08.12.2014, 15:54 Uhr

Auch Patientinnen heimlich gefilmt Osnabrücker Arzt wegen Kinderpornografie angeklagt

Wegen Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie soll sich ein Osnabrücker Arzt vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Anklage erhoben. Symbolfoto: Colourbox.deWegen Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie soll sich ein Osnabrücker Arzt vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Anklage erhoben. Symbolfoto: Colourbox.de

Osnabrück. Wegen Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie soll sich ein Osnabrücker Arzt demnächst vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Anklage gegen ihn erhoben. Es ist derselbe Mann, der in seiner Praxis 300 halbnackte Patientinnen heimlich gefilmt haben soll. Auch deswegen könnte dem Allgemeinmediziner eine Verurteilung drohen – obwohl die meisten dieser Fälle verjährt scheinen.

Von Sebastian Stricker und Jörg Sanders

Nach Informationen unserer Redaktion wird dem Arzt vorgeworfen, zwischen September und November 2013 kinderpornografisches Material besessen und dutzendfach verbreitet zu haben. Dabei soll es sich um Schriften handeln, überwiegend jedoch um digitale Fotos und Videos, die von dem Osnabrücker in einer Online-Tauschbörse zur Verfügung gestellt wurden. Die Staatsanwaltschaft Hannover geht in ihrer Anklage von insgesamt 13 Fällen aus.

Wie Sprecherin Kathrin Söfker erläuterte, würden die zur Last gelegten Taten unterschiedlich hart bestraft. Während der Besitz von Kinderpornografie auch mit einer Geldstrafe geahndet werden könne, drohten dem Angeklagten für die Verbreitung bei nachgewiesener Schuld bis zu fünf Jahre Haft. Ob und wann es zur Hauptverhandlung kommt, steht allerdings noch nicht fest. Das zuständige Amtsgericht Osnabrück habe über die Zulassung der Anklage noch nicht entschieden, teilte Sprecher Ansgar Buß am Montag mit. Zunächst müsse dem Beschuldigten fristgemäß Gelegenheit zur Einlassung gegeben werden.

500 Clips von 300 Frauen

Eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr sieht das Gesetz für das heimliche Filmen vor, wie es dem Arzt außerdem von der Staatsanwaltschaft Osnabrück vorgeworfen wird. Fast 300 Frauen soll der Allgemeinmediziner mit einer Stiftkamera im Kittel ausgespäht haben, als diese zur Untersuchung mit entblößtem Oberkörper in seiner früheren Praxis im Stadtteil Sonnenhügel saßen. Auf diese Weise habe er rund 500 Clips angefertigt und auf seinem Computer gespeichert. Entdeckt wurden sie übrigens erst bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover.

Der Osnabrücker Arzt muss sich aber wohl nur für einen kleinen Teil der 300 Einzeldelikte vor Gericht verantworten. Etwa 80 Prozent der Fälle sind wahrscheinlich verjährt, weil die Taten mindestens drei Jahre zurückliegen. Das bestätigte die Osnabrücker Staatsanwaltschaft auf Nachfrage unserer Redaktion. „Wir verschicken gerade Bescheide an die Frauen, in denen die Einstellung des Verfahrens mitgeteilt wird“, sagte Sprecher Alexander Retemeyer am Montag. Es blieben aber genügend Fälle, die für eine Anklage reichen würden, ergänzte der Oberstaatsanwalt.

Schmerzensgeld erstritten

Unabhängig von der strafrechtlichen Verfolgung des Arztes haben viele heimlich gefilmte Patientinnen bereits ein Schmerzensgeld erstritten. Rund 90 Frauen hätten jeweils 1000 Euro erhalten, sagte ihr Rechtsanwalt Ernst Buermeyer aus Osnabrück, zugleich Ehemann eines der Opfer. Die Schmerzensgeld-Summe könnte sogar noch steigen, wenn sich herausstellt, dass der Arzt die Aufnahmen teilte. Laut Staatsanwaltschaft gibt es dafür aber keine Anhaltspunkte. Sprecher Retemeyer: „Die Weitergabe im Internet hat sich bislang nicht bestätigt.“


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