31.01.2014, 19:15 Uhr

Am Montag vor Gericht Zion klagt: Kulturverein soll Petersburg räumen

Die Petersburg: So heißt das Gebäude auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände, in dem ein „Kulturbiotop“ gewachsen ist. Der Vermieter klagt auf Räumung. Foto: Wilfried HinrichsDie Petersburg: So heißt das Gebäude auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände, in dem ein „Kulturbiotop“ gewachsen ist. Der Vermieter klagt auf Räumung. Foto: Wilfried Hinrichs

Osnabrück. Die Eigentümerin des Osnabrücker Güterbahnhofs, die Zion GmbH, will den Kulturverein Petersburg an die Luft setzen. Am Montag um 9.15 Uhr treffen sich Vermieter und Mieter vor Gericht.

Vordergründig wird über eine Haftpflichtversicherung gestritten, die der Mieter, Carsten Gronwald, nach Meinung des Vermieters, der Zion GmbH, für das Gebäude hätte abschließen müssen. Außerdem geht es um Vertragsformalitäten, wie das Landgericht am Freitag mitteilte. Im Hintergrund steht allerdings ein tiefes Zerwürfnis zwischen den beiden Parteien.

Die Zion GmbH ist mit der evangelischen Freikirche „Lebensquelle“ verbunden. Inhaber und Geschäftsführer ist Ralf Gervelmeyer, der im vergangenen Jahr für die Bibeltreuen Christen für den Bundestag kandidierte und durch umstrittene Äußerungen über Homosexualität einen politischen Aufruhr in Osnabrück ausgelöst hatte.

Objekt der Auseinandersetzung ist die sogenannte Petesrburg, ein Gebäude-Ensemble am südlichen Rand des riesigen Areals. Der Name geht zurück auf eine Befestigungsanlage aus dem Dreißigjährigen Krieg. Die letzten Reste der Zwingburg verschwanden im 19. und 20. Jahrhundert.

Die Aurelis, eine Tochtergesellschaft der Bahn, vermietete ab 2008 Teile des Gebäudes als Proberäume für Musikgruppen. Nach und nach etablierte sich hier der Kulturverein Petersburg und schuf ein kleines „Kulturbiotop“ .

Die Zion GmbH übernahm 2012 das gesamte, 21 Hektar große Güterbahnhofsgelände. Sie plant hier den Bau eines Gemeindezentrums für die „Lebensquelle“. Die Kultur- und Kneipenszene auf dem alten Bahnhofsgelände schreckte bei dieser Nachricht auf und schob eine politische Debatte über die künftige Nutzung des Geländes an. Auf dem Höhepunkt des Streits entschied der Stadtrat, den denkmalgeschützten Rinklokschuppen für die öffentliche Hand zu sichern und das Vorkaufsrecht in Anspruch zu nehmen . Der Käufer hat dagegen Einspruch eingelegt. Das Verfahren ist noch offen.


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