24.05.2014, 20:39 Uhr

Polizei Osnabrück: „Zivilstreitigkeiten“ Wollte Zion GmbH Kulturfest am Güterbahnhof räumen?

Die Zion GmbH hat versucht das Fest des Kulturvereins Petersburg zu stören, weil der ihrer Meinung nach das Gelände am Bahnhof nicht nutzen darf. Foto: Michael GründelDie Zion GmbH hat versucht das Fest des Kulturvereins Petersburg zu stören, weil der ihrer Meinung nach das Gelände am Bahnhof nicht nutzen darf. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Neuer Zoff am Osnabrücker Güterbahnhof-Gelände: Die Zion GmbH hat am Samstagabend versucht, ein Abschlussfest des Kulturvereins Petersburg zu stören. Erneut ging es um die Streitfrage, ob der Kulturverein das Gelände im Eigentum der Zion GmbH nutzen darf – oder nicht. Die Polizei zog aber unverrichteter Dinge ab.

Von Meike Baars und Wolfgang Elbers

Der Kulturverein Petersburg hat auf dem von ihm seit Längerem genutzten Bereich am Probenraumzentrum den Abschluss seines zweiwöchigen Flüchtlingsprojekts „Living inter!culture“ gefeiert, das das Thema „Migration, Asyl und Leben in Osnabrück“ in den Mittelpunkt rückt. Mitorganisatoren sind die Stadt Osnabrück und die Organisationen „terre des hommes“ und „HelpAge“. Rund 200 Teilnehmer und Besucher hielten sich beim Abschlussfest auf dem Gelände auf, wo das Programm neben Informationen zur Situation von Flüchtlingen in Osnabrück auch künstlerische Beiträge umfasste.

Gegen 17.45 Uhr kamen die beiden Geschäftsführer der Zion GmbH, Ralf Gervelmeyer und Thomas Gründler, gemeinsam mit einem Abschleppwagen zum Festivalort. Grund: Es sollte ein nicht korrekt geparktes Auto entfernt werden, was jedoch von Veranstaltungsteilnehmern verhindert wurde. Kurze Zeit später war auch ein Streifenwagen der Polizei vor Ort.

Zeugen berichteten, dass die Zion GmbH dabei erneut infrage gestellt habe, dass der Kulturverein das Gelände für sein Fest nutzen dürfe. Die beiden Zion-Geschäftsführer forderten die Polizei auf, die aus ihrer Sicht widerrechtliche Veranstaltung zu beenden. Dabei äußerte Gervelmeyer: „Ich stehe auch durch die für uns einseitige und negative Berichterstattung über die Situation auf dem Gelände mit dem Rücken zur Wand. Ich kann nicht anders, als hier jetzt geltendes Eigentümerrecht durchzusetzen.“

Beamte greifen nicht ein

Die beiden Polizeibeamten griffen aber nicht ein, da es sich aus ihrer Sicht um „Zivilstreitigkeiten“ gehandelt habe. Wie Zeugen berichten, hatten die Polizisten von den Zion-Geschäftsführern konkrete Belege verlangt, dass der Kulturverein das Gelände unrechtmäßig nutze beziehungsweise hier eine nicht genehmigte Veranstaltung stattfinde. Diese konnten Gervelmeyer und Gründler aber nicht vorweisen. Mit dem Hinweis an die Zion-Geschäftsführer, doch später mit den notwendigen Unterlagen auf der Dienststelle vorbeizukommen, verabschiedeten sich die Polizisten gegen 18.15 Uhr wieder vom Gelände. Wie Florian Beyer, Vorstand des Kulturvereins Petersburg, anschließend mitgeteilt hat, ist es gelungen, sich mit den Zion-Geschäftsführern darauf zu einigen, dass das Fahrzeug umgeparkt werden durfte und nicht abgeschleppt wurde. Das Kulturfest konnte danach ohne weitere Störungen fortgesetzt werden.

Bereits vor einigen Tagen war befürchtet worden, dass das Festival auf der Kippe stehen könnte: Die Zion GmbH als Eigentümerin des Geländes am Güterbahnhof hatte dem Kulturverein eine Frist zur Räumung gestellt. Danach hatte es zwar weitere Gespräche zwischen beiden Parteien gegeben, die am Freitag nach Aussage von Zion-Geschäftsführer Thomas Gründler gescheitert waren, da der Kulturverein den vorgelegten Nutzungsvertrag nicht akzeptieren wollte. Laut Gervelmeyer ist die Zion GmbH aber weiter gesprächsbereit.

Nach Angaben der Petersburg ist der Vertragsentwurf vor allem nicht akzeptabel, weil danach der Kulturverein im August endgültig den von ihm aufgrund einer mündlichen Vereinbarung genutzten Bereich räumen soll. Die Zion GmbH hat dem Verein bis Montagmittag eine neue Frist gesetzt, die „Kulturfreiraum“-Fläche zu verlassen.


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