04.10.2014, 08:47 Uhr

Menschenkette am Sonntag Osnabrück: Kulturverein zelebriert Umzug am Güterbahnhof


Osnabrück. Ein bisschen wehmütig war die Stimmung beim Kulturverein Petersburg am „Tag der offenen Burg“ am Freitag schon. Ein letztes Mal wurde dort gefeiert, bevor der Verein „vorübergehend freiwillig“ das „Kulturschutzgebiet Freiraum Petersburg“ auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs räumt, wie die Vorstandsmitglieder Florian Beyer und Julian Essig betonten.

„Wir gehen ja davon aus, dass wir in absehbarer Zeit wieder zurückkehren werden. Deswegen feiern wir auch unter dem Slogan, dass wir gehen, aber trotzdem bleiben“, sagte Julian Essig. „Wir haben ein Konzept ausgearbeitet, in dem wir genau darlegen, wie wir uns eine Nutzung durch unseren Verein vorstellen. Wir werden es demnächst vorlegen und gehen davon aus, dass wir dafür Unterstützung bei der Stadt und potenziellen Förderern finden werden“, fügte Beyer hinzu.

Der Verein habe aus „strategischen Gründen“ darauf verzichtet, einen Prozess um die Räumungsklage der Zion GmbH zu führen. „Wir wollten es nicht riskieren, die Mittel des Vereins für einen solchen Prozess aufzubrauchen, sondern konzentrieren uns lieber darauf, Unterstützung für unser Konzept zu gewinnen“, sagten die Vorstandsmitglieder. So soll auch der Auszug am Sonntag um 16 Uhr als große Protestaktion inszeniert werden. „Wir wollen eine Protestkette, also eine Menschenkette, bilden, um unsere Einrichtungsgegenstände in den Ringlokschuppen zu räumen. Jeder ist zum Mithelfen eingeladen“, sagten die Vereinsmitglieder. Der Verein darf den Teil des Ringlokschuppens nutzen, der von der Diskothek „Five Elements“ belegt war „Das ist uns ganz wichtig. Wir werden uns dort nicht dauerhaft einrichten, sondern nur vorübergehend und lagern unsere Sachen zwischen“, sagten Beyer und Essig.

„Wir gewähren dem Verein sozusagen Asyl“, machte Stadtbaurat Frank Otte deutlich, der zu den Besuchern des Fests gehörte. „Was dort alles möglich ist, muss sich erst zeigen. Wichtig war, dass der Verein eine Lagerfläche hat und Unterschlupf findet“, meinte Otte. Bei dem Fest am Freitag konnten sich die Besucher alle Räume und Anlagen des „Freiraums Petersburg“ ansehen. Es gab Live-Musik und jede Menge buntes Programm, etwa Tanz- und Jonglage-Vorführungen, eine Hörspielecke und Kistenklettern. Bei einer Fotoaktion, bei der die Besucher wie Sträflinge abgelichtet wurden, konnte Solidarität mit dem Freiraum bekundet werden.


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