07.07.2014, 14:31 Uhr

Elektrotechniker Hannes Jahn Ein netter Kerl mit Ecken und Kanten


Osnabrück. Auch wenn sich im Moment fast alles um Fußball dreht, für Hannes Jahn ist das kein großes Thema. Seine Fußballhelden sind ziemlich steif, stehen immer auf derselben Position herum und drehen schon mal durch, wenn man sie zu hart anfasst. Hannes Jahn liebt das Kickerspielen, doch sonst lässt ihn Fußball eher kalt. „Diese ganzen klischeehaften Männerthemen sind nichts für mich“, schmunzelt er, „egal ob Fußball oder Autos.“ Dabei spielen Kraftfahrzeuge in seinem Leben durchaus eine Rolle. Der 29-jährige Elektrotechniker entwickelt an der Hochschule Osnabrück neue elektrische Antriebe für sie.

Es ist gar nicht so leicht, sich mit Hannes Jahn zu verabreden. Der junge Mann ist ziemlich ausgebucht. Zwei bis dreimal in der Woche spielt er Badminton, einmal geht er kickern, einmal zum Doppelkopfspielen, und einen Abend in der Woche hat er „Pärchenabend“. Hannes Jahn wohnt zwar mit seiner Freundin zusammen, doch er ist so viel unterwegs, dass sie sich einen festen Abend füreinander reserviert haben. Ausnahmsweise hat er heute Zeit. Seine Freundin Sabrina will ins Theater gehen, in ein französisches Stück. Und dabei will er sie nicht begleiten? „Nein, das ist gar nichts für mich“, winkt er ab, „in Sprachen bin ich nicht gut.“ Seine Freundin kontert diese Selbsteinschätzung mit einer kleinen Lobeshymne: „Er ist in allem anderen gut“, sagt sie, „er ist sportlich, kreativ, er ist ein guter Streitschlichter, er kann gut diskutieren, er ist perfektionistisch und verspielt.“

Verspielt? „Ja, das bin ich“, bestätigt er, „ich habe sogar ein eigenes Spielzimmer.“ Das entpuppt sich dann eher als Bastelzimmer, in dem Hannes Jahn seinen kreativen Ideen freien Lauf lässt. Zurzeit baut er an einem 3-D-Drucker, also einem Drucker, mit dem man dreidimensionale Teile aus Kunststoff drucken kann. Bauteile für Modellautos, Roboter oder auch Schmuck möchte er herstellen. Für seine elektronischen Spielzeuge schreibt er selbst die Software und entwickelt die Schaltpläne. Er liebt es zu tüfteln, weil er die Funktion hinter den Dingen verstehen will: Warum und wie funktioniert etwas? Das sind die Fragen, die ihn antreiben.

Auch wenn er heute 29 Jahre alt ist, man kann ihn sich gut vorstellen als den Jungen, der im Kinderzimmer alte Fernseher und Mixer auseinandergenommen hat, um ihr Innenleben zu erforschen.

Er ist in Bassum bei Syke aufgewachsen als zweiter Sohn eines Lehrerehepaars. Und ganz offen erzählt er heute, dass er im Leben eher einen schweren Start hatte. „Ich habe spät angefangen zu sprechen und zu laufen“, sagt er, „viele Laute konnte ich gar nicht aussprechen, und anfangs war mein Bruder der Einzige, der mich verstehen konnte.“ Auch später in der Schule hatte er seine Schwierigkeiten. Auswendiglernen war nichts für ihn. Sprachen? Vokabeln lernen? Fehlanzeige.

Er besuchte die Realschule und machte anschließend eine Lehre als Mechatroniker bei Daimler. Bis dahin war er eher ein Einzelgänger, erzählt er heute, ein Junge, der nur wenig Freunde hatte und kaum Kontakte zu Mädchen. Doch während der Ausbildung änderte sich das: „Da war ich gut und bin dafür von den anderen geschätzt worden“, sagt der 29-Jährige, „dadurch bin ich selbstbewusst geworden.“ Als er schließlich die Fachoberschule besuchte, zog er in eine Wohngemeinschaft und verbrachte sogar mal mit fünf Studentinnen einen Urlaub in Italien. „Da habe ich meine Schüchternheit abgelegt“, erzählt er heute lachend.

Beruflich tauchte Hannes Jahn in die Welt der Technik ein, die ihn schon als Kind fasziniert hat. Als Zwölf- oder Dreizehnjähriger baute er Roboter aus Legosteinen, die sich durch selbst programmierte Mikrochips steuern ließen. Während des Studiums entwickelte er Roboter, die in der Landwirtschaft für Feldarbeiten eingesetzt werden können. Und heute forscht er an der Hochschule unter anderem an Schnellladesäulen, die ein Elektroauto statt in sechs bis acht Stunden in nur einer Stunde vollständig aufladen können. Außerdem sollen sie den nicht verbrauchten Strom eines Autos wieder zurücknehmen. Hannes Jahn drückt das für Nichttechniker so aus: „An diesen Ladesäulen kann man ein Auto nicht nur betanken, sondern auch enttanken.“

Das einfache Hinterfragen alltäglicher Dinge ist für ihn der rote Faden seines Lebens. Dabei handelt es sich längst nicht nur um technische Probleme oder elektronische Spielereien. Er möchte auch die Menschen verstehen. „Ich finde es spannend, die Menschen zu begreifen“, sagt er, „zum Beispiel, warum sich Männer und Frauen so oft missverstehen.“

Sein gutes Gespür für Menschen und was sie bewegt, das schätzen auch seine Freunde an ihm. Lena Janßen zum Beispiel, die mit ihm in einer Kickermannschaft spielt, sagt über Hannes: „Er ist ein sehr liebenswerter und einfühlsamer Mensch und bekommt sehr schnell mit, wenn es einem nicht gut geht. Man kann sich immer auf ihn verlassen.“

Dieser Beschreibung setzt Hannes Jahn noch etwas entgegen. Und das ist ihm wichtig: „Ich habe es abgelegt, zu lieb zu sein. Ich bin ein netter Kerl – aber mit Ecken und Kanten.“

Hannes Jahn hat den roten Faden von Pedro Stortini (Foto) gereicht bekommen. Er gibt ihn weiter an den Informatiker und Webentwickler Nevaf Ay.


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