14.02.2014, 10:33 Uhr

Eine Werkstatt für alle gegen die Wegwerfkultur Bald ein Repair-Café in Osnabrück?


Osnabrück. In vielen Städten gibt es sie schon, in Osnabrück demnächst vielleicht auch: Repair-Cafés sind Treffpunkte, in denen Ehrenamtliche beim Reparieren von Rasenmähern, Staubsaugern oder Handys helfen. Eine Werkstatt, die sich dafür bedingt eignet, gibt es schon. Sie befindet sich im Keller der Kulturfabrik Petersburg am Güterbahnhof. Was fehlt, sind Fachkundige, die ihre Kenntnisse einbringen wollen.

Es begann mit der Idee, selber ein Lastenfahrrad zu bauen. Ein paar Studenten, die dem Kulturverein Petersburg angehören, sahen sich nach einer Werkstatt um und stießen im Keller des früheren Bahngebäudes auf einen alten Waschraum. Wer zum Basteln kommt, muss weitgehend auf Tageslicht verzichten, zudem pfeift der Wind durch das kalte Untergeschoss.

Eine Standbohrmaschine ist schon vorhanden, ebenfalls eine elektrische Säge, eine Nähmaschine und eine Töpferscheibe. Weitere Werkzeuge erhofft sich der Verein auf Spendenbasis. Julian, einer der Initiatoren, erklärt das Konzept so: „Dahinter steht die Idee, dass jeder kommen darf“. Er versteht as bunte Treiben im Keller auch als Konsumkritik, als Signal gegen die Wegwerfkultur. Zugleich bremst er alle, die mit zu hohen Erwartungen dazustoßen: „Wir sind noch im Aufbau“.

Es gehe darum, von den Fähigkeiten des anderen zu profitieren, sagt Christoph, der seine Haare zu einem schicken Dütt zusammengebunden hat. Das könnten auch Fähigkeiten sein, die heute weitgehend verloren gegangen sind.

Werkzeuge und vielleicht auch Materialien werden geteilt, man hilft sich gegenseitig beim Montieren. Der eine baut Fahrräder, der nächste bastelt Emaille-Schmuck, ein weiterer lötet an Kopfhörern und Platinen herum. Als nächstes soll aus Elektroschrott ein Mikrocontroller entstehen, mit dem sich Musikanlagen bei Konzerten steuern lassen. Ach ja, nicht nur männliche Heimwerker treffen sich im kühlen Keller, Theresa ist die einzige Frau dazwischen. Sie baut einen Kerzenständer zusammen.

So provisorisch manches in der Werkstatt noch erscheint, wer bastelt, genießt Versicherungsschutz. Dafür hat der Kulturverein Petersburg gesorgt.

Den Keller-Aktivisten liegt daran, dass sich neue Mitstreiter finden. Im nächsten Schritt könnte dann über ein Repair-Café nachgedacht werden. Wer Kontakt aufnehmen will, kann eine E-Mail an werkstatt@freiraum-petersburg.de schicken.

Was ist ein Repair-Café?

In einem Repair Café können Interessierte allein oder mit Unterstützung ehrenamtlicher Helfer ihre kaputten Geräte reparieren. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen – und die Möglichkeit, mit netten Leuten ins Gespräch zu kommen.

Die Idee des Repair Cafés kommt aus den Niederlanden und hat sich schon weltweit verbreitet. Inzwischen haben sich auch in vielen deutschen Großstädten solche Initiativen gebildet.

Erklärtes Ziel ist es, der Wegwerfkultur etwas entgegenzusetzen. Viele Geräte werden heute mit einer begrenzten Lebensdauer gebaut. Die Repair-Bewegung fühlt sich herausgefordert, diese sogenannte geplante Obsoleszenz außer Kraft zu setzen. Zugleich soll dem handwerklichen Know-how mehr Achtung verschafft werden.

Was in Repair Cafés repariert wird, richtet sich nach den Fachleuten, die sich zur Verfügung stellen. Häufig geht es um Kleidung, Möbel, Fahrräder, Spielzeug, Gartengeräte, elektrische Haushalts-, HiFi- und Multimedia-Geräte.

Weitere Informationen im Internet unter www.repaircafe.de .


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