01.08.2014, 06:30 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Hölzerne Kriegszeugen Beamte zwingen Osnabrücker Künstler Mahnmal zu entfernen


Berlin/Osnabrück. In einer spektakulären, frühmorgendlichen Aktion hat der Osnabrücker Künstler Volker-Johannes Trieb am Freitagmorgen zwei hölzerne Mahnmale gegen Krieg an zwei historisch bedeutsamen Plätzen in Berlin aufgestellt. Nach sechs Stunden zwangen Beamte den Künstler, sein Werk zu entfernen.

Nur sechs Stunden dauerte ein Teil der aufsehenerregenden Kunstinstallation durch den Osnabrücker Künstler Volker-Johannes Trieb in Berlin. Trotz Protesten zwangen zwei Beamte der Berliner Behörden den Künstler und sein Team um 10 Uhr vormittags, den Eichenstamm vor dem Reichstag wieder zu entfernen. Die Aktion sei ohne Genehmigung erfolgt, erklärten die Beamten von laufender Fernsehkamera der ARD.

Trieb hatte vorsichtshalber den Lkw einer Spedition aus Hasbergen, mit dem die zwei Kunstwerke gegen den Krieg in den frühen Morgenstunden nach Berlin gebracht worden waren, nicht zurückfahren lassen.

Daher war der mit Geschossteilen versehenen Baumstamm aus dem Elsass schnell wieder aufgeladen. Die zweite Installation zur Mahnung an den Ersten Weltkrieg, der am 1. August vor 100 Jahren für das Deutsche Kaiserreich begonnen hatte, bleibt aber vorläufig an dem Platz des Berliner Stadtschlosses. Dabei handele es sich nicht um ein Grundstück der Stadt Berlin und daher fühlten sich die Beamten nicht zuständig.

Mitstreiter aus der Friedensstadt

Vor dem Reichstag und auf dem Schlossplatz unterhalb des Balkons, von dem Kaiser Wilhelm II. vor hundert Jahren vor begeisterten Berlinern seine „Kriegsrede“ gehalten hatte, waren die Mahnmale in der Nacht zu Freitag aufgestellt worden.

Trieb und eine Handvoll Mitstreiter aus der Friedensstadt Osnabrück hatten per Lkw einen acht Meter langen und von Geschossgarben durchsetzten acht Meter langen Eichenblock nach Berlin transportiert. Das Holz stammt aus der Region um Hirtzbach im Elsass, die im Ersten Weltkrieg erbittert umkämpft war. Mithilfe eines Kranauslegers wurde der Holzblock unbemerkt von der Polizei auf die Wiese vor dem Reichstag gelegt. Auf ihm befindet sich der Schriftzug aus Stahl „Und langsam häufen sich auf dem Feld die Toten“. Dabei handelt es sich um ein Zitat aus dem weltberühmten Antikriegsroman von Erich Maria Remarque „Im Westen nichts Neues“. Der Stamm soll als Mahnmal an die Schrecken des Krieges erinnern.

Kunstinstallation als Geschenk

Noch während die Aktion vor dem Reichstag lief, versandte das Büro des Osnabrücker Künstlers eine E-Mail an alle Abgeordnete des Deutschen Bundestages. Darin erklärt der den Sinn der Kunst-Installation und macht den Holzstamm gleichzeitig allen 631 Parlamentariern zum Geschenk. „Ich hoffe, dass der Baum vier Jahre lang bis zum 11. November 2018 liegen bleibt“, erinnert Trieb an das vierjährige Grauen des Krieges bis November 1918. Danach werde er das durch den Krieg beschädigte Holz in 631 Teile zerlegen und jedem Abgeordneten ein Stück übergeben. „Ich würde mich freuen, nähmen Sie mein Geschenk an“, schließt Trieb das Schreiben an die Abgeordneten.

Rätselhafte Baumstämme in der Osnabrücker Innenstadt

Der Lkw fuhr um 4.10 Uhr weiter zum Berliner Stadtschloss und die Mannschaft aus Osnabrück stellte dort unter den Augen einer Polizeistreifen, die nicht eingriff, eine 2,60 Meter hohe Stele aus dem gleichen Holz auf. Sie trägt das Zitat von Remarque: „Völker töten sich, unwissend, töricht, gehorsam, schweigend.“ Die Stele steht unter jenem Balkon, von dem aus Kaiser Wilhelm II am 1. August 1914 seine „Balkonrede“ hielt. Diese Kriegsrede war getragen von der Zuversicht, „dass unser gutes deutsches Schwert siegreich aus diesem schweren Kampfe hervorgeht.“ Trieb will auch diese Stele als Geschenk verstehen, dieses Mal an die Stadt Berlin.

„Menschenverachtend“

Trieb möchte mit der zweiteiligen Kunstaktion darauf aufmerksam machen, dass Kriege „menschengemacht und – gewollt“ sind. Vor dem Hintergrund der aktuellen Gefechte im Nahen Osten, in Libyen und in der Ukraine sei es Aufgabe von Kunst, die Bundesregierung an ihre hohe Verantwortung zu erinnern: „Unsere Bundesregierung muss sich ihrer Verantwortung bewusst sein, friedenswahrend, friedensmehrend und friedensstiftend zu arbeiten“.

Weitere Meldungen aus Osnabrück finden Sie auf www.noz.de/osnabrück


3 Kommentare