10.04.2015, 17:00 Uhr

Musikalische Begeisterung pur Inklusive Band Station 17 begeistert in der Lagerhalle

Schon seit 27 Jahren dabei: Konzert der inklusiven Band „Station 17“ in der Lagerhalle Osnabrück. Foto: Hermann PentermannSchon seit 27 Jahren dabei: Konzert der inklusiven Band „Station 17“ in der Lagerhalle Osnabrück. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Seit 27 Jahren existiert in wechselnder Formation die Band Station 17, in der Menschen mit und ohne Behinderung zusammen musizieren. In einer Zeit, in der Inklusion ganz groß geschrieben wird, müssen die Hamburger wie Pioniere des besonderen, gemeinsamen Erlebens erscheinen. In der Lagerhalle präsentierte die Band jetzt ihr aktuelles Album „Alles für alle“.

Der Mann mit der roten Jacke und dem Basecap wirft enthusiastisch die Arme in die Höhe. Er signalisiert: Der Song ist jetzt zu Ende. Es war ein treibendes Instrumentalstück, zu dem er seinen Körper heftig von hinten nach vorn und zur Seite geworfen hat. Das ist Begeisterung pur, die er zusammen mit seinen acht Kollegen von der Station 17 erlebt. Und die sich unmittelbar auf die Zuschauer überträgt.

Der Sound ist speziell: Durch den eingängigen, überwiegend discoiden Rhythmus, auf dem sich die Sänger und Musiker austoben können, bekommen die Songs etwas Hypnotisches. Manches wirkt wie tranciger Elektro, anderes wie psychedelischer Krautrock. Und einige neue Tracks vom Album „Alles für alle“ geraten geradezu poppig.

Zum Beispiel „Es tut uns leid“. Zur flockigen Melodie singt Sebi: „Stell den Entschleuniger auf zehn und lass uns die nächste Ausfahrt nehmen…“ Genauso empfinden jetzt viele Menschen im Publikum, die einfach runterschalten und sich den entspannten Beats hingeben. Schon bald gleicht das Areal vor der Bühne einem Dancefloor, auf dem sich Musiker und Publikum treffen.

Denn es ist Hoss Becker, ein Urgestein der Station, der es sich nicht nehmen lässt, auch vor der Bühne seine lautmalerischen Verse ins Mikrofon zu skandieren. Aber der Mann mit Trisomie 21 (Downsyndrom) kann auch tolle Melodien. Dazu wird seine Stimme durch einen Vocoder geschickt, eine Vokalcomputer, der aus Beckers Stimmbändern ein fast arabisch klingendes Instrument macht.

Das unberechenbar wirkende, aber sehr sympathische Chaos, für das die Band bekannt ist, bricht erst in der zweiten Hälfte aus.

Zunächst spielt sie neuere Lieder wie „Halma“ und „Mosaiksteine“, wohlstrukturierte Popsongs, klar gesungen und gerappt von Sebi und durch eingängige Refrains gekennzeichnet, an denen sich die anderen Bandmitglieder beteiligen. So auch an dem Song „Ohne Regen kein Regenbogen“, den das inklusive Bandprojekt zusammen mit den Hanseatenrappern von Fettes Brot eingespielt hat.

Der zweite Teil des Konzerts wird von den älteren Songs dominiert, bei denen die Improvisation im Vordergrund steht. Die Kooperation zwischen Musikern ohne Behinderung, die mit Gitarre, Schlagzeug und Bass für ein solides Fundament sorgen, und den anderen, die es mit zirpenden Keyboards, fräsendem Saxofon und ausgelassener Perkussion anreichern, funktioniert gut.

Und obwohl der Sommer vor der Tür zu stehen scheint, ruft Hoss nach dem Song „Wir wollen zusammen sein“, dem gemeinsam gesungenen Credo der Band, plötzlich „Fröhliche Weihnachten“ ins Mikrofon und will mit einem zünftigen „Jingle Bells“ auf den Lippen die Bühne verlassen. Humor der besonderen Art.


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