03.02.2014, 13:17 Uhr

Kulturverein Petersburg atmet auf Güterbahnhof: Zion GmbH verpatzt Kündigungsklage

Er kann sich freuen: Carsten Gronwald bleibt einstweilen Mieter seiner „Traumfabrik Petersburg“.  Foto: Archiv/HehmannEr kann sich freuen: Carsten Gronwald bleibt einstweilen Mieter seiner „Traumfabrik Petersburg“. Foto: Archiv/Hehmann

Osnabrück. Aufatmen beim Kulturverein Petersburg: Die Musiker können weiterhin proben, die Künstler, Tangotänzer, Gärtner und all die anderen Szene-Aktivisten vom Güterbahnhof behalten ihre Freiräume. Einstweilen jedenfalls. Das Landgericht hat die Klage der Zion GmbH gegen ihren Mieter Carsten Gronwald am Montag zurückgewiesen – weil die Klägerin und ihr Rechtsbeistand nicht vor Gericht erschienen waren.

Carsten Gronwald (33) hatte vor einigen Jahren die Idee, die leer stehenden Bahngebäuden an der Hamburger Straße anzumieten, um sie als Probenräume für Musiker und Kulturschaffende weiterzuvermieten. Den Mietvertrag schloss er damals mit der Bahn-Tochter Aurelis ab. Inzwischen gehört das Areal der Zion GmbH, und mit der hat Gronwald seit einiger Zeit Stress.

Die Zion GmbH, deren Geschäftsführer und Mitinhaber Ralf Gervelmeyer mit der freikirchlichen „Lebensquelle“ verbunden ist, will den Vertrag mit ihrem Mieter kündigen . Entgegen früheren Vereinbarungen habe er sich geweigert, eine Betriebshaftpflichtversicherung über eine Million Euro abzuschließen, lautet die Begründung. Weil Gronwald eine solche Vereinbarung bestreitet, will die Zion GmbH die Kündigung mit einer Klage vor dem Landgericht erzwingen.

Als die Richterin die Sitzung der 12. Zivilkammer eröffnet, gibt es eine Überraschung: Sämtliche für die Klägerin reservierten Stühle bleiben leer, und daran kann auch die von der Richterin angesetzte Wartezeit von fünf Minuten nichts ändern. Der von der Zion GmbH beauftragte Rechtsanwalt befindet sich angeblich im Krankenhaus, seine Vertreterin soll ihr Mandat niedergelegt haben. Geschäftsführer Ralf Gervelmeyer bleibt dem Termin ebenfalls fern.

Einige weitere Minuten verstreichen und nichts passiert. Da fällt die Zivilrichterin ein Versäumnisurteil: Sie weist die Klage der Zion GmbH ab und bürdet ihr die Kosten des Rechtsstreits auf. Die orientieren sich an der Nettojahresmiete in Höhe von 19620,72 Euro, die Carsten Gronwald an die Gesellschaft mit dem biblischen Namen zu entrichten hat. Rund 2500 Euro, so rechnet Gronwalds Rechtsbeistand Hans Siepelmeyer vor, dürften durch den verpatzten Termin inzwischen aufgelaufen sein.

Gegen das Urteil kann die Zion GmbH innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen. In diesem Fall muss die Zivilkammer einen neuen Termin anberaumen.


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