28.04.2015, 06:15 Uhr

Ausstellung „Prewar“ Oldtimer: Als die Autos auch in Osnabrück laufen lernten


Osnabrück. „Es ist wie ein Droge“, erklärt Harry Schley die Wirkung des Oldtimer-Virus. Der Osnabrücker kommt eigentlich aus der VW-Szene. Nun hat er ein weiteres automobiles Thema entdeckt: Vorkriegs-Oldtimer. Am 1. Mai um 11 Uhr öffnet die von ihm organsierte Ausstellung „Prewar – Motorisierung der Vorkriegszeit“ im Magazingebäude des Osnabrücker Museums für Industriekultur ihre Tore. Zeitgleich findet auf dem Gelände am Süberweg ein Oldtimertreffen statt.

Immer mal wieder beschäftigt sich das Museum mit dem Thema Motorisierung. Vor rund drei Jahren nahm eine Ausstellung die Nachkriegszeit in den Blick. „So etwas wäre doch auch für die Vorkriegszeit denkbar“, fand Schley und besprach die Idee mit Museumsgeschäftsführer Rolf Spilker. Der fand den Gedanken auch nicht übel.

Schley treibt aber noch ein zweites Motiv an: Weil das fast schon traditionelle Oldtimer-Treffen im nahen, nordrhein-westfälischen Velpe an diesem 1. Mai erstmals nicht stattfinden wird, könne man doch im Rahmen der Ausstellung eine „Ersatzveranstaltung“ anbieten. Der Vorteil: Viele Besucher brächten zudem ihre Autos als weitere interessante Exponate mit.

Neun Autos und 13 Motorräder

Wie viele Oldtimerfans zum Treffen kommen werden, ist noch offen, was man drinnen bestaunen kann, steht dagegen schon fest. Der in der Szene gut vernetzte Schley hat private Sammler, aber auch Firmen überzeugt, neun Autos und 13 Motorräder für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen.

Im Magazin am Süberweg ist ein Querschnitt der Motorisierungsgeschichte zu sehen: Das automobile Spektrum reicht von einem Citroen 5 CV Torpedo von 1924 und einem perfekt restaurierten Ford T Runabout, die echten Schnaufferl-Charme versprühen, über die deutlich modernere und Mitte der 30er Jahre bei Karmann gefertigte Hanomag Garant Rolldach-Limousine und ein Adler Trumpf Cabrio bis hin zu einem Hanomag „Autobahn“ von 1939, der genauso gut eine frühe Nachkriegskonstruktion sein könnte.

„Autobahn“ als Synonym für „modern“

Schließlich ist der Zusatz „Autobahn“ bei Hanomag in dieser Zeit ähnlich wie bei anderen Herstellern schon fast ein Synonym für „modern“ und „schnittig“. Die weit geschwungenen Kotflügel sind ebenso verschwunden wie die freistehenden Scheinwerfer, die Vollblech-Karosserie ist selbsttragend. Immerhin 32 PS treiben den Hanomag auf bis zu 115 Kilometer pro Stunde, womit er tatsächlich tauglich für die wenigen Autobahnen war.

Auch die Motorräder von Wanderer, Miele, Schüttorf, FN und Co. dokumentieren beispielhaft die rasende Zweiradentwicklung zwischen den beiden Weltkriegen: Vom nur umständlich zu bedienenden Zweirad aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis hin zu den mit dem zuverlässigen 98 ccm-Sachsmotoren ausgestatteten Arbeitsbienen von Miele oder Torpedo, die ihre Fahrer in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg auf immerhin 60 Kilometer pro Stunde beschleunigten.

1904 wurde in Osnabrück der erste Autounfall aktenkundig

60 Kilometer pro Stunde? Für Unfälle reichte es allemal. Den ersten in Osnabrück aktenkundigen Unfall mit einem Automobil datiert Museumsleiter Spilker auf das Jahr 1904. In der Nähe der Martinistraße erfasste vor gut 110 Jahren ein Auto ausgerechnet einen Radfahrer …

Die Ausstellung „Prewar - Motorisierung der Vorkriegszeit“ im Magazingebäude des Osnabrücker Museums für Industriekultur am Süberweg wird am 1. Mai um 11 Uhr eröffnet. Zeitgleich findet auf dem Gelände ein Oldtimertreffen statt. Danach ist die Ausstellung bis zum 19. Juli 2015 jeweils samstags und sonntags sowie am Pfingstmontag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.


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