16.04.2015, 06:32 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Multikopter in Osnabrücker Region Polizei: Bislang kaum Probleme mit Spielzeugdrohnen

Ferngesteuerte Drohnen sind als Spiel- und Spaßflieger auch in der Osnabrücker Region immer häufiger zu sehen. Erst zweimal hat sich die Polizei mit Vorfällen um die Flugkörper beschäftigen müssen. Symbolfoto: dpaFerngesteuerte Drohnen sind als Spiel- und Spaßflieger auch in der Osnabrücker Region immer häufiger zu sehen. Erst zweimal hat sich die Polizei mit Vorfällen um die Flugkörper beschäftigen müssen. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Ferngesteuerter Freizeitspaß oder lästige und vielleicht sogar gefährliche Bedrohung? Drohnen sind als Spiel- und Spaßflieger auch in der Osnabrücker Region immer häufiger zu sehen, haben bislang aber nur selten ernsthafte Probleme verursacht. Erst zweimal hat sich die Polizeiinspektion Osnabrück mit Vorfällen um die spinnenartigen Flugkörper beschäftigen müssen.

Die sogenannten Multicopter sind ein mittlerweile für fast jedermann erschwinglicher und beherrschbarer Freizeitspaß . Fast – denn erst im vergangenen März hat ein solch unbemanntes Flugmodell, wie das Gerät auch genannt wird, in Quakenbrück das Dach eines Wohnhauses beinahe durchschlagen. Akku und Kamera der Drohne lagen neben herausgebrochenen Dachpfannen auf dem Dachboden, das Drohnengerüst steckte im Dach fest.

Ins Dach eingeschlagen

Zehn Tage zuvor hatte ein Mann aus Quakenbrück den Multicopter als vermisst gemeldet. Während eines Fluges an einer Baggerkuhle bei Menslage war das kleine Luftfahrzeug außerhalb der Reichweite der Funkfernbedienung geraten und hatte sich selbständig gemacht. Die von der Polizei Quakenbrück auf dem Dachboden sichergestellte und völlig demolierte Drohne hatte mit rund 2500 Euro vermutlich einen höheren Wert als der Schaden am Gebäude. Rechtliche Folgen hatte das Ganze für den Hobbypiloten – der Mitglied eines Modellflugvereins ist – nicht, sagt der Osnabrücker Polizeisprecher Georg Linke.

Löscharbeiten gefilmt

Nur ein einziger weiterer Vorfall in Zusammenhang mit derartigen Fluggeräten ist bei den Ermittlungsbehörden aktenkundig. Beim Großbrand im Kompostierwerk in Schwegermoor (Gemeinde Bohmte) hatte ein Hobbyfilmer im Juli vergangenen Jahres mit seiner Drohne einen Film mit spektakulären Motiven von den Löscharbeiten gedreht . Über derartigen Unglücksorten ist das Filmen mit an Drohnen befestigten Kameras nur mit Genehmigung zulässig. „Ich war kein Schaulustiger, sondern hatte für meinen Aufenthalt und für die Aufnahmen die ausdrückliche Erlaubnis vom Einsatzleiter der Feuerwehr vor Ort“, betonte der Mann, der seinen Namen nicht nennen mochte, auf Nachfrage unserer Redaktion. „Ohne die Erlaubnis hätte ich mich weder an dem Ort aufgehalten, noch gefilmt.“ Das gut achtminütige Werk mit Luftaufnahmen ist im Videoportal Youtube im Internet rund 65000-mal aufgerufen worden. Mindestens einmal wohl auch von der Osnabrücker Polizeiinspektion. Die hat gegen den Hobbyfilmer nach Angaben von Pressesprecher Georg Linke nämlich ermittelt wegen der angeblich illegalen Aufnahmen und ein Bußgeldverfahren bei der dafür zuständigen niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Oldenburg eingeleitet, wo sich eine Spezialabteilung um „Luftfahrt, Luft- und Hafensicherheit“ kümmert.

Nicht nur Ärger

Multikopter verursachen aber nicht nur Ärger und Bußgelder, vor allem Polizei, Immobilienmaklern oder der Feuerwehr können sie durch spektakuläre Luftbilder die Arbeit erleichtern. Aber auch der Internethandel setzt große Hoffnung in die unbemannten Flugsysteme: Mit ihrer Hilfe sollen Pakete und Produkte auf dem Luftweg die Kundschaft erreichen. Auch andere Entwicklungen werden bereits getestet: So sollen Drohnen in am Steilhang gelegenen Weinanbaugebieten die Pflanzen bestäuben. Frankfurter Krankenhäuser wollen sie für den schnellen Transport von Blutkonserven nutzen. Die Deutsche Post experimentiert mit dem sogenannten DHL-Paketkopter, der Medikamente von der niedersächsischen Hafenstadt Norden zu einer Apotheke auf der Nordsee-Insel Juist transportiert. Aber auch Privatanwender legen sich ferngesteuerte Flugkörper zu: Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg waren sogenannte Spaßflieger ein Publikumsmagnet: Der Rumpf der kleinsten Drohne war so groß wie ein Daumennagel.

Schon 329 Erlaubnisse

Am häufigsten werden die Drohnen hierzulande aber bisher von Fotografen eingesetzt : Sie sind es, die bei der zuständigen Behörde in Niedersachsen die meisten Aufstiegserlaubnisse für die unbemannten Luftfahrzeuge beantragen. Nach Auskunft der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr ist die Zahl der erteilten Erlaubnisse in den letzten Jahren drastisch gestiegen: So wurden im Jahr 2010 acht Allgemeinerlaubnisse erteilt, 2013 waren es bereits 157 und im vergangenen Jahr schon 329.

Wer für böse Überraschungen vorsorgen will, sollte seinen Multi- oder Mikrokopter in jedem Fall haftpflichtversichern. Vorgeschrieben ist das ohnehin – sowohl für eine private wie für eine gewerbliche Nutzung, betont der Deutsche Modellflieger Verband (DMFV) mit Sitz in Bonn. Dessen für Versicherungs- und Rechtsfragen zuständiges Vorstandsmitglied unterscheidet dabei zwischen privater und kommerzieller Nutzung dieser Flugmodelle und dem Gewicht der Mikrokopter. 200 bis 400 Euro kostet eine Haftpflichtversicherung pro Jahr bei einer gewerblichen Nutzung, wenn also beispielsweise ein Dachdecker oder ein Architekt eine derartige Drohne einsetzt. Dann handele es sich rein rechtlich nämlich nicht mehr um ein Flugmodell, sondern um ein unbemanntes Luftfahrtsystem. Das zum eigenen Vergnügen rein privat genutzte Flugmodell kann man für gut 40 Euro im Jahr haftpflichtversichern. Wiegt es aber mehr als ein Kilogramm, steigt auch die Versicherungsgebühr.

Im Luftverkehrsgesetz geregelt

Die Nutzung von Fluggeräten ist im Luftverkehrsgesetz (LuftVG) und in der Luftverkehrsordnung (LuftVO) geregelt. Danach handelt es sich bei Drohnen um unbemannte Luftfahrtsysteme, sofern sie „nicht ausschließlich zur Sport- oder Freizeitgestaltung betrieben werden, sondern zu einem gewerblichen Zwecke genutzt werden“. Bei reiner Freizeitnutzung gelten sie dagegen als Flugmodelle, deren Nutzung weniger streng reglementiert ist: Genehmigungspflichtig sind Drohnenflüge im rein privaten Einsatz nur für den Fall, dass das Gerät über fünf Kilo wiegt. Vorausgesetzt, man verwendet die Drohne für „Sport und Freizeitgestaltung“. Grundsätzlich gibt es für den rein privaten Bereich keine gesetzlichen Anforderungen an den Führer einer Drohne. Eine spezielle Schulung ist nicht zwingend erforderlich. Theoretisch dürfen also auch Kinder und Jugendliche sie führen. Experten raten aber dringend, immer für Aufsicht zu sorgen. Wer eine Drohne steuert, muss sie während des Fluges im Blick behalten können. Hinsichtlich der Flughöhe sehen einige Bundesländer ein Maximum von 30 bis 100 Metern vor. Über Menschen und Menschenansammlungen, Unglücksorten, Einsätzen der Polizei, Gefängnissen, Kasernen, Kraftwerken und in die Nähe von Flughäfen ist es verboten, Drohnen zu fliegen.

Ein Grundstückseigentümer hat grundsätzlich einen Anspruch darauf, die Unterlassung von Beeinträchtigungen seines Grundstücks zu fordern. Dies gilt nach Ansicht von Juristen wohl auch für den Luftraum darüber. Allerdings hat er „luftverkehrsrechtlich ordnungsgemäße Überflüge“ zu dulden. Dies dürfte jedoch nicht für den auf geringer Höhe erfolgenden geräuschvollen Einflug von privaten Drohnen auf das Grundstück gelten. Insbesondere in den Fällen, in denen die Drohne zudem noch eine Kamera an Bord hat, dürfte davon auszugehen sein, dass darin eine Beeinträchtigung des Eigentums und der Privatsphäre zu sehen ist, die der Grundbesitzer verbieten kann. Spezielle Urteile zu dieser Problematik bestehen jedoch derzeit wohl noch nicht. In jedem Fall sollte bei Drohnenflügen Rücksicht auf die Belange der Anwohner und Nachbarn genommen werden.

Bei öffentlichen Versammlungen, Konzerten oder anderen Veranstaltungen werden in der Rechtsprechung eine Ausnahme von der Einwilligungspflicht der abgebildeten Personen gemacht, solange die Veranstaltung und nicht einzelne Personen das Hauptmotiv der Bilder sind.


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