26.06.2014, 16:31 Uhr

Afrikaner Abdou Tall fühlt sich mit Osnabrück verbunden Musik ist gut für die Seele

Abdou Tall bespannt eine Trommel. Ein großer Teil seines Lebens hat mit den traditionellen afrikanischen Musikinstrumenten zu tun. Foto: Michael GründelAbdou Tall bespannt eine Trommel. Ein großer Teil seines Lebens hat mit den traditionellen afrikanischen Musikinstrumenten zu tun. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Musik ist gut für die Seele, glaubt Abdou Tall. Der Senegalese arbeitet unter anderem als Musik-Therapeut mit Krebs-Patienten im Osnabrücker Klinikum. Wenn der 45-Jährige mit ihnen trommelt und singt, dann gibt ihnen das Kraft, davon ist er überzeugt.

An einem sonnigen Vormittag sitzt Abdou Tall im Gemeinschaftsgarten Querbeet des „Freiraums Petersburg“ am ehemaligen Güterbahnhof. Er hat ein Trommelfell eingeölt und zurrt es mit schwarzen Bändern, die seinen Dreadlocks ähneln, an einer Trommel fest. Auch das ist einer seiner Jobs: Trommeln reparieren.

Ein anderer Job ist Musik-Therapeut. Durch die Schlaginstrumente gibt er den an Krebs erkrankten Menschen neue Kraft. „Musik tut immer gut. Ich therapiere mich damit auch selbst“, sagt Abdou Tall.

In Afrika habe das Trommeln eine andere Bedeutung als hier, sagt er. „Das ist Spiritualität.“ Früher seien die Instrumente dort vor allem als Kommunikationsmittel eingesetzt worden, heute trommeln sich die Menschen auch die Trauer von der Seele.

Abdou Tall wurde in der Stadt Bignona im Süden des Senegal geboren. Seit 1999 lebt er in Deutschland, erst in Berlin, dann in Osnabrück. „Es ist eine total nette Stadt. Hier gibt es viel Grün.“ Er hat schon Metropolen wie Paris oder Dakar erlebt. Aber in der Hasestadt fühlt er sich wohler. „Vielleicht ist meine Seele mit Osnabrück verbunden“, sagt er. Hier habe er durch die Musik und den Fußball viele Freunde gefunden. Früher hat er in der 1. Liga im Senegal gespielt, in Osnabrück mischte er beim OSC mit. Jetzt kickt er mit Kumpels in einer Hobby-Mannschaft. Als die Sprache auf den VfL Osnabrück kommt, muss er spontan lachen. „Dortmund ist meine Mannschaft“, sagt er schließlich.

Es ist auffallend, wie oft Abdou Tall von der Seele spricht. „Ich bin ein spiritueller Mensch“, sagt er über sich. Er glaube an Gott und die Reinkarnation. „Gute Seelen haben die Chance wiederzukommen und in Frieden zu leben.“ Er sieht sich selbst als „Soldat der Liebe“ und zählt sich zu der muslimischen Bruderschaft „Baye Fall“, bei der die Liebe zu Gott im Vordergrund steht. Sie ist bekannt für ihre religiöse Toleranz, ihren Einsatz für arme Menschen, ihre sufistischen Trancetänze und ihren Lebensstil, der in hiesigen Gefilden „ora et labora“ (lateinisch: Beten und arbeiten) genannt wird. „Wir sind nicht auf der Welt, damit wir machen können, was wir wollen“, erklärt Abdou Tall. Lastern wie Alkohol oder Drogen entsagt der gläubige Mann.

Dass die benachbarte „Lebensquelle“ die Künstlerszene vom Güterbahnhof vertreiben will, versteht Abdou Tall zwar nicht. Er sieht es aber auch gelassen. Gott, so sagt er, werde ihn und die anderen Bewohner der Petersburg an einen anderen Ort bringen. Er sagt aber auch: „Man sollte andere Menschen und Glaubensrichtungen respektieren.“ Das Verhalten der Vertreter der „Lebensquelle“ allerdings habe in seinen Augen wenig mit Liebe zu tun, sagt er. „Und wo keine Liebe ist, da gibt es keinen Gott.“


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