13.12.2014, 15:17 Uhr

Hilfe für Flüchtlinge Osnabrücker Studenten schicken Kleidung in den Irak


Osnabrück. Es ist Winter, und Hunderttausende Flüchtlinge, die im Irak vor islamistischen Kämpfern geflohen sind, leben in Zelten. Osnabrücker Studenten wollen helfen und sammelten warme Kleidung. Verpackt in 150 Kartons ist sie nun auf dem Weg ins Krisengebiet.

„Der Winter ist angebrochen, und den Menschen mangelt es an allem. Sie leben in Zelten in riesigen Flüchtlingscamps“, sagt Esmer Yenirce. Sie hat die Spendenaktion angeleiert. Die 25-Jährige weiß: Den Menschen im Irak geht es immer noch sehr schlecht, auch wenn dies den Medien in Deutschland kaum mehr eine Nachricht wert sei. Es mangele vor allem an Kleidung, Nahrung und medizinischer Versorgung. Von Osnabrück aus wollen Yenirce und ihre Freunde, die kurdische und jesidische Wurzeln haben, helfen. „Solidarität zu zeigen ist das Mindeste.“

Professorin spendet

Esmer Yenirce studiert an der Universität Osnabrück. Sie kommt gebürtig aus der Türkei und hat auch in Oldenburg gewohnt. Dort hat der Zentralrat der Jesiden in Deutschland seinen Sitz. Kein Zufall – die meisten Jesiden leben in Niedersachsen. Zum Zentralrat gehört der Verein „Jesidisches Forum“. Der hatte im Oktober zu Kleiderspenden für Flüchtlinge aufgerufen, die im Irak vor der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) fliehen. Über Facebook wurde Esmer Yenirce auf die Aktion aufmerksam.

Sechs Helfer bildeten den harten Kern des Osnabrücker Beitrags. Yernice fuhr zweimal nach Oldenburg, um sich genau über die Voraussetzungen für eine Hilfsaktion zu informieren und die Übergabe der Kleider zu planen. Flugblätter mit dem Spendenaufruf bezahlte das Uni-Referat für ausländische Studierende. Esmer Yenirce selbst ist Mitglied in der Hochschulgruppe Textiles Gestalten. Deren Mitglieder und auch Jusos packten mit an.

Viermal standen sie an einem Infostand in der Mensa. Rund 80 Tüten mit Kleidung, so schätzt die Initiatorin, wurden dort abgegeben. „Auch meine Professorin hat gespendet.“

Jedes Leben zählt

Der Fachschaftsraum der Textilwissenschaften wurde kurzfristig zum Kleiderlager mit Annahmestelle umfunktioniert. Die Helfer sortierten drei Wochen lang Jacken, Hosen und Schuhe, bis zum Schluss 150 Pakete gepackt waren – geordnet nach Kleidung für Männer, Frauen, Babys und Kinder. Mit einem Miet-Lkw brachten die Helfer die Ladung Ende November nach Oldenburg. Die Kosten für diesen Transport und das Verpackungsmaterial in Höhe von 250 Euro trägt die Hochschulgruppe Textiles Gestalten.

Der erste Konvoi hat sein Ziel bereits erreicht: die nordirakische Stadt Zaxo in der autonomen Region Kurdistan, nahe der Grenze zur Türkei. Mitte Dezember starten die nächsten Lastwagen. Sie werden dann auch die 150 Pakete aus Osnabrück mitnehmen. „Was wir gespendet haben, ist ein minimaler Anteil“, stellt Esmer Yenirce fest. Aber wenn man davon ausgehe, dass pro Karton nur ein Flüchtling mehr über den Winter komme, sei das gut. „Es zählt jedes Menschenleben.“


Jesiden sind eine kurdische, religiöse Minderheit. Ins Zentrum der medialen Öffentlichkeit rückte diese Gruppe im Herbst 2014, als islamische Terroristen der Organisation Islamischer Staat (IS) sie im Irak verfolgte. Die Vereinten Nationen sprechen von 200.000 Menschen , die von IS vertrieben wurden, die meisten sind Jesiden.

Anhänger dieser Gemeinschaft glauben an einen allmächtigen Gott und an Seelenwanderung, also ein Leben nach dem Tod. Überlieferungen nach gibt es die Religion seit über 4000 Jahren. Nur wer jesidische Eltern hat, kann selbst Mitglied der Gemeinschaft sein.

Wie viele Jesiden es genau gibt, ist unklar. In einem Artikel der britischen Zeitung „The Guardian“ heißt es, es gebe etwa 700.000 Jesiden. Der Zentralrat der Jesiden in Deutschland spricht von etwa 800.000 Menschen. Die meisten leben im Nordirak, es gibt aber auch Gemeinschaften in Syrien, im Iran und der Türkei.

In Deutschland leben die meisten Jesiden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

0 Kommentare