14.09.2014, 11:36 Uhr zuletzt aktualisiert vor

„Afrikabrunnen“ Osnabrücker Verein mit Kontakt zu salafistischen Kämpfern


Osnabrück. Der Verein „Afrikabrunnen“ in Osnabrück hält Kontakte zu salafistischen Kämpfern, berichtet das niedersächsische Innenministerium. Als salafistische Zentren im Land bezeichnete es Hannover und Braunschweig.

Das geht aus der Antwort des niedersächsischen Innenministeriums auf eine Anfrage der CDU-Fraktion hervor. „Ganz überwiegend sind die in Niedersachsen auftretenden Vereine dem politischen Spektrum des Salafismus zuzuordnen, wobei der Verein Afrikabrunnen e.V. auch Kontakte zu Personen hält, die dem jihadistischen Salafismus zuzurechnen sind“, heißt es in dem Dokument, das unserer Zeitung vorliegt. Der Vorsitzende des Vereins „Afrikabrunnen“ war am Sonntag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

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Zudem würden salafistische Akteure in Syrien auch aus Deutschland materiell unterstützt, etwa durch Spendenaufrufe in Moscheegemeinden oder im Internet. Das Innenministerium räumt allerdings ein: „Es ist kaum möglich zu differenzieren, ob die jeweiligen Spenden als humanitäre Hilfsleistungen der syrischen Zivilbevölkerung zugute kommen oder ob sie der Unterstützung jihadistischer Gruppierungen dienen.“

Eine neue Aktionsform stelle die „Kuchen-gegen-Spende-Aktion“ dar, genannt „Cake Day“. Diesen öffentlichen Kuchenverkauf hätten Salafisten bisher mehrfach in Hannover und einmal in Osnabrück abgehalten. Regelmäßig habe der Verein „Afrikabrunnen“ dabei in Hannover für seine Ziele geworben. Zuvor waren Salafisten bundesweit bereits durch die Aktion „Lies mich!“ aufgefallen, bei der Korane in Innenstädten verteilt wurden.

Zahl der Salafisten steigt

Nach Angaben des Ministeriums steigt die Zahl der Salafisten in Niedersachsen – genau wie bundesweit. Im Jahr 2013 zählte die Behörde in Hannover 330 im Land lebende Anhänger dieser Ideologie, während es im Jahr 2012 noch 300 sowie 275 im Jahr 2011 waren. 15 bis 20 Islamisten seien aus Niedersachsen für Aktionen nach Syrien gereist und meist nach kurzer Zeit zurückgekehrt. Ein kampfbereiter Salafist sei an der Ausreise gehindert worden.

Salafistisch beeinflusste Moscheen gebe es nicht nur in Hannover und Braunschweig, sondern auch in weiteren niedersächsischen Städten, beispielsweise in Oldenburg und Hildesheim. Die Propaganda richte sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene. Bis die vom Land geplante Beratungsstelle geschaffen sei, könnten sich Angehörige von radikalisierten jungen Leuten an die Beratungsstelle in Bremen wenden, erklärte das Ministerium.

CDU kritisiert Pistorius

Die CDU warf Innenminister Boris Pistorius (SPD) vor, noch kein Konzept zum Kampf gegen den Islamismus vorgelegt zu haben. „Weiterhin fehlen qualifizierte Aussteigerprogramme für desillusionierte Syrien- oder Irakrückkehrer“, sagte die CDU-Innenpolitikerin Angelika Jahns. Die traumatischen Erfahrungen in den Kriegsgebieten machten sie zu einer potenziellen Gefahrenquelle – eine unkontrollierte Rückkehr nach Niedersachsen müsse deshalb vermieden werden. Zudem verfügten die enttäuschten Rückkehrer möglicherweise über wichtige Informationen für den Kampf gegen den islamistischen Terror.

Mit Blick auf die Prävention von salafistischer Radikalisierung lobte das Innenministerium das Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück. Mit ihm strebe man eine „formalisierte Zusammenarbeit“ an, teilte die Behörde mit. Das Institut soll demnach am Konzept für die vom Land geplante Beratungsstelle mitarbeiten und später in deren „fachliche Betreuung und Qualitätssicherung“ einbezogen werden.

(Mit dpa)

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