19.10.2015, 16:03 Uhr

Besuch in der Gesamtschule Schinkel Osnabrücker Schüler interviewen afghanischen Flüchtling

Fünftklässler der Gesamtschule Schinkel in Osnabrück haben jetzt einen afghanischen Flüchtling interviewt. Foto: Michael GründelFünftklässler der Gesamtschule Schinkel in Osnabrück haben jetzt einen afghanischen Flüchtling interviewt. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Wie ist das Wetter in Afghanistan? Welche Fächer hat man in der Schule? Mit Fragen wie diesen löcherten Fünftklässler der Gesamtschule Schinkel einen afghanischen Flüchtling, der bereitwillig Auskunft erteilte über das Leben in seiner Heimat.

So viel Interesse an seiner Kurta, dem in vielen südasiatischen Ländern typischen kragenlosen, weit geschnittenen Hemd, dürfte Amam Mohammad Ehsan wohl noch nie erfahren haben. „Können Sie mal Ihre Jacke ausziehen!“, rief ihm eine neugierige Schülerin zu, und der 60-jährige Afghane tat, wie gewünscht. Die Reaktion kam prompt: „Oh, das sieht ja voll schön aus!“ Die Neugier der 5b auf den so ganz anders aussehenden Gast, der vor einiger Zeit mit seiner Familie aus Afghanistan nach Deutschland gekommen ist, war ausgesprochen groß.

Nachbar besucht Schule

Geweckt worden war das Interesse durch den Sohn von Amam Mohammad Ehsan. Der lebt seit einem knappen Jahr in der ehemaligen Hausmeisterwohnung, direkt neben der Gesamtschule Schinkel. „Einige Schüler haben schon gesagt, dass sie die Kinder der Familie immer im Bus sehen und gerne mehr über sie wissen würden“, sagte Elke van Slooten, Leiterin der Eingangsstufe und des Realschulzweiges.

Projekt wird vom Ministerium gefördert

Aus dem Treffen wurde schließlich ein Projekt, gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Als Dozentin konnte die Umweltaktivistin Doris Kube gewonnen werden, in Osnabrück unter anderem bekannt als Initiatorin des Friedensgartens. Dass die Schüler ihre Fragen schließlich nicht an den Mann richteten, der neben ihrer Schule wohnt, sondern an dessen Vater, hatte einen einfachen Grund: „Der Ali kann so gut Deutsch, dass er inzwischen einen Job als Dolmetscher in der Flüchtlingsunterkunft in Hesepe hat“, sagte Elke van Slooten. „Er musste also heute einfach arbeiten.“

Vater macht Vertretungsdienst

Der 60-jährige Vater machte seinen Vertretungsdienst ausgezeichnet und faszinierte die Schüler wie erwähnt schon mit seiner Kurta – und natürlich mit seinem rot eingefärbten, langen Bart. Überraschend war es dann für viele Schüler, dass das Land, in dem so fremdartig gekleidete Menschen leben, in vielen Dingen gar nicht anders ist als Deutschland.


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