28.07.2014, 13:11 Uhr

Windkraft im Landkreis Osnabrück Energos-Chef sieht Windenergie-Rendite bis 12 Prozent


Osnabrück. Der Chef der Landkreis-Energiegesellschaft Energos, Christian Niehaves, prognostiziert hohe Renditen für Windkraftanlagen. Niehaves rechnet mit einer Gründung der Windenergie Holding des Landkreises Osnabrück (Wehlos) bis Ende Oktober und erklärt im Interview mit unserer Zeitung, warum sich der Start verzögert hat.

Bereits im Sommer 2012 hat der Landkreis Osnabrück den Startschuss für die Gründung einer Energie-Holding gegeben, um die Zahl der Windräder zu verdoppeln. Warum konnte die Windenergie Holding Landkreis Osnabrück (Wehlos) immer noch nicht gegründet werden?

Christian Niehaves: Es gibt schon seit einem Jahr die 100-prozentige Tochter des Landkreises Osnabrück, die Energiegesellschaft Energos. Diese ist relativ zügig gegründet worden. Die Grundidee ist dabei, mit dieser hundertprozentigen Tochter eine gewisse Selbstständigkeit zu haben. Wenn man gewisse Dinge ohne Konsens nicht hinbekommt, dann kann man das auch mit einer 100-prozentigen Tochter machen, sodass man mit dieser Konstruktion eine gewisse Flexibilität hat. Jetzt sind wir dabei, mit den regionalen Energieversorgern und Städten und Gemeinden die Wehlos zu gründen. Wenn viele Beteiligte an einem Tisch sitzen, dann dauert das immer etwas länger, aber wichtig ist ja, dass da hinterher etwas Ordentliches herauskommt.

Warum musste der Landkreis im Vergleich zu den ersten Plänen zurückrudern und die Investitionssumme von ursprünglich 500 auf jetzt 100 Millionen Euro reduzieren?

Wir haben uns das regionale Raumordnungsprogramm angeguckt und geschaut, wo die Windvorranggebiete sind. So haben wir erst einmal das Potenzial erfasst. Jetzt ist es unsere Aufgabe als Energos und später als Wehlos, in den einzelnen Gebieten Fuß zu fassen. Dazu können wir auch als regionaler Energieversorger mit dem Landkreis gemeinsam niemanden zwingen. Wir sprechen jetzt mit den Landwirten beziehungsweise Grundstückseigentümern und gegebenenfalls auch schon Projektentwicklern, die bereits entsprechende Windprojekte entwickelt haben, um die Projekte dann gemeinsam weiter voranzutreiben.

Warum ist die Investitionssumme nun 400 Millionen Euro geringer als ursprünglich geplant?

Wir müssen davon ausgehen, dass wir nicht in allen Windgebieten auch mit an der Organisation teilhaben. Das müssen wir uns erst erarbeiten. Zunächst haben wir gesagt, dass ein Potenzial für 500 Millionen Euro Investitionssumme da ist. Wenn man aber vor Ort kein entsprechendes Gehör findet und sich Grundstückseigentümer dafür entscheiden, das Projekt alleine anzugehen, dann können sie das natürlich auch tun. Als Konsequenz daraus gehen wir aktuell erst einmal von kleineren Summen aus. Es ist aber auch noch nicht entschieden, in wie vielen Projekten wir Fuß fassen können und welche Größenordnungen da letztendlich zusammen kommen.

Bis Ende Juni sollte die Wehlos Konturen annehmen. Wie ist der aktuelle Stand?

Wir hatten uns vorgenommen, vor der Sommerpause fertig zu werden. Das wird nicht mehr klappen. Hintergrund ist, dass die potenziellen Gesellschafter auch noch Gremienbeschlüsse brauchen, die sie vor der Sommerpause nicht mehr alle hinbekommen haben. Wir haben von den angesprochenen Energieversorgungsunternehmen aus dem Landkreis und einigen aus NRW, bei denen Landkreis-Kommunen beteiligt sind, durchweg die Bereitschaft signalisiert bekommen, dass sie an der Wehlos teilhaben wollen. Ich hoffe, dass wir die Wehlos bis Ende Oktober erst einmal stehen haben. Von den sieben angesprochenen Energieversorgern haben die Stadtwerke Osnabrück, die Stadtwerke Georgsmarienhütte und die TEN auch schon die abschließenden Gremienbeschlüsse eingeholt.

Bleibt es also dabei, dass die Energieversorger und die Kommunen mit 49 Prozent und der Landkreis mit der Energos zu 51 Prozent an der Wehlos beteiligt werden?

Wir gehen erst einmal davon aus, dass im ersten Schritt zu 21 Prozent die Energieversorgungsunternehmen (EVU) beteiligt werden und der Landkreis die anderen Anteile solange hält, bis dann die Städte und Gemeinden dazu kommen. So werden die EVU und die Kommunen gemeinsam zu einem späteren Zeitpunkt auf die geplante Beteiligung von bis zu 49 Prozent kommen.

Bringen die Stadtwerke Osnabrück nach der Beteiligung an der Wehlos die bestehenden Windkraftanlagen am Piesberg ein?

Zur Einbringung alter bereits realisierter Projekte haben wir unsere Partner nicht verpflichtet. Wir gehen aber davon aus, dass Energieversorgungsunternehmen ihre neuen Windkraftanlagen in die gemeinsame Gesellschaft einbringen, über die sie zum Teil aktuell verhandeln. Genauso handhaben wir es als Energos auch.

Wie wurde die Wehlos in der nicht-öffentlichen Kreis-Finanzausschusssitzung vorangebracht?

Das Wichtigste war, dass wir ausführlich über die Energos, die potenziellen Wehlos-Gesellschafter und den aktuellen Wehlos-Projektstand informiert haben.

Welche Kommunen haben sich neben Hagen und Hasbergen bereits am Projekt Wehlos beteiligt ?

Hagen und Hasbergen haben sich nicht direkt, sondern als Gesellschafter der Stadtwerke Lengerich in das Projekt eingebracht, genauso wie die anderen Kommunen, die dort Gesellschafter sind. Außerdem wird dort noch die Rückmeldung der Kommunalaufsicht benötigt.

Kritiker monieren, dass noch nichts über die zu erwartende Wirtschaftlichkeit bekannt ist. Wie groß ist das Risiko bei der Beteiligung an der Wehlos?

Keine Investition ohne Risiko. Das ist wie im echten Leben. Wir versuchen das Risiko aber überschaubar zu halten. Die Kritik, dass wenig Informationen zur Wirtschaftlichkeit bekannt sind, kann ich grundsätzlich nachvollziehen. Aber man muss auch bedenken, dass sich jedes Projekt, abhängig vom Projektstand, auch in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit ständig verändern kann. Grundsätzlich gehe ich aber davon aus, dass übliche Renditen von sieben bis zwölf Prozent auch in unseren Projekten erzielbar sind.

Wie viele Windkraftanlagen sollen neu entstehen?

Nach aktuellem Stand würden wir 20 Windkraftanlagen realistisch entwickeln können. Dieser Stand kann sich aber auch wöchentlich ändern.

Welchen Einfluss hat die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die zum 1. August in Kraft tritt, auf die Wehlos?

Das ist auch ein Grund, warum es sich verzögert hat. Nach der Novelle werden die Chancen für die Projekte ein wenig schlechter, aber nicht so, dass sie nicht mehr umsetzbar sind.

Nach der EEG-Novelle wird der Ausbau für Windenergie an Land auf 2500 Megawatt beschränkt, 2013 waren es noch 2740 Megawatt. Zudem dürfen die Bundesländer neue Gesetze zu Mindestabstandsregelungen für Windenergieanlagen einführen. Der bayrische Ministerpräsident Seehofer will einen Mindestabstand zu Gebäuden einführen, der das Zehnfache der Höhe eines Windrads beträgt. Wäre Wehlos noch sinnvoll, wenn es in Niedersachsen ähnliche Entwicklungen gäbe?

Die Abstände sind im regionalen Raumordnungsprogramm klar geregelt, sodass die jetzt bindend sind. Da reden wir nicht von dem Zehnfachen der Höhe der Windräder, sonst wäre es im Landkreis sehr schwer, neue Windkraftanlagen zu bauen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass der grüne Umweltminister Wenzel das Gesetz so verändern will wie Seehofer in Bayern. Denn sonst würde er neue Windkraftanlagen in einem der größten Landkreise in Niedersachsen verhindern, und das will er bestimmt nicht, wenn die Energiewende eine Chance haben soll.


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