12.01.2015, 20:04 Uhr

Landgericht: Zion GmbH macht Druck Güterbahnhof: Auch dem Probenraumzentrum droht das Aus


Osnabrück. Nach dem Rauswurf des Kulturvereins Petersburg durch die Zion GmbH droht nun auch dem Probenraumzentrum auf dem Güterbahnhof das Aus. Ein Rechtsstreit um Nebenkostenabrechnungen könnte zwar mit einem Vergleich enden, aber der Prozess droht den Betreiber Carsten Gronwald finanziell in die Knie zu zwingen.

Gronwald ist der Erfinder der „Traumfabrik Petersburg“. Als der Güterbahnhof noch der Deutschen Bahn AG gehörte, mietete der gelernte Speditionskaufmann das leer stehende Verwaltungsgebäude von deren Immobilientochter Aurelis an. Er reparierte eingeschlagene Fensterscheiben, installierte ein Notstromaggregat und stellte die Ordnung wieder her. Die Büros vermietet er seitdem zu bezahlbaren Preisen als Proberäume an Musiker und als Ateliers an Künstler.

Seit die Zion GmbH über den Güterbahnhof verfügt, gibt es immer wieder Stress für Gronwald. 2014 verklagte ihn die Eigentümergesellschaft wegen einer angeblich fehlenden Haftpflichtversicherung, anschließend nahm sie einen Streit über die Nutzung einer Garage zum Anlass für eine Kündigung, und schließlich präsentierte sie ihm eine Rechnung über Nebenkosten, die Gronwald als unannehmbar empfindet.

Durch einen Formfehler – sein Anwalt hatte offenbar zu spät um die Verschiebung einer Hauptverhandlung gebeten – trat ein Versäumnisurteil in Kraft, das für den 34-jährigen Kulturmanager schwerwiegende Folgen hat. Die Zion GmbH pfändet seitdem sein Betriebskonto. Damit sind seine geschäftlichen Aktivitäten nahezu lahmgelegt.

Im Rechtsstreit geht es um rund 18000 Euro Nebenkosten für 2011 und 2012 – um einen Zeitraum, in dem die Schreyer & Schilling GmbH das Sagen auf dem Güterbahnhof hatte, die Rechtsvorgängerin der Zion GmbH. Gronwalds Anwalt Hans Siepelmeyer bezweifelt, dass es bei der Berechnung dieser Nebenabgaben für Grundsteuer, Verwaltung und Winterdienst mit rechten Dingen zugegangen ist.

In der Verhandlung vor dem Landgericht drängte die Richterin am Montag auf einen Vergleich. Demnach soll der beklagte Carsten Gronwald 8410,24 Euro an die klagende Zion GmbH zahlen, dazu kommen 45 Prozent der Prozesskosten, nach oberschlägiger Berechnung rund 5200 Euro. Die beiden Kontrahenten können den Vergleichsvorschlag innerhalb von zwei Wochen widerrufen.

Gronwald reagierte nervös, als er im Gerichtssaal mit diesen Summen konfrontiert wurde. Wenn er nicht bald aus der gerichtlich verfügten Klemme herauskomme, werde es für ihn sehr eng, teilte er nach der Verhandlung mit.

Erst vor einem Monat hatte dieselbe Kammer des Landgerichts entschieden, dass der Kulturverein Petersburg die Kosten eines Rechtsstreits tragen muss , den die Zion GmbH gegen ihn angestrengt hatte – nach ersten Schätzungen etwa 5000 Euro. Die 60 Mitglieder des Vereins betrachten das Urteil als eine harte Prüfung.


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