22.01.2015, 14:47 Uhr

Opfer von United Tribuns Rocker in Osnabrück verprügelt – Was steckt dahinter?

Vor dem Marienhospital versammelten sich am Sonntag rund 70 Mitglieder der United Tribuns aus Osnabrück und andernorts. Die Polizei geleitete sie anschließend in Richtung Eversburg. Foto: Archiv/HehmannVor dem Marienhospital versammelten sich am Sonntag rund 70 Mitglieder der United Tribuns aus Osnabrück und andernorts. Die Polizei geleitete sie anschließend in Richtung Eversburg. Foto: Archiv/Hehmann

Osnabrück. Nachdem zwei Männer am Samstagmorgen an der Pagenstecherstraße in Osnabrück einen 26-jährigen Rocker der United Tribuns verprügelt hatten, soll der Mann der Gruppe zufolge im Koma liegen. „Das können wir so nicht bestätigen“, sagt Georg Linke, Pressesprecher der Polizei Osnabrück. Dementieren wolle er es aber auch nicht.

Hintergrund ist eine Schlägerei zwischen dem Mitglied der United Tribuns Mustafa G. und zwei Männern. Der Rocker wurde schwer verletzt ins Marienhospital gebracht, wo sich am Sonntag rund 70 Mitglieder der Tribuns aus Osnabrück und andernorts unter Beobachtung der Polizei versammelten.

Die Polizei ermittelt gegen die Tatverdächtigen wegen gefährlicher Körperverletzung. Sie befinden sich auf freiem Fuß.

Die United Tribuns schreiben auf ihrer Facebookseite, ihr „Bruder“ sei von einer Großfamilie „brutal ins Koma geprügelt“ worden. Georg Linke will oder kann das unserer Redaktion weder bestätigen noch dementieren. Er sagt ferner, die beiden Tatverdächtigen hätten unterschiedliche Nachnamen. Eine Anfrage unserer Redaktion bei den United Tribuns zu den Hintergründen des Vorfalls blieb bis zum Abend unbeantwortet.

Schwierige Ermittlungen

Die Polizei tappt den Worten ihres Sprechers zufolge im Dunklen. „Der Hintergrund des Streits ist uns noch nicht bekannt“, versichert Linke. Die laufenden Ermittlungen gestalteten sich aber schwierig, weil die Tatverdächtigen schwiegen. Daher bleibt vorerst unklar, ob es sich bei der Schlägerei um eine zufällige Konfrontation gehandelt hatte oder ob womöglich mehr dahinter steckt.

Beiden Seiten polizeilich bekannt

Fest steht aber: „Die United Tribuns sind uns als rockerähnliche Gruppe bekannt“, sagt Linke. Sie habe sich im Herbst vergangenen Jahres in Osnabrück gebildet und zähle rund zwei Dutzend Mitglieder. „Viele Mitglieder sind uns polizeilich bekannt“, sagt Linke, darunter wegen Körperverletzungen und Eigentumsdelikten. Gegen einige Mitglieder liefen derzeit Strafverfahren. Auch die beiden Tatverdächtigen waren der Polizei nicht unbekannt, „aber nichts Gravierendes“, wie Linke sagt.

In anderen Städten werden die United Tribuns dem organisierten Verbrechen zugeordnet. Erst Mitte Dezember 2014 nahm die Polizei in Lörrach zwei Mitglieder der Tribuns fest, denen die Staatsanwaltschaft unter anderem Schutzgelderpressung vorwirft. Auch in Bad Oyenhausen gab es bereits einen Großeinsatz und Ermittlungen gegen die United Tribuns. Ob und inwiefern die United Tribuns als kriminelle Organisation auch schon in Osnabrück in Erscheinung treten oder getreten sind, darüber gibt Linke keine Auskunft.

Michael Ahlsdorf, Redakteur der Fachzeitschrift „Biker News“ sagt, die United Tribuns strukturierten sich vermehrt als MC-Chapters, also als Motorradklubs, und das führe eben manchmal zu Spannungen mit anderen Gruppierungen. Dennoch würde er den Vorfall am Samstag in Osnabrück nicht überbewerten – Konflikte gebe es schließlich in allen Milieus.

UT 2004 gegründet

Die United Tribuns gründeten sich 2004 in Baden-Württemberg als Bruderschaft und zählen dem bayerischen Verfassungsschutz zufolge weltweit etwa 1700 Mitglieder. Im April 2014 bildete sich in Passau der „Biker News“ zufolge der erste Motorradklub der United Tribuns, weitere folgten, und die verbleibenden wollen folgen.

Sieben OMCG im Land

In Niedersachsen gibt es dem Landeskriminalamt zufolge sieben sogenannte Outlaw Motorcycle Gangs (dt.: gesetzlose Motorradklubs), die es mit organisierter Kriminalität oder anderen schweren Verbrechen in Verbindung bringt, teilt das LKA auf Anfrage unserer Redaktion mit. Hinzu kämen einige Unterstützerklubs. Im Einzelnen handele es sich dabei um die Bandidos, Gremium MC, Hells Angels, Mongols, Outlaws, Satudarah und den No Surrender MC. „Bei den United Tribuns handelt es sich ebenfalls um eine rockerähnliche Gruppierung“, sagt Stephanie Weiß vom niedersächsischen LKA. Solche Gruppierungen würden häufig Gebiete beanspruchen, um sich beispielsweise Türsteherjobs zu sichern. „Konflikte können dort entstehen, wo sich die Gebietsansprüche überlagern und die Gruppierungen wirtschaftlich in Konkurrenz zu einander treten“, sagt Weiß.


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