30.12.2013, 14:39 Uhr

Neue Stiftung vergibt Auszeichnung Zum ersten Mal Hermann-Lange-Preis in Osnabrück vergeben

Daniela Matijevic, Marcus Kroll, Carolyn Döhner, Benjamin Rottmann und Dietmar Schreyer bei der Verleihung des Hermann Lange Preises. Foto: Elvira PartonDaniela Matijevic, Marcus Kroll, Carolyn Döhner, Benjamin Rottmann und Dietmar Schreyer bei der Verleihung des Hermann Lange Preises. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Zum ersten Mal hat die neugegründete Hermann-Lange-Stiftung jetzt drei Projekte ausgezeichnet, die ebenso wie der Namensgeber der Stiftung für Menschen einsetzen, die ansonsten keine Lobby haben.

Der Namensgeber der Hermann-Lange-Stiftung war ein katholischer Priester, der sich sich aktiv gegen das NS-Regime wandte und deshalb hingerichtet wurde. Zum Stiftungs-Kuratorium gehören der Stiftungsgeber Dietmar Schreyer sowie Daniela Matijevic und Benjamin Rottmann. „Lange stand mit jeder Konsequenz für Menschen ein, die keine Lobby haben“, so Matijevic. Daher ehrte die Stiftung drei Osnabrücker Projekte, die nach Meinung des Kuratoriums diese Tradition Langes fortführen.

Erste Preisträgerin war Carolyn Döhner, die sich mit ihrem Projekt „Streuner“ seit sieben Jahren ehrenamtlich für Tiere von Obdachlosen engagiert. Das Projekt wird rein durch Spenden finanziert, die Tierärztin verzichtet auf ein Honorar. Döhner freute sich, dass sie mit dem Preisgeld in Höhe von 600 Euro so viel Impfstoff kaufen kann, wie sie in einem Jahr verbraucht.

„Ganz im Sinne Hermann Langes widmet sich der Verein Elrond der Wiedereingliederung von abstinenten Menschen in die Gesellschaft“, so Matijevic in der zweiten Laudatio. Der Verein böte Hilfe zur Selbsthilfe. Seine Mitglieder würden von der Gemeinschaft gestützt. Sie erhielten eine Wohngelegenheit, feste Arbeit und die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz. Marcus Kroll, der den Preis für den Verein entgegennahm, erklärte: „Durch diese Auszeichnung fühlen wir uns sehr darin bestärkt, unser Ziel, weiter in die Mitte der Gesellschaft zu gelangen, weiterzuverfolgen.“ Auch eine Idee, wozu der Verein das Preisgeld nutzen könnte, hatte er schon: „Das Badezimmer in unserem Haus hat massive Schäden.“

Dritter Preisträger war der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Niedersachsen-Bremen, der sich für die Gleichstellung aller Menschen unabhängig von ihrer Sexualität einsetzt. Zu Hermann Langes Zeit hätte dieser Kampf sicher im Konzentrationslager geendet, stellte Matijevic fest, bevor sie den Preis Benjamin Rottmann als Vertreter des Verbandes übergab. Dieser berichtete: „Ich wüsste nicht, dass der LSVD jemals schon einen Preis bekommen hätte.“ Das mit dem Preis verbundene Geld würde in die Arbeit vor Ort fließen, so Rottmann.

Wer war Hermann Lange?

Hermann Lange wuchs in Leer/Ostfriesland auf, studierte katholische Theologie in Münster und wurde 1938 in Osnabrück zum katholischen Priester geweiht. Sein Onkel hieß ebenfalls Hermann Lange, war sein Vorbild und wurde 1931 als Domdechant von Bischof Hermann Wilhelm Berning in das Osnabrücker Domkapitel berufen. Er selbst wurde später Vikar an der katholischen Hauptkirche, der Herz Jesu Kirche, in Lübeck. Lange stand dem Nationalsozialismus stets ablehnend gegenüber. Er vervielfältigte und verteilte Flugblätter und NS-kritische Schriften, darunter die verschriftlichten Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen. Deshalb wurde er zeitgleich mit zwei weiteren katholischen Geistlichen aus Lübeck verhaftet: Johannes Prassek und Eduard Müller. Zusammen mit ihnen saß auch der evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink im Lübecker Gefängnis ein. Alle vier wurden zum Tode verurteilt und in die Hamburger Haftanstalt Holstenglacis verlegt. Dort besuchte sie der zuständige Osnabrücker Bischof Berning noch vor ihrer Hinrichtung am 10. November 1943. In seinem Abschiedsbrief schrieb Lange: „Vater und Mutter bitte ich inständigst, grübelt nicht und reißt Euch los von allen trübsinnigen Gedanken. Vergeßt nicht, daß Ihr noch mehr Kinder habt, die auch Anspruch auf Euch haben. Ich habe von Anfang an alles in Gottes Hände gelegt. Wenn Er nun dieses Ende von mir fordert – gut, es geschehe Sein heiliger Wille.“ Am Samstag, 25. Juni 2011, wurden in Lübeck die drei katholischen Priester und Kapläne Hermann Lange, Eduard Müller und Johannes Prassek selig gesprochen. Zusammen mit dem evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink sind sie auch als die „Lübecker Märtyer“ bekannt. Mehr Informationen gibt es unter www.luebeckermaertyrer.de .


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