15.09.2015, 18:07 Uhr

Initiative für regionales Geld Friedensthaler soll zur Osnabrücker Währung werden

Bunte Scheine oder bargeldlos: Günter Hullmann will eine Regionalwährung für Osnabrück und Umgebung herausbringen, den Friedensthaler.  Foto: Gert WestdörpBunte Scheine oder bargeldlos: Günter Hullmann will eine Regionalwährung für Osnabrück und Umgebung herausbringen, den Friedensthaler. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Wer regional einkauft, sichert den eigenen Arbeitsplatz. Und den von Freunden und Nachbarn. Diesen Gedanken will eine Initiative aus Osnabrück zum Anlass nehmen, eine Regionalwährung herauszubringen. Der Friedensthaler soll Unternehmen helfen, ihre Produkte und Dienstleistungen besser zu vermarkten. Und verhindern, dass Geld aus der Region abfließt. Zum Beispiel für den Onlinehandel.

Der Heilpraktiker Günter Hullmann möchte die Wirtschaft menschlicher gestalten. Als Initiator der Regionalwährung hätte er den Friedensthaler gern schon 2009 herausgebracht. Doch es gab einige Hürden zu überwinden und viele Gespräche zu führen, um das Projekt auf eine breitere Basis zu stellen. Jetzt sind Hullmann und seine Mitstreiter einen Schritt weiter und sehen gute Chancen für einen baldigen Start. Aber es fehlen noch 20 bis 30 Händler, Handwerksbetriebe und andere Gewerbetreibende aus Osnabrück und Umgebung, die das Regionalgeld in Umlauf bringen.

Der Name Friedensthaler soll an den Westfälischen Frieden von 1648 erinnern und damit einen regionalen Akzent setzen. Als Vorbild dient der Chiemgauer, eine Regionalwährung aus Bayern. „Mit jeder Weitergabe des Geldes entsteht eine Wertschöpfung“, sagt Hullmann. Damit dieser wirtschaftliche Prozess dynamisch bleibt und nicht zum Stillstand kommt, soll der Friedensthaler nach einem Vierteljahr zwei Prozent seines Werts verlieren. Diese Wertminderung lässt sich mit aufgeklebten Marken wieder ausgleichen. Durch die schnelle Weitergabe des Friedensthalers entstehe zusätzliche Wirtschaftskraft, heißt es auf der Internetseite www.friedensthaler.de, „Rechnungen werden schneller bezahlt und Dienstleistungen leichter in Anspruch genommen“.

Beim Chiemgauer habe sich gezeigt, dass die Regionalwährung drei Mal schneller in Bewegung bleibe als der Euro, berichtet Initiator Hullmann. Er rechnet damit, dass sich der Umgang mit dem Geld verändert, wenn der Friedensthaler an Bedeutung gewinnt. Am Anfang werde es einen Wechselkurs von eins zu eins gegenüber dem Euro geben. Dieser Kurs könne sich aber verändern. Maßgeblich dafür sei ein lokaler Warenkorb, der sich vom bundesweiten Index deutlich unterscheiden könne. Wie beim Chiemgauer soll auch ein bargeldloser Zahlungsverkehr mittels Karte möglich sein.

Zielgruppe der Regionalwährung sind unternehmergeführte Geschäfte aus der Region, und das können auch Onlinehändler sein, aber keine überregionalen Handelsketten. Langfristig werde der Friedensthaler zu einer Stärkung der Region führen, und das bedeute mehr Arbeitsplätze, eine Stärkung des regionalen Handwerks, des Einzelhandels, der Dienstleister und der Landwirtschaft.

Zum Unterstützerkreis gehört auch der Osnabrücker Michael Kopatz, der als wissenschaftlicher Projektleiter am Wuppertal-Institut arbeitet. Aus seiner Sicht trägt eine Regionalwährung dazu bei, eine Region krisenfester zu machen, weil die Ökonomie auch in turbulenten Zeiten besser funktioniere. Für Kopatz ist die Regionalwährung einer der Bausteine für die von ihm propagierte „Wirtschaftsförderung 4.0“: In einer Denkschrift über kooperative Wirtschaftsformen in Kommunen hat er es so formuliert: „Das Teilen von Ressourcen, Produkten oder Räumen, die Förderung von Kooperation, Eigeninitiative und Selbsthilfe sowie die Bindung von Warenverkehr und Dienstleistungen an die Region helfen, nachhaltige Wirtschafts- und Lebensformen aufzubauen. Das wird positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Stabilität haben. Die Stärkung der Nahversorgung, verlängerte Nutzungsdauer von Produkten, verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien, platzsparende Wohnformen und vieles mehr begünstigt den achtsamen Umgang mit Ressourcen“.


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