24.02.2015, 14:37 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Weltweit einmalig Neubau am Klinikum Osnabrück für Haut-Zentrum


Osnabrück. Der Krankenhaus-Komplex am Finkenhügel in Osnabrück wird um eine Haut-Klinik erweitert. Mitte 2016 soll die weltweit renommierte Dermatologie der Uni Osnabrück in einen Neubau einziehen.

Das Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) der Universität nutzt zurzeit einen Teil der früheren Klinik am Natruper Holz, das seit Dezember als Flüchtlingshaus dient. Die Dermatologie wird nach Absprache mit dem niedersächsischen Innenministerium bis Mitte 2016 bleiben und dann in einen Neubau umziehen, den die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) auf dem Gelände des städtischen Klinikums am Finkenhügel bauen lassen will. Vorgesehen ist dafür eine Grünfläche zwischen dem Dialysezentrum und dem neuen Zentrum für Neuromedizin und Geriatrie (ZNG).

„Wir sind sehr froh, dass das Institut Osnabrück erhalten bleibt“, sagte die Vizepräsidentin der Uni Osnabrück, Prof. Dr. May-Britt Kallenrode. Die Dermatologie genieße in Deutschland und europaweit hohes Ansehen , sagte die Professorin während einer Pressekonferenz von Uni, Klinikum und Stadtverwaltung am Dienstag.

Führender Kopf des dermatologischen Instituts ist Prof. Dr. Swen Malte John. Er legte den wissenschaftlichen Grundstein für die Versorgung von Menschen, die unter berufsbedingten Hautkrankheiten und Allergien leiden. Hier finden zum Beispiel Friseure Hilfe, die mit Chemikalien hantieren. Oder Bauarbeiter, die von weißem Hautkrebs betroffen sind, weil sie der Sonne stark ausgesetzt sind. 65 Mitarbeiter versorgen etwa 1400 Patienten pro Jahr. Das Institut ist nach eigenen Angaben das weltweit größte Zentrum dieser Art.

Träger der Einrichtung ist die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), die ein hohes Interesse daran hat, berufsbedingte Krankheiten zu vermeiden. „Eine Umschulung kostet im Schnitt 130000 Euro“, erklärte Swen Malte John. Das international wegeweisende „Osnabrücker Modell“ wird nach seinen Angaben auf europäischer Ebene weiterentwickelt. Aktuell seien an einem Forschungsvorhaben der EU-Kommission unter Osnabrücker Leitung 28 Nationen beteiligt. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO greift gern auf das Wissen in Osnabrück zurück: Professor John beriet die WHO in Genf in der Frage, wie sich Helfer in den Ebola-Regionen Westafrikas effektiv vor Ansteckung schützen können.

Den Neubau am Klinikum finanziert die Gesetzliche Unfallversicherung, die stätischen Kliniken stellen das Grundstück in Erbpacht zur Verfügung. „Für die Stadt ist der Erhalt der Dermatologie enorm wichtig, nicht nur für die Reputation, sondern auch wegen der 65 wissenschaftlichen Arbeitsplätze“, sagte der städtische Finanzchef Thomas Fillep. Ähnlich äußerten sich Michael Hagedorn, Vorsitzender des Aufsichtsrates, und Klinikum-Geschäftsführer Frans Blok. Die Baupläne seien in den vergangenen Wochen „sehr beschleunigt“ worden, um das Institut in Osnabrück halten zu können, so Blok.

Die Investitionssumme liege „in einer Größenordnung von zehn Millionen Euro“, sagte Uni-Vizepräsidentin Kallenrode. Das Gebäude wird auf drei Ebenen etwa 2500 Quadratmeter Nutzfläche haben. 30 Patientenzimmer sind vorgesehen. Das Gelände wird bis Ende des Monats gerodet, auch 30 Bäume müssen gefällt werden. Dafür werde ein Ausgleich am Zentrum für Neuromedizin und Geriatrie (ZNG) und auf dem neuen Parkplatz 5 geschaffen, sagte Stadtbaurat Frank Otte. Der Masterplan für das Klinikums weist das Areal als Erweiterungsfläche aus. „Wir können ruhigen Gewissens die Baumaßnahme dort umsetzen“, versicherte Otte.


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