20.10.2015, 06:03 Uhr

Gehälter zum Teil öffentlich Osnabrück: So viel verdienen die Chefs städtischer Firmen

Einige Geschäftsführer nehmen den Wunsch nach Transparenz ernst. Symbolfoto: dpaEinige Geschäftsführer nehmen den Wunsch nach Transparenz ernst. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Die Stadt Osnabrück hat erstmals die Gehälter der Geschäftsführer städtischer Tochtergesellschaften veröffentlicht. Wer verdient wie viel?

Veröffentlicht sind die Gehälter im aktualisierten Beteiligungsbericht 2015, der die Jahresabschlüsse 2014 enthält. Die Angaben sind freiwillig. Die meisten Geschäftsführer haben der Veröffentlichung widersprochen – aber einige nehmen den Wunsch nach Transparenz ernst. Zum Beispiel die Führung des Klinikums: Geschäftsführer Frans Blok verdient laut Beteiligungsbericht im Jahr ein Grundgehalt von 150000 Euro brutto und erhält darüber hinaus erfolgsabhängige Prämien, über deren Höhe und Modalitäten nichts mitgeteilt wird. Sein Co-Geschäftsführer Alexander Lottis steht mit einem Buttoentgelt von 140000 Euro auf der Gehaltsliste, zuzüglich erfolgsabhängiger Prämien. Die beiden tragen die Verantwortung für ein Unternehmen mit knapp 2000 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 158 Millionen Euro.

Volkshochschule, Städtische Bühnen

Ähnlich auskunftsbereit ist der Chef der Volkshochschule: Carl-Heinrich Bösling hat als Geschäftsführer der VHS GmbH ein Jahresgehalt 78000 Euro plus einer erfolgsabhängigen Tatieme von maximal 5000 Euro. Die VHS beschäftigt 28 Arbeitnehmer und zahlreiche Honorarkräfte. Die Städtischen Bühnen GmbH geben die Personalausgaben für die zweiköpfige Geschäftsführung nicht individualisiert aus. Intendant Ralf Waldschmidt und der Kaufmännische Direktor Matthias Kühn teilen sich 227759,61 Euro – in welchem Verhältnis sagt der Beteiligungsbericht nicht.

Osnabrück Marketing

Für die Chefin der Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH, Petra Rosenbach, weist der Bericht ein Jahresgehalt von 45000 Euro plus leistungsabhängige Prämien aus. Sie bekommt aber auch ein Gehalt vom Landkreis in gleicher Höhe, weil sie in Personalunion Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Osnabrücker Land (TOL) ist. Macht zusammen 90000 Euro brutto.

Im Februar 2012 hatte der Stadtrat eine neue Beteiligungsrichtlinie beschlossen , die die Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und den Gesellschaften regelt. Teil des Ratsbeschlusses war, dass im jährlichen Beteiligungsbericht die Bezüge der Mitglieder der Geschäftsführung „aufgeteilt nach Fixum, erfolgsbezogenen Komponenten und Sachleistungen individualisiert ausgewiesen werden“ sollen. Lange ließ sich die Stadt mit der Umsetzung Zeit. Es seien zuvor rechtliche Fragen zu klären, teilte die Pressestelle auf Anfragen unserer Redaktion 2014 mit. Auch die erste Fassung des Beteiligungsberichts 2015 enthielt keine Angaben zu den Managergehältern. Eine erneute Nachfrage unserer Redaktion vom Februar , brachte Bewegung in die Sache. Jetzt liegt eine aktualisierte „2. Version“ des Beteiligungsberichts vor, der im Internet einsehbar ist .

Nicht alle Gehälter ausgewiesen

Doch anders als vom Rat gewünscht, sind nicht alle Gehälter ausgewiesen. Die Angaben sind freiwillig. So lassen sich die Verantwortlichen der Stadtwerke, der Sparkasse, der Wirtschaftsförderung, der Osnabrückhalle (2014 stand noch Sandra Gagliardi an der Spitze), der Itebo, des Innvoationszentrums ICO , der Parkstätten-Betriebsgesellschaft OPG und der Zoo GmbH nicht in die Karten schauen.

Der Beteiligungsbericht gibt einen Überblick über die gesamten wirtschaftlichen Aktivitäten des Konzerns Stadt. 4260 Menschen arbeiten laut Beteiligungsbericht in einer der Eigengesellschaften oder Beteiligungen. Der städtische Konzern weist für 2014 eine Bilanzsumme von 1,3 Milliarden Euro aus und erwirtschaftet einen Umsatz von 714 Millionen Euro.

Stadtrat will mehr Einfluss nehmen

Der Stadtrat will auf der Grundlage der Beteiligungsrichtlinie von 2012 mehr Einfluss auf die Geschäfte der Tochtergesellschaften nehmen. Die Interessen einer Gesellschaft und der städtischen Mutter können sehr unterschiedlich sein, wie sich beispielhaft in der aktuellen Haushaltsdebatte zeigt. Die Politik will, dass die Beteiligungen stärker zur Haushaltssanierung herangezogen werden. Die Tochterfirmen sollen – je nach wirtschaftlicher Kraft – weniger Zuschüsse bekommen oder mehr Gewinn abführen.


0 Kommentare