08.07.2015, 07:18 Uhr

Güterbahnhof: Planer brauchen Zeit Stadt Osnabrück lässt Zion GmbH noch ein Jahr schmoren


Osnabrück. Das Planverfahren für den Güterbahnhof zieht sich in die Länge. Am Donnerstag wird der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt die Veränderungssperre für das 22 Hektar große Gelände wohl um ein weiteres Jahr verlängern. Immerhin legen die bisherigen Planungen nahe, dass Engpässe bei der Verkehrsanbindung des zukünftigen Gewerbegebiets zu erwarten sind.

Im Mai 2013 gingen erste Entwürfe für den Bebauungsplan Nr. 370 in die Bürgerbeteiligung. Damals war das Klima zwischen der Stadt und den neuen Eigentümern des Güterbahnhofs noch entspannt, beide Seiten waren an einer raschen Klärung der offenen Fragen interessiert. Doch das änderte sich kurze Zeit später. Inzwischen läuft die Kommunikation fast nur noch über die Anwälte, vor dem Landgericht wird über Eigentumsrechte prozessiert. Und das Bebauungsplanverfahren steht noch lange nicht vor dem Abschluss.

Zion GmbH wittert Willkür

Städtische Willkür wittert Ralf Gervelmeyer, der Geschäftsführer der Zion GmbH, wenn er seinem Ärger über die Verzögerungen Luft macht. Er ist fest davon überzeugt, dass ihm die Stadt Steine in den Weg legen will und die Arbeiten am Bebauungsplan absichtlich verschleppt, um ihm wirtschaftlich zu schaden. Vor knapp drei Jahren hat er die Güterbahnhofsflächen gekauft, wegen der damals schon bestehenden Veränderungssperre darf er den größten Teil davon aber nicht nutzen.

Stadtbaurat Frank Otte dreht den Spieß um: Die Verzögerungen gingen allein auf die Zion GmbH zurück. Sie blockiere systematisch den Planungsprozess, statt konstruktiv daran mitzuwirken. Die Stadt werde das Bebauungsplanverfahren nun in eigener Regie weiterverfolgen. Zunächst war geplant, mit der Eigentümergesellschaft zu kooperieren, etwa bei der Vergabe von Gutachten.

Gelände schwer erreichbar

Aussagen von Verkehrsgutachtern liegen inzwischen vor. Demnach wird die Erreichbarkeit des Gewerbeareals ein Problem bleiben, solange die Frankenstraße nicht auf die andere Seite des Bahndamms verlegt wird. Für einen solchen Durchstich und den damit verbunden Straßenbau kalkulieren die Planer jedoch 2,4 Millionen Euro. Weil der Stadt dafür das Geld fehlt, muss sich der Verkehr bis auf Weiteres durch zwei Nadelöhre zwängen – durch die engen Bahnunterführungen am August-Bebel-Platz oder über die Hamburger Straße, die wegen der maroden Brücke nur noch einspurig befahrbar ist.

600 bis 800 Autos pro Stunde werden das Güterbahnhofsgelände einmal ansteuern, wenn es gewerblich genutzt wird, prophezeien die Verkehrsplaner. Aber ohne den Durchstich zur Frankenstraße ließen sich nur 600 Fahrzeuge verkraften. Ein großer Kreisverkehr vor dem Ringlokschuppen ist da schon mitgerechnet.

Weniger Publikum

Aus diesem Grund empfiehlt der Fachbereich Städtebau, „Rahmenbedingungen zu setzen, aus denen eine gemäßigte Verkehrserzeugung hervorgeht“. Mit anderen Worten: Nutzungen, die ein großes Publikum anziehen, sollten bei der Planung vermieden werden. Das könnte auch ein Signal in Richtung „Lebensquelle“ sein. Die evangelische Freikirche will auf dem Güterbahnhof ein christliches Kulturzentrum für 1100 Gottesdienstbesucher bauen. Von der Stadt wird jedoch eine maximale Größe von 800 Plätzen für vertretbar gehalten.

Weiterlesen: Interview mit Stadtbaurat Frank Otte: „Warum geht das nicht schneller, Herr Stadtbaurat?“


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