück mit den neuen Fahrzeugen anlocken, die in Sachen Aussehen und Komfort einer Straßenbahn ähneln. Auf der Linie 41 sehe er für einen solchen Zuwachs das größte Potenzial, erklärt Prokurist Linnenbrink, deshalb gehe man hier an den Start.

Außerdem sei die Verbindung am besten geeignet, um die Energieversorgung der Fahrzeuge sicherzustellen. Denn neben Ladestationen auf dem Betriebshof müssen auch Stromtankstellen an den Endhaltestellen (Düstrup und Haste) eingerichtet werden. Drittens erlaube es der Streckenverlauf, den ÖPNV abschnittsweise weiter zu beschleunigen. Dazu soll dem Busverkehr etwa an verschiedenen Stellen der Bramscher Straße Vorrang gegeben werden, so Werner Linnenbrink.

Bald W-LAN in den Bussen?

Darüber hinaus kündigte der Abteilungsleiter eine Digitaloffensive an. Haltestellen entlang der Linie 41 sollen mit W-LAN-Hotspots für drahtlosen Internetzugang ausgestattet werden, perspektivisch auch die Busse. Es werde künftig Online-Tickets geben sowie Fahrgastinformationen in Echtzeit, beispielsweise über Verspätungen. (Weiterlesen: Fahrplanwechsel 2015 – So fahren die Busse in Osnabrück nach den Sommerferien)

Auch die kombinierte Nutzung von Bussen und Carsharing-Autos wie Flow-K und Stat-K soll für Kunden einfacher und bequemer werden. Bereits im Frühjahr 2016 wollen die Stadtwerke als Teil der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) dazu eine App namens „VOS Pilot“ auf den Markt bringen. „Informieren, navigieren, buchen“, fasst Werner Linnenbrink ihre Hauptfunktionen zusammen, die schrittweise freigeschaltet werden. (Weiterlesen: Osnabrücker Nahverkehrsplan kommt auf den Prüfstand)


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